Eschweiler - La Tristesse: Das Stadtfest fällt ins Wasser

La Tristesse: Das Stadtfest fällt ins Wasser

Von: Patrick Nowicki
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Das Stadtfest war verregnet: statt Blüten und Farben und Grau in Grau. Schaustellerin Roswitha Breuer hielt dies dennoch nicht davon ab, gute Laune zu versprühen. Allerdings hinterfragt sie auch den Termin, angesichts der Konkurrenz in der Region.

Eschweiler. „An diesem Stand wird immer gelacht“, sagt Roswitha Breuer. Trotz Regen. Trotz Tristesse in der Innenstadt. Als sie diesen Satz spricht, haben die französischen Händler in der Marienstraße ihre Stände bereits abgebaut.

Dort wurden am Wochenende Spezialitäten aus dem Nachbarland Deutschlands angeboten. Am ges­trigen Sonntag aber machte das Wetter allen einen Strich durch die Rechnung. Statt Menschenmassen strömten Regenschauer durch die Innenstadt. Sehr zum Leidwesen der Schausteller, der Einzelhändler und des Citymanagement-Vereins, der alles bestens organisiert und vorbereitet hatte

Konkurrenz groß

Inmitten von Lebkuchenherzen, Paradiesäpfeln und gebrannten Mandeln verdrängt Roswitha Breuer die schlechte Laune, die manch einen Landenbesitzer beschleichen könnte, wenn er aus dem Schaufenster blickt. „Was will man auch machen?“ Nicht nur das Wetter ist an diesem Tag ein Gegner der Stadtfestorganisatoren, in zahlreichen anderen Städten steht ebenfalls ein verkaufsoffener Sonntag auf dem Programm. In Aachen und Herzogenrath zum Beispiel. Das hält viele Menschen ohnehin davon ab, in die Eschweiler Innenstadt zu kommen. „Warum spricht man sich nicht besser untereinander ab?“, fragt Roswitha Breuer. Seit Jahren steht sie mit ihrem Süßigkeitenstand auf Kirmessen, Stadtfesten und Trödelmärkten in der Region. Beim Stadtfest bedient sie die wenigen Fußgänger am Ende der Neustraße.

Der Start des Stadtfestes war am Freitag vielversprechend. Die Marienstraße glich einem französischen Markt, auf dem Händler Spezialitäten aus ihrem Heimatland anpriesen. Zu einem guten Glas Rotwein konnte man dort „Le pain d‘ epice“ (Gewürzbrot), „Nougat de Montélimar“ (eine Süßspeise) und natürlich verschiedene „Fromages“ (Käse) genießen. Zudem war „Savons de Provence“ (Seife) in allen Duftrichtungen zu erwerben. Die Idee, die dahinter steckte: Die Städtepartnerschaft zwischen Wattrelos und Eschweiler jährt sich zum 40. Mal. Diesen runden Geburtstag wollte der Citymanagement-Verein mit Claus-Dieter Bartholomy entsprechend würdigen. Dass diese Idee letztlich verregnet wurde, konnte niemand vorhersehen.

In Eschweiler ist es allerdings schon Tradition, dass das Wetter dem Frühjahrsstadtfest einen Strich durch die Rechnung macht. Roswitha Breuer empfindet den Termin auch als nicht gut gewählt: „Das Wochenende vor den Osterferien wird von vielen Städten für ein Stadtfest gewählt. Was ist gegen das Wochenende nach Ostern einzuwenden?“ Natürlich wisse sie, dass dann die Osterkäufe erledigt seien, aber zumindest sei die Konkurrenz zu anderen Orten nicht so groß.

Ihr verschmitztes Lächeln verschwindet, als sie über ein in ihren Augen grundsätzliches Problem spricht: „Die Trödelmärkte haben in meinen Augen manchem Stadtfest den Rang abgelaufen, auch weil sie jedes Wochenende stattfinden.“ Der Einkauf an einem Sonntag sei darum nichts besonderes mehr. Während die Einzelhändler um jeden zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntag betteln müssten, sei dies bei den Trodelmärkten Realität. „Wer sich dort einmal umschaut, der weiß, dass inzwischen dort viele Neuwaren angeboten werden“, berichtet sie.

Liebevoll dekoriert

An den Eschweiler Einzelhändlern liegt es nicht, dass die Menschen ihr warmes und vor allem trockenes Wohnzimmer bevorzugen. Vor zahlreichen Geschäften sind bunte Blumenkästen ausgestellt, manche liebevoll dekoriert in den französischen Nationalfarben. Sie erinnerten an das Motto des Frühlings-Stadtfestes „Blüten und Farben“ und an die Ergänzung in diesem Jahr „So is(s)t Frankreich“. In letzteren Genuss kommen die Passanten am Sonntag schon nicht mehr.

Zurück zu Roswitha Breuer, die einem Mädchen mit Mini-Maus-Mütze und gepunktetem Regenmantel erklärt, was in ihrem Stand alles zu erwerben ist. Die Kleine guckt mit großen Augen auf die Vielfalt der Süßigkeiten. Egal wie die Entscheidung aussieht: Für sie hat sich das Stadtfest gelohnt. Im Gegensatz zu den Einzelhändlern.

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