Eschweiler - Kurzzeitpflege: Wenige Plätze im Eschweiler Raum

Kurzzeitpflege: Wenige Plätze im Eschweiler Raum

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Die absolute Zahl der Pflegeplätze in Eschweiler kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es an Kurzzeitplätzen mangelt. Foto: Stock

Eschweiler. Der OP-Termin steht schon seit Karneval fest, doch damit beginnt für Therese K. (Name von der Redaktion geändert) erst der eigentliche Stress. Sie sucht wochenlang vergeblich nach einem geeigneten Kurzzeitpflegeplatz für ihren Mann, um den sich die Rentnerin kümmern muss.

Erst dank vieler Kontakte wird sie schließlich fündig. „Nun aber zu behaupten, es seien ausreichend Pflegeplätze in Eschweiler vorhanden, ist schlichtweg gelogen“, sagt sie. Ihre Erfahrung lehre sie etwas anderes.

Wer sich im Internet auf die Suche nach Kurzzeitpflegeplätzen macht, stößt auf fünf Angebote in Eschweiler – mit insgesamt 24 Tagespflegeplätzen und 17 Kurzzeitpflegeplätzen. Manche Anbieter schreiben von „eingestreuten“ Kurzzeitpflegeplätzen, sie stehen also nicht immer zur Verfügung. Was Therese K. die Suche ebenfalls erschwert: Sie möchte für ihren Mann ein Einzelzimmer in Eschweiler buchen. „Wir wünschen uns auch eine gewisse Privatsphäre“, sagt sie. Zwischen acht und zwölf Tage wird sie nach der Operation ausfallen, dann kann sie die Betreuung ihres Mannes wieder selbst übernehmen.

Auch über eine ambulante Betreuung ihres Mannes hat sie nachgedacht, allerdings wohnt sie in Hücheln. Viele Anbieter hätten da abgewunken: „Wenn das Haus nicht gerade auf der Strecke liegt, dann hat man uns Wartezeiten von mehreren Monaten angekündigt.“ Keine verlockende Aussicht, zumal auch dann nicht garantiert ist, dass der Senior noch am Vormittag besucht wird. Es kann also durchaus möglich sein, dass das Pflegepersonal erst gegen Mittag eintrifft, um den zu Pflegenden zu waschen und bei den grundlegenden Dingen zu helfen.

Wie Therese K. kann es vielen Menschen in Eschweiler ergehen, denn die meisten Menschen werden nach wie vor zu Hause von Angehörigen betreut. Die aktuelle Pflegeplanung der Städteregion, die sich auf Zahlen aus dem Jahr 2013 stützt, geht von 2778 Pflegebedürftigen in Eschweiler aus. Lediglich 671 Menschen, also 24,2 Prozent davon sind stationär untergebracht. 598 Personen werden ambulant betreut, die verbliebenen 1509 Pflegebedürftigen erhalten Pflegegeld, was bedeutet, dass ihre Versorgung von Angehörigen oder nahe stehenden Personen übernommen wird.

Therese K.‘s Mann hat seine Selbstständigkeit bei einem Schlaganfall vor einigen Jahren eingebüßt. Seitdem ist er halbseitig gelähmt, kann jedoch nach einer harten Therapie wieder sprechen und sich bewegen, wie es sein Körper zulässt. Davon war unmittelbar nach dem Schlaganfall nicht auszugehen. Hartes tägliches Training haben ihn wieder erstarken lassen, dass er mit einem Rollator auch kleinere Spaziergänge unternehmen kann. „Mein Mann ist nicht bettlägerig“, sagt Therese K. Dennoch benötigt er vor allem wegen der halbseitigen Lähmung tagtäglich Hilfe. „Versuchen Sie einmal, sich mit nur einem Arm zu waschen und anzuziehen und dabei nur auf einem Bein zu stehen“, schildert sie die Situation ihres Mannes. Die körperlichen Einschränkungen sorgen dafür, dass er in die Pflegestufe II eingeordnet wird.

In der Städteregion Aachen geht man davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren stetig steigt. Die Modellrechnungen gelten nur für die gesamte Städteregion und sehen einen Zuwachs von 20100 Menschen im Jahr 2015 auf 22100 in 2020 und schließlich 25200 in 2030 voraus. Andere Rechenmodelle kommen zwar zu anderen Zahlen, zeigen aber die gleiche Entwicklung. Was verwundert: In absoluten Zahlen stehen in Eschweiler ausreichend Pflegeplätze zur Verfügung. Im Gegenteil: Bei 817 bestehenden Plätzen Ende dieses Jahres liegt die Indestadt selbst Ende 2018 noch mit 260 Plätzen über dem Bedarf.

Überraschend ist die Tatsache, dass sich die Suche nach Kurzzeitplätzen so schwierig gestaltet, allerdings nur auf dem ersten Blick: Wirtschaftlich ziehen Unternehmen Langzeitpflegeplätze vor. Man müsse ja das Personal und die Plätze auch bereit halten, wenn kein Bedarf bestehe, hieß es. Offiziell bestätigen wollte dies jedoch keine der kontaktierten Einrichtungen in Eschweiler. Im St.-Antonius-Hospital wurden die Kurzzeitpflegeplätze abgeschafft, die auch von Patienten genutzt wurden, um die ihnen anvertrauten Personen für die Dauer ihres Krankenhausaufenthaltes entsprechend unterzubringen.

Therese K. hat ihre Suche zumindest erfolgreich beendet. Dennoch will sie nicht einfach so hinnehmen, dass erst viele Anstrengungen und zahlreiche Telefonate nötig waren, einen Kurzzeitpflegeplatz in Eschweiler für ihren Mann zu ergattern. „Wie mir kann es auch anderen Menschen gehen“, sagt sie. Und nicht jeder habe die Möglichkeit wie sie, auf Kontakte zurückzugreifen und sich umfassend im Internet zu informieren. Deswegen müsse etwas geschehen.

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