Kurt Manthey neuer Vorsitzender des Geschichtsvereins

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Der jüngere geht, der ältere kommt: René Hahn (rechts) legte den Vorsitz des Eschweiler Geschichtsvereins nieder. Als Nachfolger schlug er Kurt Manthey (links) vor, der am Donnerstag einstimmig gewählt wurde. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Kurt Manthey ist neuer Vorsitzender des Eschweiler Geschichtsvereins. Die Mitglieder des größten kulturtreibenden Vereins der Stadt wählten den 73-Jährigen am Donnerstag in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Kulturzentrum Talbahnhof einstimmig zum Nachfolger von René Hahn, der im April bereits angekündigt hatte, aus privaten Gründen den Vorsitz abgeben zu wollen. Hahn hatte den Verein seit 2011 geleitet.

Manthey möchte den Geschichtsverein inhaltlich so weiter führen, wie er bisher läuft: „Es wird weitergehen in dem Sinne, wie es bisher gewesen ist, Diesen Mix, so wie er existiert, finde ich sehr gut.“ Und da könne er sich voll auf den Stellvertretenden Vorsitzenden Dieter Spirtz und auch die anderen Vorstandsmitglieder und die Arbeitskreise verlassen. Seine Hauptaufgabe aber sieht der neue Vorsitzende des Geschichtsvereins in einer Verjüngung der Führungsspitze. Sein Appell sei, „jetzt dafür zu sorgen, dass wirklich ein neuer Vorstand im Laufe der Zeit etabliert wird“. Wobei jung aus der Sicht eines über 70-jährigen auch schon jemand sei, der 60 ist.

Dass der Geschichtsverein auch von der Mitgliederstruktur her ein „alter“ Verein sei, sprach Ehrenvorsitzender Simon Küpper an. Der Versuch, junge Menschen für die Geschichte der Stadt Eschweiler zu begeistern, sei ein oft enttäuschendes Bemühen gewesen. Auch René Hahn war es in seiner Amtszeit nicht gelungen, eine Jugendgruppe ins Leben zu rufen.

Der neue Vorsitzende, obwohl seit vielen Jahren Mitglied des Eschweiler Geschichtsvereins, war vielen Mitgliedern noch nicht bekannt. René Hahn selber hatte ihn als Nachfolger vorgeschlagen. In einer kurzen Ansprache – und mit trockenem Humor – stellte Kurt Manthey sich als ein „Kind Europas“ vor: Geboren wurde er im Böhmerwald in einem Ort, der heute zu Tschechien gehört. Die ersten Lebensjahre verbrachte er im heute zu Polen gehörenden Warthegau. „Nach Flucht und Vertreibung über mehrere Stationen landete ich in Duisburg, wo ich meine Schulzeit und meine Studienzeit verbracht habe.“ Dann zog es ihn in den Süden, er war vier Jahre in München und kam dann zurück nach Mönchengladbach, wo er seine berufliche Heimat fand. Noch heute sei er gelegentlich dort beruflich tätig. Seit 1992 lebt er in Eschweiler.

Manthey bringt Erfahrung in der Vereinsarbeit mit. In Neuss war er im Vorstand eines Tanzsportvereins mit 600 Mitgliedern und dort zuständig für die Organisation von Turnieren. In Mönchengladbach ist er heute noch im Vorstand des deutschen Verbandes für Schweißtechnik: „Mein ganzes Leben hat sich in der Schweißtechnik abgespielt, beruflich“.

Einen „kurzen, schmerzlosen Abschied“ wollte René Hahn von seinem Amt als Vorsitzender des Geschichtsvereins nehmen, doch Ehrenvorsitzender Simon Küpper unterbrach die Tagesordnung: „Es geht doch nicht, dass wir einen Vorsitzenden einfach so laufen lassen, ohne ihm zu danken!“ Die Führungsspitze des Vereins sei sehr erschrocken gewesen, als Hahn im Herbst des vorigen Jahres bereits intern seinen Rückzug angekündigt hatte, man habe die Gründe aber akzeptieren müssen. Man habe gelernt, „dass es schwierig ist, sich zu verjüngen“. Küpper überreichte Hahn im Namen des Vorstands ein Abschiedsgeschenk und dankte ihm für seine engagierte Arbeit. Dabei erwähnte er besonders die Organisation des Gründungsfestes im Mai zum 40-jährigen Bestehen.

Es sei „eine schöne, intensive und lehrreiche Zeit“ gewesen, zog René Hahn selber als Bilanz seiner Vorstandsarbeit. Hahn dankte allen Mitgliedern für ihr Vertrauen, namentlich danke er zwei Mitgliedern des Vorstands: dem Ehrenvorsitzenden Simon Küpper „für das Vertrauen und das Verständnis“ und seinem Stellvertreter Dieter Spiertz „für die gute Zusammenarbeit und für deine Solidarität“. Seinem Nachfolger Kurt Manthey wünschte er „alles Gute sowie Mut, die nötige Zeit – die ich nicht hatte – und die Durchsetzungskraft, gegebenenfalls Altes auch loszulassen, Neues zuzulassen, andere Wege zu wagen und vor allem dafür Sorge zu tragen, dass der Eschweiler Geschichtsverein weiterhin prosperiert.“ Die Mitglieder dankten ihm mit viel Beifall.

Einstimmig wie die Wahl des neuen Vorsitzenden wurde auch eine neue Satzung für den Geschichtsverein beschlossen. Sie war durch Anforderungen des Finanzamtes notwendig geworden, um die Gemeinnützigkeit und damit Steuerbegünstigung weiterhin zu garantieren. Erwähnt wurde in dem Zusammenhang, dass die rund 1150 Mitglieder des Geschichtsverein ihre Vereinsbeiträge steuermindernd geltend machen können.

Dass der neue Vorsitzende ein excellenter Geschichtskenner ist, hatte er schon im vorigen Jahr bei einem Vortrag über den historischen Nordkanal zwischen Rhein und Maas bewiesen. Am Donnerstag berichtete er direkt im Anschluss an die außerordentliche Hauptversammlung in einem Vortrag über „Schlösser, Burgen und Herrenhäuser an der Niers“. In diesem Vortrag, veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Eschweiler Volkshochschule, berichtete Manthey ebenso Kurioses wie Wissenswertes über den niederrheinischen Fluss, der nahe Grevenbroich entspringt und nach 116 Kilometern in die Maas mündet. Wer weiß schon – außer den Zuhörern des Vortrags am Donnerstag natürlich – dass die Niers früher zwei natürliche Quellen hatte, heute aber nur noch eine künstliche, die von hochgepumptem Sümpfungswasser des Braunkohlentagebaus Garzweiler II gespeist wird? 73 Schlösser, Burgen und Herrenhäuser liegen an den Ufern der Niers. Das macht, so rechnete Kurt Manthey vor, alle 1,59 Kilometer eines dieser Objekte – eine größere Burgendichte als am Mittelrhein!

Zwei der historischen Gebäude und ihre Geschichte stellte Manthey näher vor, die Schlösser Rheidt und Wickrath. Einige interessierte Mitglieder des Eschweiler Geschichtsvereins werden diese beiden Objekte und den idyllischen Flussabschnitt dazwischen am Samstag, 23. August, auch in natura kennen lernen. Die Anmeldeliste für die Wanderung, die vom neuen Vorsitzenden geführt wird, wurde am Donnerstag von Tisch zu Tisch gereicht und war schnell voll.

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