Kunstrasenplatz: Heilsbringer, der viel Schweiß und Geld kostet

Von: Stefan Herrmann
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Seitdem die Bergrather Falken auf einem Kunstrasenplatz spielen, wachsen die Mitgliederzahlen stetig. Vor allem die Jugendabteilung floriert im Willi-Bertram-Stadion. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Es scheint fast so, als wäre er für immer mehr Eschweiler Fußballvereine der Heilsbringer: der eigene Kunstrasenplatz. Im Bergrather Willi-Bertram-Stadion sind sie bereits Ende 2005 ins neue Fußball-Zeitalter eingetreten.

Damit einher ging eine regelrechte Explosion bei den Mitgliederzahlen, gerade im Jugendbereich. Auch Eschweilers derzeitiges Fußball-Aushängeschild Germania Dürwiß diskutiert seit geraumer Zeit über die Realisierung eines Kunstrasenplatzes. Doch es rumort in den eigenen Reihen.

Befürworter sprechen von einer „Investition in die Zukunft”, Gegner sehen vor allem die finanziellen Risiken, die alle im Verein - auch die Athleten und Turner - treffen könnten. Der Kunstrasenplatz wird zur Zerreißprobe.

Ambitionierte Projekte benötigen kreative Ideen. Auch die Sportfreunde Hehlrath träumen vom Kunstrasenplatz. Doch dieser kostet Geld, viel Geld. Mit einem Investitionsvolumen von rund 385.000 Euro rechnet die Stadt. Der Rat stimmte dem Hehlrather Begehren am 24. Juni 2009 zu. Der Bau ist genehmigt, allerdings unter der Bedingung, dass der Verein 85.000 Euro in Form von Eigenleistungen oder Eigenkapital aufbringt.

„Einen fünfstelligen Betrag haben wir bereits zusammen”, erlaubte Jürgen Classen nun nicht ohne Stolz einen kleinen Blick in die Kunstrasen-Kasse beim ersten Sport- und Spielefest „Am Maxweiher”.

Classen ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Jugend der Sportfreunde Hehlrath. Hinter dem sperrigen Namen verbrigt sich ein klares Ziel: den Kunstrasen zur Realität werden zu lassen. Dafür entwickelten Classen & Co. ungewöhnliche Ideen wie die Rasen-Patenschaften.

Bereits ab zehn Euro können die Menschen einen Quadratmeter Kunst-Grün „erwerben”. „Die Geschichte läuft gut”, sagt Classen. Auf der Vereinsseite im Internet kann man genau verfolgen, welche Flächen noch frei sind. Ob im Strafraum oder rund um die Mittellinie, überall finden potenzielle Paten noch ihr Plätzchen.

Um die Mitglieder der Sportfreunde, aber auch die Bevölkerung aus den umliegenden Orten für das Kunstrasenprojekt zu gewinnen, fand am vergangenen Wochenende das Sport- und Spielefest statt. Viele Aktionen für die Kinder. Dazu Kaffee, Kuchen und Grillwürstchen. Schlemmen für den guten Zweck.

„Wir wollen 2011 anfangen”, formuliert Classen klare Ziele und erläutert die Dringlichkeit: 212 Spielern bietet die Hehlrather Jugendabteilung derzeit eine sportliche Heimat. 13 Mannschaften kicken „Am Maxweiher”. Zumindest theoretisch, denn nur allzu oft fallen Trainingseinheiten aus, Spiele müssen verlegt werden.

Das bedeutet in Zahlen: 300 Übungsstunden und Punktspiele fallen den widrigen Platzverhältnissen zum Opfer. Das holprige Geläuf ist die Achillesferse des Vereins. „Wir wollen uns als attraktive Anlaufstelle für den Jugendfußball etablieren”, sagt Classen. Als Vorbild fungieren durchaus die Falken in Bergrath.

„Kinder zum Sport hinführen, eine soziale Verantwortung für den Ort übernehmen”, nennt Classen das, was derzeit in Hehlrath passiert. Der Platz werde darüberhinaus nicht nur vom Verein, sondern auch von der angrenzenden Grundschule genutzt. Deren Leiter Gerd Schnitzler lobt die Kooperation zwischen Verein und Schule.

Gleichzeitig beklagt auch er den katastrophalen Zustand des Platzes. Einige Bereiche des Feldes, so Schnitzeler, werden beim Schulsport bewusst gemieden. Holprig, kahle Stellen und Unebenheiten - von einem grünen Teppich kann keine Rede sein, allenfalls von einem Stolperfallenparcours.

All das soll möglichst bald ein Ende haben. Classen und viele weitere Sportfreunde glauben an das Projekt. Beim Bau des Vereinsheims bewiesen die Hehlrather bereits, dass sie mit viel Einsatz etwas eigenständig realisieren können.

Zwar müsse der finanzielle Aspekt, gerade in Zeiten klammer Kommunen, berücksichtigt werden. Doch in Hehlrath argumentiert man vor allem damit, dass man hier durch eine große Jugendabteilung eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernehme.

Mit diesen Argumenten rennt man bei Bürgermeister Rudi Bertram offene Türen ein: „Vom Grundsatz ist es natürlich so, dass jeder Verein einen Kunstrasenplatz haben möchte. Entscheidend ist aber die Jugendarbeit. Ich werde nicht sagen: Ein Verein bekommt einen Kunstrasenplatz, wenn es dort aber nur zwei Jugendteams gibt.”
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