Eschweiler-Dürwiß - Kunstherz-Dieb bringt Opfer in tödliche Gefahr

Kunstherz-Dieb bringt Opfer in tödliche Gefahr

Von: Anne Schröder
Letzte Aktualisierung:
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Karin Schnitzler ist an eine Herzpumpe angeschlossen, die über die Steuerung ihrem Rucksack versorgt wird. Wenn das Hauptgerät ausfällt, muss sie sofort den Ersatz anschließen. Foto: Anne Schröder
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So ein Notfallset wurde aus ihrem Rollator geklaut. Es enthält die Steuerung und zwei Akkus für die Pumpe. Foto: Anne Schröder

Eschweiler-Dürwiß. Ohne den Rucksack, den Karin Schnitzler vor der Brust trägt, könnte sie nicht überleben. Sie ist schwer herzkrank und hat vor zwei Jahren eine Pumpe implantiert bekommen, sodass ihr Körper wieder ausreichend mit Blut versorgt werden kann.

Diese Pumpe ist eine Art von Kunstherz und direkt über ein Kabel mit einem Steuergerät in dem Rucksack verbunden, das über Akkus versorgt wird. Den etwa 3,5 Kilogramm schweren Rucksack trägt sie 24 Stunden bei sich. „Falls die Steuerung für die Pumpe ausfällt, habe ich nur zwei Minuten Zeit, um das Ersatzgerät anzuschließen.“ Dieser Ersatz wurde ihr jetzt allerdings geklaut. Im eigenen Hausflur.

Sie lebt im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses. Wenn sie draußen unterwegs ist, braucht sie immer einen Rollator, der unten im Hausflur steht. In dem kleinen Wagen hat sie bisher das Notfallset aufbewahrt. „Ich habe es extra darin gelassen, um unterwegs versorgt zu sein. Hier in der Wohnung muss ich mir keine großen Sorgen machen. Bei Problemen kann mein Mann kurz runter laufen und es holen.“ Ihr Mann, Jürgen Schnitzler, ist immer an ihrer Seite und unterstützt sie im Alltag.

Wer das Gerät geklaut hat, kann sich das Ehepaar nicht erklären. Die Haustür sei immer zu und das Verhältnis zu den Nachbarn auch gut. „Außerdem ist das Gerät nichts, was irgendwer einfach benutzen oder umbauen kann.“ Wahrscheinlich habe jemand darein geguckt, bemerkt, dass es schwer ist und mitgenommen.

Wochenlanges Warten

Dass das Gerät gestohlen wurde, hat sie auch erst durch Zufall entdeckt. Nach einem Arztbesuch am Donnerstagmorgen flog draußen der Umschlag der Rollatortasche hoch – der Reißverschluss war nicht wie sonst verschlossen. Die dunkelbraune Apothekertüte, in der das Ersatzgerät war, konnte sie nicht mehr finden. „Ich habe als erstes im Aachener Klinikum angerufen, die mir damals das Kunstherz implantiert haben.“ Dort hat sie schnell ein Ersatzgerät ausgeliehen bekommen. Bis sie aber vom Hersteller ein eigenes Gerät bekommt, können Wochen vergehen.

Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, weiß Karin Schnitzler noch nicht. Das muss in der nächsten Zeit geklärt werden. Auch die Polizei hat sie selbstverständlich sofort über das Fehlen der Tasche informiert. „Die Beamten haben mich natürlich nach dem Wert gefragt. Für mich ist das Gerät Millionen wert“, erklärt Karin Schnitzler unter Tränen. Sie ist sichtlich betroffen und vor allem enttäuscht.

Durch die Krankheit ist ihre Freiheit sowieso stark eingeschränkt. Sie trägt immer einen Notfallknopf bei sich, wenn sie alleine in der Stadt unterwegs ist. Denn wenn plötzlicher Schwindel aufkommt, braucht sie dringend professionelle Hilfe. „Bei mir kann man keinen Puls feststellen.“ Das kann beispielsweise bei helfenden Passanten für Irritation und Missinterpretation führen.

Auch wenn die 56-Jährige sich an den Alltag mit dem Kunstherz gewöhnt hat, sind die Sorgen ein ständiger Begleiter. Von Technik abhängig zu sein, ist immer eine Herausforderung. So ein Vorfall trifft sie daher besonders schwer. Das Vertrauen ist weg. Das Gerät vom Klinikum ist nun auch immer in der Wohnung. Beim Rausgehen muss sie ab sofort daran denken, die Ersatztasche einzupacken.

Dienstag war es das letzte Mal, dass das Ehepaar das Notfallset gesehen hat. „Man kann nur hoffen, dass der Dieb endlich begreift, was er da eigentlich geklaut hat und es zurück bringt“, sagt Jürgen Schnitzler sauer. Die Polizei habe ihnen aber nicht viel Hoffnung machen können, dass das Gerät zurückkommen wird. Zwar hat Jürgen Schnitzler noch im Müll nach dem Set gesucht, falls der Dieb es aufgrund von Unbrauchbarkeit weggeworfen haben sollte. Aber der Restmüll von der Woche wird zu allem Unglück bereits donnerstags abgeholt.

Beide können nicht begreifen, wie jemand so etwas machen kann und nicht versteht, welche Auswirkungen das hat. „Ich möchte das Gerät einfach nur wiederhaben. Ob derjenige geschnappt wird oder nicht, ist mir gar nicht so wichtig“, betont die 56-Jährige immer wieder.

Es sei ihr auch recht, wenn es wieder anonym in den Rollator im Hausflur gelegt wird. Auch im Fundbüro oder bei der Polizei kann es abgegeben werden.

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