Eschweiler - Kunst, die mahnt und auch Mut macht

Kunst, die mahnt und auch Mut macht

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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„Gottes Schöpfung bewahren“: ein Ausschnitt des Hungertuchs von 2009 eines nigerianischen Künstlers. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Sie freuen sich über eine gelungene Ausstellungseröffnung: Pfarrer Hannokarl Weishaupt und Claudia Kolletzki von Misereor. Links das Hungertuch von 1996 des deutschen Malers Sieger Köder. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. „Auf Tuchfühlung“ heißt eine Ausstellung, die in den kommenden sieben Wochen in der Kirche St. Marien im Stadtteil Röthgen zu sehen ist. Gezeigt werden Bilder aller Misereor-Hungertücher, die in den vergangenen 40 Jahren in der Fastenzeit in Kirchen hingen.

Vor 40 Jahren hat das weltweit tätige Bischöfliche Hilfswerk Misereor, das seinen Sitz in Aachen hat, die aus dem Mittelalter stammende Tradition der Hungertücher aufgegriffen. Mit diesen Tüchern wurde früher in der Fastenzeit der Chorraum der Kirche verdeckt. Es war sozusagen ein „Fasten für die Augen“, erläuterte Dr. Claudia Kolletzki von Misereor am Sonntag bei der Eröffnung der Ausstellung den fast 100 Besuchern. Hinter den achteinhalb mal neun Meter großen Tüchern blieb im Mittelalter der Prunk der Altäre und auch das Geschehen am Altar während der Messen den Gläubigen verborgen.

Schmachtlappen

Seit 1976 lässt Misereor alle zwei Jahre ein Hungertuch erstellen, allerdings nicht in den riesigen Maßen vergangener Jahrhunderte. Die heutigen Hungertücher, im Volksmund auch Fastentücher oder Schmachtlappen genannt, sind zwei mal drei Meter groß. Künstler aus aller Welt haben für diese Tücher die Botschaft der Bibel in oft bewegende Bilder umgesetzt.

So zeigt zum Beispiel das Tuch „Was ihr dem Geringsten tut“ des togolesischen Malers Sokey Edorh von 2011 die unmenschlichen Lebensbedingungen in den Armenvierteln der 3. Welt, aber auch den Lebensmut der Menschen dort. Die Hungertücher als „Schaubilder des Glaubens“, so Dr. Kolletzki in einer Broschüre zu der Ausstellung, „geben Zeugnis von der Solidarität mit den Armen, Schwachen und Ausgegrenzten und sind immer auch Anfrage an unser Christsein und unseren Lebensstil.“

Die Motive der Hungertücher sind meist gegenständlich dargestellt. Erst mit dem 2015 entstandenen aktuellen Tuch des chinesischen Malers Dao Zi geht Misereor neue Wege. Sein abstraktes Bild „Gott und Gold – wie viel ist genug“ hat nur drei Farben. Es zeigt eine goldene Fläche vor einem schwarz-grauen Hintergrund. „Das Bild wirkt wie ein Kreuz, und in der Mitte des Bildes ist ein großer Goldklumpen, ein Stein, der vom Himmel herabstürzt, aber noch nicht auf der Erde gelandet ist“, erläutert der Künstler selber in einem Video sein Werk. „Unten am Bildrand gibt es sieben kleine Goldkörner. Sieben als biblische Zahl bedeutet Erfüllung. Es heißt: Was Gott uns auf der Erde gegeben hat, ist genug.“

Dieses neueste Hungertuch hängt in der Kirche St. Marien im großen Sechs-Quadratmeter-Format über dem Altar. Noch größer, so groß wie Hungertücher im Mittelalter, ist es im Bonner Münster zu sehen, berichtete Dr. Claudia Kolletzki. Die anderen 19 Motive wurden für die Ausstellung verkleinert, damit sie auf normale Stellwände passen.

Vor zwei Jahren wurde vom Gemeindekreis St. Marien und Marlene von Wolff angeregt, diese Ausstellung nach Eschweiler zu holen, berichtete Pfarrer Hannokarl Weishaupt bei der Einführung am Sonntag. Er dankte herzlich allen Helfern, die zum Gelingen beigetragen haben. Auch die Stadtbücherei und der Eschweiler Geschichtsverein beteiligen sich mit Veranstaltungen an dem Projekt.

Solidarität als christliches Gebot

„Wir sind umgeben von der Not der Völker“, sagte Pfarrer Weishaupt in seiner Begrüßungsansprache. Er wies darauf hin, dass die Botschaft der Hungertücher heute aktueller ist als je: „Wir leben gemeinsam mit vielen Menschen, die es vor zwei Jahren in Eschweiler noch nicht gab. Gemeinsam mit Flüchtlingen.“ Aber: „Gott geht mit uns. Christen leben in der Hoffnung, dass sie die Probleme der Welt lösen können, solidarisch mit anderen.“ Dafür stehe auch diese Ausstellung: „Dass wir hoffen als Christen, dass kein Mensch auf dieser Welt auf der Strecke bleibt. Wir schaffen das, aber wir schaffen das nur in Solidarität.“

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