Kritischer Blick auf Keime und Krankenzimmer

Von: Sarah Maria Berners
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Nicht nur sauber, sondern steril muss es sein: Hygienefachschwester Beate Metterhausen nimmt Trinkwasserproben. Auch das gehört zu ihrem Job. Foto: Sarah Maria Berners

Eschweiler. Wer sich den Arbeitsalltag von Hygienefachfrau Beate Metterhausen so vorstellt, dass die Dame den ganzen Tag mit dem Sterilium-Fläschchen in der Hand über die Krankenhaus-Flure rennt, hat weit gefehlt.

Der Beruf der Hygienefachschwester ist umfassend, vielseitig, komplex - und in ihrer Funktion ist die sympathische Frau auch immer mal wieder der Buhmann. Schließlich ist sie es, die den anderen kritisch auf die Finger schaut und immer wieder Kleinigkeiten beanstanden muss - wenn es die Situation erfordert, auch mit erhobenem Zeigefinger.

Aber Beate Metterhausen geht in ihrem Beruf auf:„Es gibt so viele interessante Aspekte, mit denen ich mich befasse”, sagt sie. Der Aspekt der Handhygiene sei nur einer von vielen, wenn auch ein sehr bedeutender und populärer.

Was keucht und fleucht

Anders als man zunächst vermutet, sitzt die Hygienebeauftragte einen weiten Teil ihres Arbeitstages vor dem Computer. Hinter ihr ein Schrank voller Aktenordner, vor ihr auf dem Schreibtisch eine Tabelle über Antibiotikaresistenzen. Aus dem Labor werden ihr alle mikrobiologischen Befunde zugeschickt. So hat Metterhausen immer im Blick, was im Krankenhaus so kreucht und fleucht. Sie hat im Blick, unter welchen Erreger die Patienten leiden und wo Patienten isoliert werden mussten. Dort ist sie natürlich auch selbst vor Ort und ins interne Netzwerk stellt sie Listen ein, auf denen genau verzeichnet ist, was im Falle des Falles zu tun ist. Bei der jüngsten Norovirus-Welle habe das einwandfrei geklappt, man habe die Situation schnell und gut lösen können.

Spezieller Teppichboden

Metterhausen ist im St.-Antonius-Hospital nicht allein für die Hygiene zuständig, aber bei ihre laufen die Fäden aus allen Abteilungen zusammen. Sie wirft immer wieder einen Blick in Küche und Wäscherei, nimmt Stichproben des Trinkwassers und Abstriche von Fußbodenbelägen und Geländern. „Der Teppichboden bei uns, ist speziell für Krankenhäuser gemacht und er lässt sich gut reinigen. Allerdings ist das kostenintensiver als zum Beispiel bei gefliestem Boden.”

Wenn Beate Metterhausen über die Flure läuft, hat sie immer den „Hygieniker-Blick”. Hier ist der Halter von einem Desinfektionsmittelspender schief, dort entdeckt sie einen Wagen mit Verbandszeug, der nicht ganz sachgemäß behandelt wird, oder ein Stück Schmutzwäsche, das am falschen Ort liegen geblieben ist. Beate Metterhausen kommt selber aus dem Pflegebereich und weiß, wie der Arbeitsalltag aussieht.

„Oftmals sind es kleine Fehler, die sich im Arbeitsalltag einschleichen”, sagt Chefarzt Christian Karl, der zugleich Hygieniker im Haus ist. Sätze wie „Das haben wir noch nie so gemacht” oder „Das war doch schon immer so” hören die beiden nicht selten. Auf leichten Widerstand stößt die Hygienebeauftragte auch in den höheren Ebenen. Auch dort gilt es ab und an Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn auch wenn die Sauberkeitsmaßnahmen auf allen Stufen groß geschrieben werden, so sind sie doch meist präventiver Natur und ihr geldwerter Vorteil ist nicht immer sofort erke„nnbar. „Natürlich müssen Zeit- und Kostenaufwand verhältnismäßig sein”, sagt Metterhausen. Meistens rechne sich die Vorsorge jedoch.

Auch bei den derzeitigen Planungen für den neuen Operationsbereich für die Gynäkologie sind die Hygieniker gefragt. „Die Schleusen und die Wegführung müssen stimmen. Die Wege des sterilen Materials, das in den OP hineinkommt, und die des hinausgehenden Materials dürfen sich zum Beispiel nicht kreuzen”, erklärt Metterhausen. Für jeden Kittel und jedes Skalpell lasse sich der Weg durch die Sterilisation genaustens verfolgen.

Doch auch bei der penibelsten Einhaltung aller Hygieneregeln, lässt es sich nicht vermeiden, dass Erreger ins Haus kommen. Schließlich sind es nunmal kranke Menschen, die ein Krankenhaus aufsuchen. Kommt ein Patient mit dem Norovirus oder multiresistenten Viren ins Haus, sagen festgelegte Pläne, was zu tun ist. Auch der Ablauf wie ein Operationssaal zu reinigen ist, ist peinlich genau festgeschrieben.

Hände waschen nicht vergessen

Professor Karl hat das Desinfektionsmittel derzeit immer in der Kitteltasche. Auch Ärzte sind vor einem Schnupfen nicht sicher. Wenn er niesen oder husten muss, hält er nicht die Hand vor den Mund, sondern den Ellenbogen und nach dem Schneuzen werden die Hände wie selbstverständlich wieder desinfiziert. „Die Desinfektion der Hände muss zu einem Automatismus werden”, sagt Metterhausen. Dazu müsse man sich die Bedeutung immer wieder bewusst machen. „Es gibt viele Studien, die belegen, wie wichtig die Handhygiene ist”, sagt sie. Das gelte auch für den Alltag. Allerdings sei das das Waschen mit Seife meist ausreichend.

Beim Personal sei die Desinfektion etabliert. „Die Akzeptanz ist in dem Maße gestiegen, in dem die Abstände zwischen den Spendern verringert wurden”, sagt Metterhausen. Kurze Wege, häufige Nutzung.

„Einmal Hände desinfizieren dauert 30 Sekunden und kann in die Arbeit integiert werden”, sagt sie, um Kritik, dass die Desinfektion im Laufe eines Arbeitstages zu großem Zeitverlust führen würde, zu entkräften. Aber auch die Besucher können einen Beitrag zur Krankenhaushygiene leisten. Zum einen, indem sie sich die Hände desinfizieren, zum andern, indem sie, sollten sie selbst krank sein, nicht unbedingt zum Patientenbesuch vorbei kommen.
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