Krippe der St.-Marien-Kirche: Altes Holz trifft auf neue Technik

Von: Laura Laermann
Letzte Aktualisierung:
13703863.jpg
Die Holzfiguren wurden 1966 in Oberammergau geschnitzt. Mit Holzschnitzeln, Moos, Ästen und Steinen haben die Krippenbauer eine morgenländische Kulisse gestaltet. Eine Besonderheit in diesem Jahr ist der Hintergrund, der eine Wüstenlandschaft zeigt. Foto: Laura Laermann
13703864.jpg
Die Krippenbauer Hans-Peter Römer und Horst Liegl sowie der Hermann-Josef Weyand (von links) präsentieren die über 25 Quadratmeter große Krippe in der St.-Marien-Kirche. Foto: Laura Laermann

Eschweiler. Nach einer langen Reise aus Nazareth sind Maria und Josef endlich in Bethlehem angekommen. Weil in der Herberge des Ortes kein Zimmer mehr frei ist, gibt ihnen ein barmherziger Mann Unterschlupf in seinem Stall. Vor 2017 Jahren soll ihr Sohn zur Welt gekommen sein.

Sie nannten ihn Jesus, wie es der Engel Gabriel Josef im Traum verkündet hatte. Eingewickelt in Tücher legten die Eltern den Neugeborenen in eine Futterkrippe.

Jedes Jahr können Besucher der St.-Marien-Kirche sich die Weihnachtsgeschichte in einer detailverliebten Krippe ansehen. Das Krippenteam der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist verändert Woche für Woche die Position der Figuren und erzählt den langen Weg von Maria und Josef. Kurz vor dem ersten Advent beginnen sie mit dem Aufbau. Etwa zwei Tage benötigt das Team aus sechs bis sieben Ehrenamtlern, um die Krippe zu gestalten.

Auf stabilen Holzpfählen werden mehrere Latten ausgelegt, so dass eine erhöhte Fläche von insgesamt 25 Quadratmetern entsteht. „Diese Krippe ist ein sehr großes Exemplar, das gibt es nur selten“, sagt Horst Liegl, der seit rund 20 Jahren die Krippe aufbaut. „Die Konstruktion hält einem hohen Gewicht Stand, da wir die Fläche beim Auf- und Umbau mit mehreren Personen betreten müssen.“ Zunächst wird die Fläche mit Hackschnitzeln aus Holz ausgelegt. Der Holzstall, die Herberge, und kleine Bäume markieren die Orte der einzelnen Szenen.

Mit Naturmaterialien wie Zweigen, Moos, Kiesel und Schiefer, wird die Landschaft bis ins Detail gestaltet. Es entsteht eine warme, morgenländische Atmosphäre, die vor allem durch die Rückwand der Krippe geprägt ist. Diese wurde 2016 neu angefertigt und zeigt eine weite Wüstenlandschaft. „Seit Jahren haben wir in ganz Deutschland nach so etwas gesucht“, erzählt Hans-Peter Römer, der den Krippenaufbau organisiert. „Letztlich konnte ein Unternehmen aus Alsdorf das Bild auf mehrere Bahnen drucken.“

Wenn die Kulisse steht, werden die aus Holz geschnitzten Figuren der St.-Marien-Kirche aufgestellt. Diese stammen aus dem Jahre 1966 und wurden von einem Oberammergauer Schnitzer angefertigt. Circa 30 Figuren gehören zum Repertoire. Ausschließlich der Verkündigungsengel und das Kamel haben einen anderen Ursprung. Der Engel war einst Teil eines alten Hochaltars der St.-Marien-Kirche und wurde aus diesem herausgeschnitten.

Das 80 Zentimeter hohe Kamel schnitzte der damalige Küster der Kirche, Matthias Schreiber, in seiner Freizeit und fügte es der Krippe hinzu. Die Figuren sind bunt bemalt und mit selbstgenähten Gewändern bekleidet. Zudem sind sie beweglich und lassen sich ideal in Szene setzen. So kann man die Figuren hinsetzen, hinknien und die Arme flexibel positionieren.

Dies war bei der vorherigen Krippe nicht möglich. Sie wurde 1906 hergestellt, und 1957 ein letztes Mal restauriert. Schließlich musste sie ersetzt werden und der Krippe aus dem Oberammergau weichen. Da die Anschaffung teuer ist, gehört die Pflege der Krippe zu den wichtigen Aufgaben der Krippenbauer. Zum Beispiel müssen Kostüme geflickt oder der Stall repariert werden.

Auch die Lichtkonstellation haben die Krippenbauer selbst installiert. Im inneren Rahmen sind kleine Strahler eingebaut, die die gesamte Krippe beleuchten. „Wir können die einzelnen Strahler steuern und eine bestimmte Szene der Krippe beleuchten“, erklärt Liegl, der das Krippenteam mit seinem Handwerk bereichert. 120 Meter Kabel sind unter dem Stall verlegt, die über 22 Schaltstellen die Konstruktion mit Strom versorgen.

Dies ermöglicht Details, wie ein kleines Licht im Fenster der Herberge oder das flackernde Lagerfeuer der Hirten. Eine weitere Besonderheit ist das Glockenspiel, das besonders bei Kindern beliebt ist. Wirft man fünf Cent hinein, ertönt ein Weihnachtslied.

Mit „singenden Hirten“ kann die Krippe von St. Marien zwar nicht auftrumpfen, aber das ist auch nicht der Anspruch der Krippenbauer. Richtige Krippenbauvereine dagegen planen die Gestaltung und den Aufbau über das ganze Jahr. „Jede Pfarre hat andere Ideen und andere Mittel“, erklärt Hans-Peter Römer. „Es gibt Krippen, die mit Eifel-Figuren bestückt sind oder die im orientalischen Stil gestaltet werden. Wir bleiben klassisch.“

Die Krippenbauer sind ein eingespieltes Team: „Mit Plänen, einem System und guter Organisation läuft es in jedem Jahr reibungslos“, erklärt Hans-Peter Römer. Nach den Weihnachtstagen müssen die Krippenbauer noch einmal ran. Dann wird für die Ankunft der Heiligen Drei Könige umgebaut, die ihre Gaben dem neugeborenen Jesuskind bringen. Normalerweise bauen sie die Krippe am darauf folgenden Sonntag ab, doch im neuen Jahr kann sie noch bis zur Gemeinschaftsmesse am 15. Januar bewundert werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert