Kriminelle Jugendbande im Polizei-Visier

Von: Rudolf Müller
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Eschweiler verzeichnet im Gegensatz zu allen anderen Kommunen der Städteregion deutlich steigende Kriminalitätszahlen. Symbolbild: Colourbox

Eschweiler. Was Aachens Polizeipräsident am Montag im Präsidium präsentierte, kann manch einen froh stimmen. Nicht aber die Indestädter. Denn während die Zahl krimineller Delikte generell im vergangenen Jahr spürbar zurückgegangen ist, hat Eschweiler einen deutlichen Zuwachs zu verzeichnen.

In allen Kommunen der Städteregion sind die Fallzahlen deutlich gesunken. Mit zwei Ausnahmen: Im Raum Monschau/Simmerath/Roetgen sind die Zahlen mit einer Steigerung von 0,4 Prozent nahezu konstant geblieben. In Eschweiler sind sie um 17,5 Prozent gestiegen – von 4553 Fällen anno 2015 auf 5353 im vergangenen Jahr.

Zum Vergleich: In der Nachbarstadt Stolberg gab es bei annähernd gleicher Einwohnerzahl anno 2015 noch 4207 Delikte. Im vergangenen Jahr waren es noch 3591 – ein Minus von 14,6 Prozent. Und 1762 Fälle weniger als in Eschweiler.

Für den deutlichen Anstieg der Kriminalitätszahlen in Eschweiler macht die Polizei vor allem eine Jugendbande verantwortlich. Deren Mitglieder, 15 bis 25 Jahre alt, gehören unterschiedlichsten Nationalitäten an, stammen nicht alle aus Eschweiler, haben die Indestadt aber zu ihrem Tätigkeitsfeld erkoren.

Bisher weist die Polizei der Bande rund 100 Delikte zu – Tendenz steigend. Schwerpunkte: Einbrüche, Gewaltdelikte, Straßenkriminalität. Acht der Bandenmitglieder konnten die Kripo bislang identifizieren. Von den übrigen erwarten die Beamten auch in diesem Jahr eine erhebliche Anzahl an Straftaten. Die Konsequenz: Die Polizei will ihre Präsenz in Eschweiler in diesem Jahr deutlich verstärken.

Aufgeklärt wurde fast jede zweite Straftat in Eschweiler: Mit 48,4 Prozent lag die Quote im Durchschnitt der Kreispolizeibehörde. Wobei es je nach Delikt natürlich erhebliche Unterschiede gibt: Bei Rauschgiftdelikten etwa lag sie bei 86 Prozent, bei vorsätzlicher leichter Körperverletzung bei 93 Prozent, bei Vergewaltigung bei 78 und bei Betrug bei 67 Prozent.

Dagegen werden bei Diebstählen nur 20 Prozent, bei Straßenkriminalität nur 14, bei Gaststätteneinbrüchen nur 6 und bei Wohnungseinbrüchen immerhin 18 Prozent aufgeklärt. Letzteres ist eine Zahl, die sich sehen lassen kann: Im Jahr zuvor lag sie lediglich bei 9 Prozent. Die Aufklärungsquote bei Tageswohnungseinbrüchen stieg sogar von 6 auf 24 Prozent.

Wie schon 2015 hatte die Kripo im vergangenen Jahr auch zwei Mordfälle in Eschweiler zu bearbeiten. Nur einer davon konnte aufgeklärt werden. Im Fall des in Pumpe getöteten 89-Jährigen tappt die Polizei weiter im Dunkeln. Die beiden Fälle von Totschlag, die es 2016 an der Inde gab, konnten dagegen aufgeklärt werden.

Einbruchszahlen steigen an

Wenn die Polizei im zurückliegenden Jahr auch schwerpunktmäßig versuchte, Einbrechern das Leben schwerer zu machen, von Entwarnung kann in Eschweiler keine Rede sein. Allein die Zahl der Gaststätteneinbrüche stieg von 2015 auf 2016 um 227 Prozent von 15 auf 49. Auch auf Geschäftslokale hatten es Einbrecher vermehrt abgesehen: Die Zahl stieg von 44 auf 74 Fälle. Einen drastischen Anstieg gab es auch bei den Wohnungseinbrüchen: von 169 auf 220. 118 Mal kamen die Täter am helllichten Tag – im Jahr zuvor passierte dies 85 Mal. Und auch die Zahl der Kellereinbrüche verdoppelte sich: von 32 auf 68.

Ebenfalls alles andere als erfreulich: Die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen stieg in 2016 von zuvor 4 auf 9, die Fallzahlen sexuellen Missbrauchs von Kindern nahmen um 50 Prozent auf 12 zu.

Zugenommen hat offensichtlich auch die Gewaltbereitschaft in Eschweiler: Die Zahl der Gewaltdelikte stieg von 185 auf 226. Gab es anno 2015 noch 118 Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung, so stieg diese Zahl nun auf 161. Bei vorsätzlicher leichter Körperverletzung gab es einen Anstieg

2015 registrierte die Polizei 1144 Fälle von Straßenkriminalität – im zurückliegenden Jahr waren es 1389. 71 Autos wechselten auf illegale Weise die Besitzer – im Jahr zuvor waren es 53. Die Zahl der Diebstähle von oder aus Kraftfahrzeugen stieg von 394 auf 496. Und auch die Zahl gestohlener Fahrräder stieg deutlich an: von 11 auf 140.

Die Zahl der Betrugsfälle stieg von 895 auf 998, die der Erschleichung von Leistungen von 353 auf 424, die der Rauschgiftdelikte von 106 auf 127, die der Computerdelikte von 26 auf 54, die der Sachbeschädigungen von 469 auf 522.

Allerdings: Die Polizei hat nicht nur Unerfreuliches zu berichten. So sank die Zahl der Raubdelikte von 61 auf 51. Geschäfte, Spielhallen oder Tankstellen, die 2015 noch zwölfmal Ziel von Raubüberfällen wurden, waren im vergangenen Jahre sogar nur noch zweimal betroffen. Und auch die Zahl der Ladendiebstähle sank von 282 auf 248. Die Zahl der Umweltdelikte hielt sich ebenso in Grenzen: Sie stieg nur um einen Fall – von 13 auf 14.

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