Kraftwerk Weisweiler: Hofmann verlässt das Schiff im Sturm

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
10962735.jpg
Er geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Seit heute ist Gerhard Hofmann Ex-Leiter des Kraftwerks Weisweiler. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Im Kraftwerk Weiweiler kennt er wahrscheinlich fast jede Schraube, dort verbrachte er schließlich 20 Jahre seines Lebens. Am Mittwoch saß er zum letzten Mal hinter seinem Schreibtisch in der ersten Etage des Verwaltungsgebäudes: Kraftwerksleiter Gerhard Hofmann.

Der 59-Jährige verlässt RWE. Sein Nachfolger an der Spitze des Standorts wird der 51-jährige Guido Schöddert, bisher stellvertretender Leiter des Kraftwerks Neurath.

Die vergangene Woche hat Hofmann dazu genutzt, sich von vielen Weggefährten zu verabschieden. „Es wurden viele Reden geschwungen“, sagt er augenzwinkernd. Dabei sind die großen repräsentativen Momente nicht seine eigentliche Welt.

Der Maschinenbau-Ingenieur arbeitete lieber an der Basis und entwickelte neue Wege mit seiner „Mannschaft“ – so nennt er die Mitarbeiter des Kraftwerks. Darum ging er mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich hätte gerne das Schiff wieder in ruhigere Fahrwasser geführt“, zielt er auf die aktuelle Diskussion um die Braunkohle-Verstromung.

Er weiß, dass die Kostensparprogramm fortgesetzt werden. Was immerhin vor seinem Abschied gelungen ist: Bis zum Jahr 2020 ist die weitere Zusammenarbeit mit der Müllverbrennungsanlage gesichert.

Das Kraftwerk Weisweiler war seine berufliche, die Region ist seine private Heimat geworden. In Langerwehe lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. „Enkel haben noch Zeit“, betont er. Seine nun gewonnene Freizeit will er für seine Hobbys nutzen.

Das ist zuallererst sein Geigenspiel. Seit einigen Jahren singt er zudem im Chor „Joy of Gospel“. Gerhard Hofmann macht keinen Hehl daraus, dass ihn seine Frau Regina auf die Idee brachte, nach Feierabend zu singen. Sie brachte auch den Stein, besser: den Ball für das neuste Hobby ins Rollen. Das Ehepaar wird man in Zukunft häufiger auf der Anlage des Golfclubs Haus Kambach in Kinzweiler antreffen.

„Vor zwei Jahren hätte ich niemals gedacht, dass ich einmal Golf spielen werde“, gesteht Hofmann. Auf den Geschmack kam er schließlich bei einem Urlaub. Auf Hobbys alleine will er sich nicht beschränken, lässt seine zukünftigen Pläne aber zunächst offen. Nur so viel: „Ich werde sicherlich nicht jeden Tag Rasenmähen und Klinker zählen.“

Der in Darmstadt geborene und in der Eifel aufgewachsene Hofmann kam über einen kleinen Umweg zum RWE-Konzern. Nach seinem Maschinenbaustudium an der Ruhr-Universität Bochum und später an der RWTH Aachen wechselte er zunächst als Trainee zur Thyssen Stahl AG.

Dort lernte er die ersten Gaskraftwerke kennen. Das Interesse für den Energiesektor war dermaßen geweckt, dass er sich auf eine Annonce hin beim RWE bewarb. Das Gespräch in Essen führte Dr. Dieter Bökenbrink, der später auch das Kraftwerk Weisweiler leiten sollte und somit sein Vorgänger war.

Innerhalb des Konzerns durchlief er viele Stationen und gestaltete die Umstrukturierung in verschiedenen Positionen mit. Parallel studierte er ein abendlichen Aufbaustudium der Wirtschaftswissenschaften. Der reine Schreibtischposten erfüllte ihn jedoch nicht – und so kam er im Jahr 1988 schließlich nach Weisweiler, zunächst in die Abteilung Wärmewirtschaft und Statistik, dann in die Instandsetzung, deren Leitung er schließlich übernahm.

In Portugal vertrat er RWE bei Verhandlungen. Es sollte die einzige Zeit bleiben, in der er länger von seiner Familie getrennt war. Als Einheiten im RWE zusammengelegt wurden, übernahm er die Führung des neuen Zentralbereichs „Technische Dienste“ mit Sitz in Frimmersdorf, der mit dem Zusammengehen der beiden Gesellschaften 2003 auch für die ehemalige Rheinbraun AG zuständig war.

Am 1. November kehrte er zurück nach Weisweiler, als Kraftwerksleiter und Nachfolger von Wolfgang Oschmann. „Ich habe immer das Glück gehabt, abends meine Kinder ins Bett bringen zu können“, resümiert Hofmann. Und er las ihnen vor – aus „Harry Potter“. Inzwischen sind die Töchter Rebecca (24 Jahre alt) und Eva (22) flügge geworden. Die nun gewonnene Freizeit wird er deswegen vorrangig mit seiner Frau verbringen.

Einen Hinweis gibt er „seiner Mannschaft“ noch mit auf den Weg: „Wir haben in Weisweiler gemeinsam viel geschafft, ich bin mir sicher, dass Kraftwerk und Tagebau diese Position innerhalb des RWE-Konzerns halten werden.“ Hofmann wird dabei nicht mehr die erste Geige spielen, aber sicherlich ab und zu einmal in Weisweiler bei seinen alten Kollegen vorbeischauen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert