Kraftwerk Weisweiler: Große Inspektion für 27 Millionen Euro

Von: Patrick Nowicki
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Hochbetrieb im Maschinenraum des Weisweiler Kraftwerks: Hier wird derzeit die Turbinenanlage von Block G geprüft. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Jeder kennt dies von seinem Auto: Der Wagen muss gewartet werden. Regelmäßig steht ein Reifenwechsel an, und in vorgegebenen Abständen blickt ein Gutachter darauf. Ähnlich verhält sich dies im Kraftwerk Weisweiler - nur eben in anderen Dimensionen.

Derzeit steht die Hauptuntersuchung für Block Gustav mit der zugehörigen Vorschaltgasturbinenanlage auf dem Programm, was sich die RWE Power AG satte 27 Millionen Euro kosten lässt. Ein Großteil fließt ins Material, alles „Hightech”, wie Revisionsleiter Peter Raabe betont.

Im Maschinenraum des Kraftwerks herrscht Hochbetrieb. In der Spitze 750 Personen, größtenteils Mitarbeiter von Fremdfirmen, machen den 600-Megawatt-Block G fit. Diese Arbeiten zu koordinieren, erfordert einen hohen Aufwand. Drei Turbinenläufer mit einem Gesamtgewicht von 141 Tonnen befinden sich zur Untersuchung und Wartung beim Hersteller in Berlin, denn nicht alles kann vor Ort erledigt werden.

In regelmäßigen Abständen werden sämtliche Bestandteile des Kraftwerks auf den Kopf gestellt. Dienen beim Auto die gefahrenen Kilometer als Richtschnur, so sind es im Kraftwerk die Betriebsstunden, wobei auch diese angepasst werden. Und wieder gibt es eine Parallele zum Privat-Pkw: Die Wartungsintervalle für die Gasvorschaltturbinen sind kürzer, weil sie immer wieder neu gestartet werden. Dies belastet analog zum Auto das Material wesentlich mehr als ein Dauerbetrieb.

Bis zu 1200 Grad Celsius

Während die Blöcke ruhen, ist in den Kesseln harte Arbeit gefordert. In der Vorschaltgasturbine werden eine Reihe von Brennkammersteinen ausgetauscht, die Temperaturen von bis zu 1200 Grad Celsius aushalten müssen. Hierzu müssen die Arbeiter durch einen engen Zugang in die beklemmend schmale Kammer klettern. Für die Männer ist diese Tätigkeit jedoch Routine, schließlich wurden sie eigens für solche Arbeiten ausgebildet.

Etwa vier Wochen nimmt eine große Inspektion in Anspruch. Auch hier gilt das Motto „Zeit ist Geld”. Auf dem Strommarkt wird immer mehr Flexibilität verlangt, Kraftwerke müssen in kürzester Zeit reagieren und die Produktion hochfahren, wenn der Bedarf wächst. Dabei helfen die zwei Vorschaltgasturbinen mit ihrer Nettoleistung von je 190 Megawatt. Da sie auch Hitze aus den Braunkohlekesseln nutzen, steigern sie zudem dessen Wirkungsgrad und Leistung um etwa 80 Megawatt.

Über 20.000 Betriebsstunden haben die beiden Vorschaltgasturbinen auf ihre Buckel. Alle 8300 Betriebstunden steht wieder eine Prüfung an, allerdings dann lediglich eine kleine Inspektion. Bis zur nächsten grundlegenden Untersuchung werden Jahre vergehen. Läuft alles weiter nach Plan, dann wird der Weisweiler Block Gustav ab dem 4. Oktober wieder Strom ins Netz speisen.
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