Eschweiler - „Kozmic Blue” spielt Songs, die unter die Haut gehen

„Kozmic Blue” spielt Songs, die unter die Haut gehen

Von: Volker Rüttgers
Letzte Aktualisierung:
Maggie McInthun, die Frontfrau
Maggie McInthun, die Frontfrau von „Kozmic Blue”, ist nicht die Reinkarnation von Janis Joplin, verkörpert jedoch den Blues genauso intensiv und authentisch. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. „Das Publikum will Bluessänger bemitleiden.” Das Geheimnis ihrer unglaublich intensiven Authentizität glaubte Janis Joplin zu wissen. Maggie McInthun schien bei ihrem Talbahnhof-Auftritt mit „Kozmic Blue” am Dienstagabend einen Schritt weiter zu gehen, empfand ihr Publikum neben Mitleid mit dem Protagonisten der jeweiligen Songs doch vor allem eines: Bewunderung.

Bewunderung für diese Stimme, für diese Leidenschaft und für dieses Gefühl, das von der Bühne im Talbahnhof direkt unter die Haut ging.

Und dennoch: wenn Maggie fast in die Knie geht und mit verzerrtem Gesicht und rauchiger Stimme „I´ve been lovin´ you too long” fleht, ist er unvermittelt da: der wohl bekannte Kloß im Hals, wenn etwas durch den Gehörgang ohne Umwege ins Herz stößt, und sich wirklich pures Mitleid regt.

Dabei ist es gleich mehreren Zufällen zu verdanken, dass sich die „Rock meets Blues”-Reihe am Dienstag über den Auftritt von „Kozmic Blue” freuen konnte, denn eigentlich hatte Maggie McInthun, die im Alter von 16 Jahren aus dem Elternhaus in Düsseldorf floh, um mit Straßenmusikern durch die Welt zu reisen, mit der Musik abgeschlossen, als sie jung schwanger wurde.

15 lange Jahre musste die Bluesszene warten, bis die begnadete Sängerin im Rahmen eines „Led Zeppelin”-Projekts des WDR 1994 ihren späteren Ehemann Gerhard Sagemüller kennen lernte, damals noch Drummer. Und dieser musste erst einen Hörsturz auf der Bühne erleben, bevor er in seiner halbjährigen Regenerationspause das Gitarrespielen lernte und mit seiner Frau Maggie erste Stücke musizierte.

Enthusiastische Harp-Duelle

16 Jahre und fünf Alben später stehen die beiden gemeinsam mit Bassist Cläusel Quitschau, Keyboarder Martin Döpke und dem Harp-Akrobaten Eric Zeiler als „Kozmic Blue” auf der Bühne im Eschweiler Talbahnhof und reißen ihr Publikum mit in die Welt des Blues.

Dieses kam am Dienstag in Genuss enthusiastischer Harp-Dueller zwischen Maggie McInthun und Eric Zeiler, direkt zu Beginn des Konzerts mit „I got you - you got me” und in ihrem neuen Song „All for you”, ihrem Publikum übrigens gewidmet.

Beim dynamischen „Tell Momma” hielt es Maggie McInthun nicht mehr auf der Bühne, sodass die Powerfrau ihr Publikum unmittelbar im Saal zum Mitsingen, Klatschen und Tanzen animierte. Auch „So long” und das Titelstück ihres neuen Albums „(Feels like coming) Home” funktionierten und ließen die unbändige Energie der Blues-Formation erkennen.

Doch ihre wahre Stärke liegt in den langsamen Stücken, den Ur-Blues-Nummern. „Jetzt kommt ein Stück über die Liebe”, lautet dann die simple Ansage von Maggie. In Wahrheit folgt aber eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Wer sich auf McInthuns Kreischen, Heulen und Fauchen einlässt, kann die schmerzende Enttäuschung, die Hilflosigkeit und Ver-zweiflung des Songs förmlich spüren.

Doch nicht nur die rauhen Töne, die Vergleich mit Janis Joplin aufkommen lassen, gelingen der Sängerin mit dem Indianer-Tattoo auf dem Oberarm, sondern auch der hohe Sopran, was hervorragend im Joplin-Cover „Ball and chain”, aber auch im „Kozmic Blue”-Stück „Diamonds and glass” zum Tragen kommt.

Die Melodiefarbe gibt unterdessen Maggies Ehemann Gerhard Sagemüller als Schlag-Gitarrist vor, die fehlenden Gitarren-Soli kompensiert dabei Bassist Cläusel Quitschau in beeindruckender Manier - selten hat ein Bass solch ein Alleinstellungsmerkmal in einer Band gehabt.

Martin Döpke steuert seinerseits die atmosphärischen Klänge bei und rundet das Klangbild von „Kozmic Blue” wohltuend ab. Auch wenn Exkursionen in die Welt des Reggae („I beliebe in love”) und der spanischen Gitarre („Spanier”) gelingen, kehren die Musiker schnell wieder zum authentischen Blues zurück.

„I could not follow you”, die gefühlvolle Ballade in Gedenken des Anfang des Jahres verstorbenen Jazz-Perkussionisten Frank Köllges und Kabarettisten Klaus Huber, beide enge Freunde der Band, war am Dienstagabend nur eines von vielen Belegen.

„Schließe keine faulen Kompromisse. Mehr als dich selbst hat dir Gott nicht geschenkt”, ob es Maggie McInthun nun möchte oder nicht, den Vergleich mit Janis Joplin, ihren Gedanken und ihren Werken, wird sie auch mit „Kozmic Blue” nicht mehr los.
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