Kooperation mit Alta Floresta: Kommunen wollen voneinander lernen

Von: Rudolf Müller
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Zogen am Abend im Bistro de Ville eine positive Bilanz des ganztägigen Gedankenaustauschs: Alta Florestas Bürgermeister Dr. Asiel Bezerra (3. von links) und sein Eschweiler Amtskollege Rudi Bertram (2. von rechts). Foto: Rudolf Müller
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Im brasilianischen Alta Floresta kein ungewöhnlicher Anblick: Tukane sind dort selbst in Wohngebieten heimisch. Foto: imago/blickwinkel

Eschweiler. Die Zeichen stehen auf Kooperation: Nach einem gründlichen „Beschnuppern“, ausführlicher Vorstellung der jeweils drängenden Themen auf beiden Seiten und einem intensiven Gedankenaustausch waren sich die Vertreter aus dem brasilianischen Alta Floresta und ihre Eschweiler Gastgeber darin einig, eine Zusammenarbeit in mehreren Themenfeldern anzustreben.

Bevor dies konkrete Formen annimmt, wird Bürgermeister Rudi Bertram allerdings den Stadtrat einbeziehen. In den nächsten etwa drei Wochen werden beide Seiten die am Montag geführten Gespräche nacharbeiten und Konzepte für einen nachhaltigen Austausch an Erfahrungen, Ideen, Konzepten und Lösungsmöglichkeiten erstellen.

Rudi Bertram möchte die Kooperation allerdings nicht auf die Verwaltungsapparate der beiden Kommunen begrenzen: Er schlug vor, auch externe Partner mit ins Boot zu nehmen. So greift die Indestadt seit Jahren bei Themen, für die im Rathaus keine Experten vorhanden sind, auf das Knowhow von (Fach-)Hochschulen und Firmen wie dem RWE zurück.

Revitalisierung von Flächen

Erstes Themen der transatlantischen Kooperation könnte zum Beispiel die Wasserwirtschaft und damit verbunden die Rekultivierung sein. Die Delegation aus Alta Floresta ließ sich am Montag vor Ort ausführlich die Rekultivierung der Indeauen erläutern. Rund um die Stadt im Bundesstaat Mato Grosso ist die Wiederherstellung von mehr als 800 Quellen und damit die Revitalisierung von versteppten landwirtschaftlichen Flächen eines der großen Themen.

Mit welchen mehrfach ausgezeichneten Konzepten dort derartige Herausforderungen angegangen werden, das – so lud Bürgermeister Dr. Asiel Bezerra seinen Amtskollegen Rudi Bertram ein – sollten sich die Indestädter am besten selbst vor Ort anschauen.

Dass die Indestadt Bewohnern wie Besuchern einiges zu bieten hat, das hatten am Morgen Stephan Miseré und Ralf Walraff vom Amt für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus sowie Eberhard Büttgen von der Abteilung für Planung und Entwicklung den Gästen vor Augen geführt. Die bebilderte Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Eschweilers beeindruckte nicht nur die Gäste.

Sie war auch dazu angetan, Einheimischen komprimiert vor Augen zu führen, mit welchen Errungenschaften in puncto Lebensqualität – ob in wirtschaftlicher Hinsicht, im Freizeit - und Kulturbereich oder auch in Sachen Bildung, Gesundheitsförderung und Kinderbetreuung – Eschweiler punkten kann.

Und natürlich hat auch Alta Floresta seine Qualitäten: Die Stadt ist ein beliebtes Touristenziel in Amazonien, bietet spektakuläre Flusslandschaften mit reicher Fischwirtschaft und ist weltbekannt für ihren Artenreichtum. Vogelbeobachter aus aller Herren Ländern zieht es in die 70.000-Einwohner-Stadt im Mato Grosso. Und die brauchen nicht unbedingt auf spezielle Beobachtungsplattformen im Regenwald zu steigen: Auch in der Stadt selbst, die ihre Grünkorridore mit deutscher Schützenhilfe aufwerten und ausbauen will, sind Papageien und Tukane heimisch.

Albert Kock, Vertreter von FGV, einer der weltweit führenden Denkfabriken und damit betraut, derartige Kontakte zwischen Brasilien und Deutschland voranzubringen, zeigte sich am Montag beeindruckt von dem, was FGV-Vertreter und brasilianische Gäste in Eschweiler geboten bekamen: sehr kompetente Ansprechpartner, hervorragend strukturierte Arbeit. Und seine Kollegin Kathrin Zeller hatte nichts als Lob für Bürgermeister Rudi Bertram und dessen langfristige Konzepte und Strategien bis über das Jahr 2030 hinaus: „Die meisten Bürgermeister, mit denen ich zu tun habe, denken gerade mal bis zur nächsten Wahl.“

Ehe sich Dr. Asiel Bezerra und seine beiden Wirtschafts- und Umweltexperten Sergio Passos und José Alesandro Rodrigues auf den Weg via Köln zurück ins 9000 Kilometer entfernte Alta Floresta machten, gab ihnen Rudi Bertram zur Erinnerung an dieses erste Treffen je eine Flasche hochprozentiges „Blausteinsee-Wasser“ mit auf den Weg. „Magisches Wasser“, wie er sagte: „Wenn Sie die Flasche vor dem Start austrinken, wachen Sie erst wieder auf, wenn Ihr Flieger sicher in Alta Floresta gelandet ist.“

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