Konzentration und Ausdauer: Schach als Treibstoff fürs Gehirn

Von: Katrin Fuhrmann
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Beim Schach ist Konzentration und Ausdauer gefragt: Gerd Hüskens, Nane Wagemann, Simon, Andreas, Tim und Alberto Bamberger (v.l.) spielen gegeneinander – auch wenn sie alle im gleichen Schachclub sind. Foto: Katrin Fuhrmann

Eschweiler. Albert Einstein hat mal gesagt: „Schach ist das schnellste Spiel der Welt, weil man in jeder Sekunde Tausende von Gedanken ordnen muss.“ Für Gerd Hüskens (62) und Alberto Bamberger (57) ist Schach aber noch viel mehr als das.

Für den Vorsitzenden und den Jugendwart des Eschweiler Schachclubs ist der Sport, der von vielen belächelt wird, ein Fitmacher, Gehirnjogging und ein Sport wie kein anderer.

Gut, das behauptet natürlich jeder von seiner Sportart – der Fußballer genauso wie der Handballer, der Golfer genauso wie der Tennispieler. Das wissen auch Hüskens und Bamberger. Dennoch behaupten sie, ihr Sport sei einzigartig. „Schach kann jeder spielen. Egal, wie alt er ist und egal, in welcher körperlichen Fitness er ist“, sagt er.

Grundschulkinder und Jugendliche spielten eher ungestüm, angriffslustig und voller Taktik. Senioren spielten ruhiger und besonnener, aber natürlich nicht weniger aggressiv. Im Eschweiler Verein ist das jüngste Mitglied sieben Jahre alt. Der älteste Spieler ist 81.

Seit der Gründung des Vereins im Jahr 1921 hat sich in dem Verein viel verändert. Frauen gibt es kaum noch, und wenn, treten sie schnell wieder aus – ganz alleine unter Männern sei für die meisten nichts. „Es gibt heute viel zu viele andere Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten. Viele betätigen sich lieber körperlich als geistig“, sagt Hüskens. Er spielt seit mehr als 40 Jahren Schach.

Früher, da hätte es viel mehr Mitglieder und interessierte Schachspieler gegeben. Heute müsse man um den Nachwuchs kämpfen. Bamberger und Hüskens versuchen sich das weniger werdende Interesse mit dem langen ruhigen Sitzen, das bei dem Sport unumgänglich ist, zu erklären. Beim Schach gebe es nicht so viel Action wie zum Beispiel beim Boxen oder Fußball.

Immer noch gilt Schach allerdings als das Spiel der Könige. Und: Es ist das populärste Brettspiel in Europa. Früher galt Schach mal als Breitensport. In Indien und Russland ist Schach sogar ein Schulfach.

Für viele Kritiker ist Schach ein Spiel, keine Sportart. Das wollen Hüskens und Bamberger natürlich nicht auf sich sitzenlassen. Sie verteidigen ihre Sportart und die Faszination dafür.

Schach sei vor allem ein Spiel, bei dem man sehr viel Lernen müsse und viele Regeln zu beachten habe. Damit meinen die beiden Schachfreunde unter anderem die unterschiedlichen Gangnarten der Figuren. Der König darf zum Beispiel nur horizontal, vertikal oder diagonal auf das unmittelbar angrenzende Feld ziehen. Die Dame darf in alle Richtungen beliebig weit ziehen. Ziel beim Schach ist es den Gegner Schachmatt zu sehen: Der König, die wichtigste Figur beim Schach, kann in dem Fall nicht mehr ziehen ohne geschlagen zu werden. „Die meisten wissen gerade einmal, dass sich auf dem Schachbrett zu Beginn einer Partie 32 Schachfiguren befinden. Mehr nicht“, sagt Hüskens.

Bei keiner anderen Sportart müsse man so viele kreative Ideen haben. Und bei keiner anderen Sportart sei man so sehr auf sich allein gestellt wie beim Schach. Während bei anderen Sportarten wie Fußball oder Handball am Ende des Spiels immer auch die Mitspieler Schuld am Versagen der Mannschaft seien, liege beim Schach die Schuld nur bei einem selbst. Die Schuld auf den Gegner abwälzen? Unmöglich. Schließlich ist jeder für seinen Zug selbst verantwortlich.

Ausreden wie „der Schiedsrichter hat Schuld“ oder „das Wetter war schlecht“ gingen erst recht nicht. Hüskens sagt: „Das Spiel verzeiht einem nichts. Passt man nur eine Sekunde nicht auf, kann das die Niederlage bedeuten“. Und ergänzt: „Es gewinnt immer der, der die besten Ideen hat.“ Aber ist es nicht das, was bei jeder Sportart am Ende der entscheidende Faktor für den Gewinn oder die Niederlage ist? Darüber lässt sich streiten. Und auch darüber, wie einzigartig Schach nun ist oder nicht. Nicht streiten lässt sich aber darüber, dass Schach Parallelen zu anderen Sportarten aufweist.

Das Ligasystem ist mit anderen Sportarten vergleichbar. Es gibt Bezirks-, Regional-, und Kreisligen – und auch eine Erste und Zweite Bundesliga. Schach wird im Team gespielt. Für Turniere müssen Mannschaften gestellt werden – bei den Männern müssen die Teams aus mindestens acht Mitgliedern bestehen, bei Frauen aus vier. In Eschweiler wären die Frauen vor kurzem sogar in die Bundesliga aufgestiegen – wegen mangelnder Mitglieder war das aber nicht möglich. Zwei Frauen waren kurzfristig aus dem Schachclub ausgestiegen – und alleine oder zu zweit darf man bei Turnieren nicht an den Start gehen.

Einen großen Unterschied zu anderen Sportarten gibt es aber trotzdem: Es gibt keine festen Altersklassen. Ein 13-jähriger Schüler kann gegen einen 67-jährigen Rentner spielen. Das ist sogar eher die Regel als die Ausnahme. Vom Schach leben können heute allerdings die wenigsten – selbst die, die in der Ersten Bundesliga spielen und auf internationale Wettkämpfe fahren, haben einen „normalen“ Job. Wer Schach spielt, muss auch Geduld und Zeit mitbringen. Ein Turnier dauert mindestens fünf Stunden, manchmal sogar sechs oder mehr. Schach ist also mit viel Aufwand verbunden. Aber sind das nicht alle Sportarten?

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