Konkrete Pläne: Hertie und City-Center bald Geschichte

Von: Rudolf Müller
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Starten ihr ambitioniertes Bauprojekt: Ralf Schumacher und Bernd Pieroth.

Eschweiler. Noch in diesem Monat, davon gehen Heinz Götsch und Andreas Tischler aus, rollen im City Center die Bagger an. Ein Tag der Freude für Bürgermeister Rudi Bertram: Wenn das aufgegebene Hertie-Kaufhaus samt verlassener Umgebung dem Erdboden gleich gemacht wird, knallen im Rathaus die Sektkorken.

Dann liegen acht zermürbende Jahre des Wartens auf einen Neuanfang in diesem Herzstück der Innenstadt hinter ihm. Heinz Götsch ist Geschäftsführer der GEG, der Grundstücksentwicklungsgesellschaft der Investoren Ralf Schumacher und Bernd Pieroth. Andreas Tischler ist sein Projektentwickler.

Beide sind seit Monaten aufs engste mit der Neuentwicklung des Hertie-Areals befasst, haben ebenso wie die Investoren selbst ungezählte Gespräche mit Bertram und dessen Technischem Beigeordneten Hermann Gödde geführt. Am Dienstagabend nun stellten sie im Rathaus konkrete Pläne für das vor, was auf dem Areal der immer mehr verfallenden „Geisterstadt“ zwischen Peilsgasse, Dürener, Wollenweber- und Indestraße werden soll.

Pläne, die mit den vor Jahresfrist vorgestellten ersten Überlegungen nicht mehr allzu viel gemein haben. Das ist vor allem dem Gelände geschuldet, das, wie inzwischen konstatiert wurde, erhebliche Höhenunterschiede aufweist: von der Peilsgasse zur Wollenweberstraße wie auch von der Inde- zur Dürener Straße macht der Unterschied jeweils mindestens eine Geschosshöhe aus. Eine durchgehende Alle zwischen Wollenweberstraße und Peilsgasse kam deshalb nicht mehr in Frage. Schräge Flächen, auf denen Kunden der Einkaufswagen wegrollt, „sind im Handel ein absolutes No-Go“, sagt Tischler.

Also erfolgt die Zufahrt in den begrünten Innenbereich des Quartiers mit seinen 110 kostenlosen Kurzzeitstellplätzen allein über die Wollenweberstraße, deren Einbahnregelung aufgehoben wird: Hier geht‘s auch wieder raus. Weitere rund 400 Stellplätze – öffentliche und private – gibt es eine Etage tiefer: Die Tiefgarage ist sowohl von der Peilsgasse wie auch vom Innenbereich des Quartiers her anfahrbar.

„Auf der grünen Wiese ist in Eschweiler fast alles zu haben“, sagt Tischler. „Was Eschweiler fehlt, ist ein funktionierender Innenstadtbereich, der auf einem Fleck Handel, Büros, Ärzte, Gastronomie, Fitness und ähnliches mehr bietet. Einen Nutzungsmix, der nicht nur funktioniert, sondern die gesamte Innenstadt stärkt.“ Für das Rathaus-Quartier bedeutet das: mehr als 12.500 Quadratmeter Handelsfläche mit einem Vollsortimenter, mindestens einem Discounter, einem Drogeriemarkt, Bio-Lebensmitteln, Textilangeboten und etlichen kleineren Shops.

Dazu Dienstleister, Büros, Fitnessangebote, attraktive Gastronomie über zwei Etagen, eine Kindertagesstätte an der Ecke Peilsgasse/Dürener Straße mit großzügigem Freigelände – und 5000 Quadratmeter Fläche für Wohnungen, barrierefrei, in unterschiedlichsten Größen, mit attraktiven Loggias.

Für den Büroblock, der oberhalb der Läden hinter dem Rathaus angesiedelt werden soll, hat die Stadt bereits Nutzungspläne: Hier könnten neben dem Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) auch Volkshochschule und Fernuni ein neues Domizil finden. Die Fernuni ist bislang in der früheren Eichendorffschule untergebracht, die seit langem einer Wohnbebauung weichen soll. Und das Gebäude der VHS an der Kaiserstraße ist nicht nur wegen seiner feuchten Keller dringend sanierungsbedürftig und wirtschaftlich eigentlich ein Fall für die Abrissbirne.

Einen „Quantensprung für diesen Innenstadtbereich“ bezeichnet Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde das, was in den kommenden zwei Jahren hier entstehen soll. Architekt Kaldewey habe „eine Menge Gehirnschmalz darauf verwendet, wie man das vernünftig hinkriegt.“ Und dabei auch Rücksicht auf die Nachbarn des neuen Quartiers genommen.

So werde es im Gegensatz zum früheren Zustand keine den Verkehr wie auch das Straßenbild beeinträchtigende zentrale Anlieferstelle an der Dürener Straße geben. Und um der engen Straße dort mehr Freiraum zu verschaffen, werde die neue Bebauung dort erst in etlichen Meter Abstand zur Straße beginnen – eingeschossig.

Insgesamt sind es 22.000 Quadratmeter Brutto-Geschossfläche, die im Halbkreis um das Rathaus entstehen. Die Dauer der Abrissarbeiten beziffert Götsch auf ein halbes Jahr. Im Januar soll der Bauantrag bei der Stadt eingereicht werden, dessen Bearbeitung zwei-drei Monate dauert. Dann kann gebaut werden.

Zum Weihnachtsgeschäfts 2019, so Andreas Tischler, der auch bei der Expo-Real-Immobilienmesse in München in Kürze mit potenziellen Mietern in Verhandlungen gehen will, um dann die geeignetsten für das Projekt auszuwählen („Billigläden kommen nicht in Frage“), sollen die Läden im Rathaus-Quartier eröffnet sein. Spätestens zwölf Monate später sollen auch sämtliche Büros und Wohnungen bezogen sein.

Dass Bürger ungeduldig auf den Beginn der Arbeiten warten, kann Bürgermeister Rudi Bertram verstehen. Aber Tischler versichert: „Wir sind selten nach nur einem Jahr mit einem Projekt schon so weit gewesen.“ Das unterstreicht auch Hermann Gödde. Erst im August vergangenen Jahres hatten Pieroth und Schumacher das 18.000 Quadratmeter große Filetstück erworben.

Was sich die Investoren das Projekt Rathaus-Quartier kosten lassen, darüber schweigt man. Eine stolze zweistellige Millionensumme dürfte da allemal zusammenkommen.

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