Eschweiler - Kommunion: Kirchen müssen sich verändertem Alltag anpassen

Kommunion: Kirchen müssen sich verändertem Alltag anpassen

Von: Sonja Essers und Valerie Barsig
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Bald ist es so weit: Viele Kinder in Eschweiler empfangen die Erstkommunion. Längst ist der Unterricht nicht mehr so wie früher, denn die Ganztagsschule macht Probleme. Foto: dpa, Sonja Essers
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Grillen am Kommuniontag: Das hat sich Tim gewünscht.

Eschweiler. Haben Sie schon einmal ein Schaf mit gelbem Fell, schwarzen Beinen und einem orangenen Schwanz gesehen? Falls nicht, können Sie das in der kommenden Woche in der Pfarrkirche St. Peter und Paul nachholen. Nicht nur dort empfangen an diesem und am kommenden Wochenende wieder zahlreiche Kinder zum ersten Mal die heilige Kommunion.

Zu ihnen gehört auch Tim Winterich. Er erzählt, was auf der Wunschliste des Kommunionkindes von heute ganz weit oben steht und warum die selbst gebastelte Kerze eine ganz besondere Herausforderung für ihn darstellt. Doch dazu später mehr.

Auf den ersten Blick wirkt der Achtjährige gelassen. Auf dem Blatt Papier, das vor ihm liegt, ist ein Schaf zu sehen. Der Schüler malt es mit dem Pinsel aus. Das Fell wird gelb, die Beine schwarz und der Schwanz orange. „Das muss ich vorher noch fertig machen“, sagt er. Allzu viel Zeit hat er dafür nicht mehr, denn in der kommenden Woche ist es schon soweit. Dann ist sein großer Tag und Tim empfängt zum ersten Mal die heilige Kommunion.

Zwar freut er sich schon auf das bevorstehende Fest, jedoch macht ihm eine Sache besonders große Sorgen: seine selbst gebastelte Kommunionkerze. „Ich habe Angst, dass ich meine Kerze fallen lasse oder dass sie kaputt geht“, erklärt der Achtjährige. Bei den gemeinsamen Treffen mit den anderen Kommunionkindern im Jugendheim St. Peter und Paul hat er die Kerze mit viel Liebe gebastelt. „Wir haben auch über die Geburt und die Taufe geredet und Brot gebacken“, erzählt der Schüler, der genau weiß, warum die Erstkommunion gefeiert wird.

Längst nicht alle Kinder wissen so genau Bescheid wie Tim. Die Entscheidung für die Kommunion ist oft mit Geschenken oder der Entscheidung der Eltern verbunden. Stefanie Sieger-Bücken ist Gemeindereferentin von St. Peter und Paul und hat Tim und die anderen Kinder auf ihre Kommunion vorbereitet. Sie weiß wie wichtig es ist, dass auch die Eltern bei den Treffen dabei sind. „In dem Alter entscheiden die Eltern natürlich genauso über den Empfang der Kommunion wie über den Beitritt in einen Sportverein.“ Bei der späteren Firmung sei das anders. In der Gemeinde St. Peter und Paul ist die Firmung mit 16 Jahren. „Da gibt es im Leben der Jugendlichen natürlich auch andere Prioritäten“, sagt Sieger-Bücken. Längst nicht alle Kommunionkinder würden sich auch firmen lassen.

Bei Tim ist es aber noch eine Weile hin bis zur Firmung. „In der Kommunionmesse bekomme ich zum ersten Mal die Hostie“, sagt er. Bisher bekamen die nur seine Eltern und sein großer Bruder Marc. Doch ab der kommenden Woche gehört Tim auch dazu. Er hat sogar schon eine genaue Vorstellung, wie der Leib Christi schmecken könnte. „Ist das nicht so ähnlich wie Esspapier?“, fragt er seine Mutter Stephanie. Die wiederum grinst und antwortet: „Das wirst du ja bald wissen.“

Josef Wienand ist Pfarrer der Gemeinde St. Cäcilia Hehlrath. Er weiß, dass die Entwicklung des Kommunionunterrichts in den vergangenen Jahren keine einfache ist: „Die Familienverhältnisse sind schwieriger geworden“, sagt der Pfarrer. Der Anteil der Kinder mit alleinerziehenden oder geschiedenen Eltern sei gewachsen. „Wenn ich dann von einem guten Vater im Himmel spreche, zu Hause aber ein Vater nicht als gut gilt, dann ist das für die Kinder emotional schwierig.“

Auch der Unterricht an sich habe sich verändert, denn die Kinder hätten durch die Ganztagsschule einfach weniger Zeit. Wer bis vier Uhr nachmittags in der Schule säße, sei schwerer zu motivieren, in den Kirchenchor zu kommen oder Messdiener zu werden. In Bergrath findet Blockunterricht am Wochenende statt und auch in der Gemeinde St. Peter und Paul wird samstags unterrichtet. „Kirchen haben genauso Probleme wie Sportvereine, Nachwuchs zu bekommen“, sagt Stefanie Sieger-Bücken.

Tims älterer Bruder Marc ist da beinahe schon die Ausnahme. Tim ist stolz, dass er die Messe mitgestaltet. „Der ist nämlich Messdiener“, erklärt er stolz. Trotzdem ist der Achtjährige nervös. „Hoffentlich mache ich nichts falsch“, meint er. Damit es gar nicht erst soweit kommt, wird der Ablauf der Messe in der kommenden Woche noch zwei Mal geprobt.

Ganz oben auf Tims Wunschliste steht Geld. Davon will er sich ein lang ersehntes Spielzeug kaufen. Und wie sieht es bei seinen Klassenkameraden aus? „Die wünschen sich auch alle Geld“, sagt er. Die Kritik, dass die Entscheidung zur Kommunion vor allem mit Geschenken zusammenhänge, kennt auch Pfarrer Wienand. „Wenn so ein Tag von Geschenken überlagert wird, finde ich das natürlich falsch“, sagt er.

Viel wichtiger als die Geschenke ist für Tim, dass er mit Familie und Freunden feiert. Er bekommt große Augen als er erzählt: „Ich habe mir gewünscht, dass wir Grillen. Vielleicht gibt es sogar einen Schokobrunnen. Da kann man Früchte reintunken, das ist richtig lecker.“

Um sich auf die Messe vorzubereiten musste der Achtjährige nicht nur das Glaubensbekenntnis auswendig lernen, sondern erfüllte auch Aufgaben, die er regelmäßig von der Pfarre erhielt. Diese hat er in einem Ordner gesammelt, auf dem steht: „Mein Weg zur Erstkommunion“. In der Gemeinde St. Georg und St. Blasius, die Pfarrer Rainer Hennes betreut, werden Kommunionkinder nicht direkt zum Unterricht eingeladen, wie es in anderen Pfarren üblich ist. „Wir veröffentlichen die Anmeldezeiten, vermeiden es aber, Eltern direkt anzusprechen.“ So wolle man eine bewusste Entscheidung zur Kommunion fördern. „Wir wollen, dass Eltern ihre Kinder nicht zur Kommunion schicken, sondern sie begleiten“, sagt Hennes.

Eine Aufgabe hat Tim besonders viel Spaß gemacht. „Wir haben einen Bibelkuchen gebacken. Auf dem Zettel standen Bibelverse und die musste ich nachschlagen.“ Die in den Versen vorhandenen Zutaten ergaben einen Kuchen. „Den habe ich meiner Mutter zum Geburtstag geschenkt.“

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