Kommunalpolitik: Hahnenkämpfe anstatt Zickenkriege

Von: Sonja Essers
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Noch sind die Herren der Schöpfung in der Mehrzahl, aber eine reine Männerdomäne ist Politik schon längst nicht mehr. Dafür bieten nicht nur NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (rechts) und Bundeskanzlerin Angela Merkel beste Beispiele. Auch in Eschweiler sind viele Frauen engagiert. Foto: Stock/Sven Simon

Eschweiler. Verteidigung, Umwelt, Bau und Forschung sind keineswegs nur Männerthemen. Das beweisen Ursula von der Leyen, Barbara Hendricks, Johanna Wanka, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und nicht zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel Tag für Tag.

Sie zeigen, dass Frauen in der Politik – zumindest auf Landes- und Bundesebene – durchaus erfolgreich sein können. Doch wie sieht es auf kommunaler Ebene aus? Wie sind die Politikerinnen in der Indestadt aufgestellt und mit welchen Themen setzen sie sich auseinander? Wir haben einmal genauer nachgefragt.

„Ich bin Mitglied aus Überzeugung und nicht, weil ich meinem Mann folgen wollte“, sagt Dagmar Göbbels. Seit 1981 ist sie – genau wie ihr Ehemann Ulrich Göbbels – Mitglied in der FDP, drei Jahrzehnte voller Wahlkämpfe und Ausschüsse auf kommunaler und auf städteregionaler Ebene liegen bereits hinter ihr. In der Eschweiler Fraktion ist sie eine von sechs Frauen. Ihnen stehen sechs Männer gegenüber. Mitglied im Stadtrat ist jedoch keine der Frauen der Partei.

Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass dies in Eschweiler kein Einzelfall ist. Lediglich die Politikerinnen der CDU und der SPD können Stadtratsmandate vorweisen (siehe Grafik). „Es gibt elf Frauen im Stadtrat, davon gehören neun zur SPD“, sagt Nadine Leonhardt. Sie ist Fraktionsvorsitzende der Eschweiler SPD. Seit 2009 ist sie Mitglied der Fraktion, hat innerhalb weniger Jahre eine steile Karriere hingelegt. Ähnlich ging es Helen Weidenhaupt, die seit 2004 als stellvertretende Bürgermeisterin tätig ist.

In einem von Männern dominiertem Gebiet haben Leonhardt und Weidenhaupt bisher nur positive Erfahrungen gemacht: „Wir sind mit offenen Armen empfangen worden“, sagen sie, wohl wissend, dass es in anderen Kommunen oft nicht so sei. „Dort ist es nicht so selbstverständlich wie bei uns, dass Frauen mitarbeiten“, sagt Weidenhaupt.

Indestadt als Vorreiter?

Das zeigt ein Blick auf die Besetzung der Stadträte in Eschweilers Nachbarstädten. 44 Ratsmitglieder gibt es in Stolberg, davon sind acht weiblich. Macht 18,18 Prozent. In Alsdorf sind es noch weniger. Fünf Frauen sind im Stadtrat vertreten, insgesamt sitzen in diesem 39 Personen. Macht einen Frauenanteil von mageren 12,82 Prozent. In Aachen sieht es etwas anders aus. 28, der insgesamt 77 Personen im Stadtrat, sind weiblich. Das Ergebnis: stolze 36,36 Prozent.

Und wie sieht es in der Indestadt aus? Der Frauenanteil im Stadtrat: 21,57 Prozent. Zwar grenzt sich Eschweiler damit von einigen Nachbarkommunen ab, an die Quote im nordrhein-westfälischen Landtag (29,5 Prozent) und im Bundestag (36,5 Prozent) kann man allerdings nicht gelangen.

Doch was sind die Gründe dafür? „In der Politik muss man lernen, sich durchzusetzen, wenn man etwas erreichen will – egal, welchem Geschlecht man angehört“, meinen Leonhardt und Weidenhaupt.

Auch Renée Grafen und Maria Mund haben diese Erfahrung gemacht. Sie vertreten im Stadtrat die CDU. „Wir haben einen starken Stand in der Fraktion und gehören zu den Meinungsbildern. Trotzdem mussten wir kämpfen, um einen guten Platz auf der Liste zu bekommen“, sagt Grafen. Als Quotenfrauen sehen die beiden Indestädterinnen sich zwar nicht, lehnen die Regelung jedoch auch nicht komplett ab. Der Grund: „Es gibt leider zu wenig Frauen in der Politik“, so Grafen.

Die Gründe dafür seien vielfältig. „Es ist so, dass Männer oft nicht einer Doppelbelastung ausgesetzt sind, Frauen schon“, sagt Grafen. Beruf, Haushalt und Familie – die Politik bleibe da oft auf der Strecke. Das weiß auch Maria Mund. Für die Alleinerziehende ist ein perfekt funktionierender Zeitplan das A und O. Auch Dagmar Göbbels hat diese Erfahrung gemacht: „Ich kenne viele Frauen, die gerne etwas machen würden, aber keine Zeit haben. Aber es geht. Ich war selbst immer berufstätig und hatte zwei Kinder.“

Gabriele Pieta und Marlene von Wolff sind Mitglieder der Eschweiler Grünen. Ortsvereins-Sprecherin Gabriele Pieta engagiert sich politisch, seitdem ihr Nachwuchs aus dem Kindesalter heraus ist. Sie meint: „Beruf, Familie und Politik bekommt man kaum unter einen Hut.“ Marlene von Wolff hat es vor neun Jahren, mit 65, in die Kommunalpolitik gezogen. Auch die beiden Indestädterinnen wünschen sich mehr Frauen in der Politik. „Frauen bringen einen anderen Ton in eine Diskussion. Zickigkeit habe ich bisher nie von Frauen erlebt. Dafür aber Hahnenkämpfe zwischen Männern“, sagt Pieta. Einen weiteren Grund für mehr Frauen in der Politik nennt Leonhardt: „Frauen hören zu und arbeiten oft lösungsorientierter. Sie haben eine andere Art, an Dinge heranzugehen.“

Keine guten Beispiele

Sind die Politikerinnen auf Landes- und Bundesebene dafür nicht perfekte Beispiele? Gabriele Pieta sieht dies eher kritisch. Ursula von der Leyen oder Angela Merkel sind für sie keine positiven Beispiele. Der Grund: „Diese Frauen wissen gar nicht, wie es geht, wenn man alles machen muss“, meint Pieta. Angst davor, ihre Meinung zu äußern, hat sie nicht. So geht es auch Inge Wiese von der UWG. „Ich sage, was ich zu sagen habe. Man ist da, um den Mund aufzumachen, dafür ist man schließlich auch gewählt“, meint die 67-Jährige. Und wie beurteilen die Inde-städterinnen die Zukunft der Politikerinnen in Eschweiler? Ist Eschweiler bereit für eine Bürgermeisterin? „Ja“, meinen von Wolff und Pieta. Dieser Meinung ist auch Leonhardt: „Politik ist ein Wettbewerb um die besten Ideen und kein Freund- oder Feind-Schema.“

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