Garmisch/Eschweiler - Kommt ein Chor aus Eschweiler in Bayern an? Ja!

Kommt ein Chor aus Eschweiler in Bayern an? Ja!

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Gelungener Auftritt: Das Bild zeigt den Chor nach dem Konzert in der Evangelischen Kirche Garmisch-Partenkirchen. Leiter Gregor Josephs (2.v.r.) war zufrieden.

Garmisch/Eschweiler. Garmisch-Partenkirchen, Pfingstsonntag 2016. Dichter Nebel wabert durchs Werdenfelser Land. In der Nacht hat es bis auf unter 1000 Meter hinunter geschneit, immer wieder vertreiben kalte Regenschauer die wenigen Spaziergänger, die sich vor die Tür gewagt haben. Gregor Josephs, Chorleiter des renommierten Eschweiler A-cappella-Kammerchores Cantabile, geht unruhig in der Sakristei der evangelischen Kirche von Garmisch-Partenkirchen auf und ab.

Es ist 17.45 Uhr. Eben hat er seine elf Sängerinnen und Sänger für das Konzert eingesungen, das um 18 Uhr auf Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Garmisch-Partenkirchen stattfinden soll. Ganz zufrieden ist er noch nicht. Die Dynamik in in Gastoldis „Amor vittorioso“ bereitet Josephs Sorgen.

Cantabile hatte erst am Vormittag den Pfingstgottesdienst in der Kirche mit Auszügen aus Arvo Pärts „Berliner Messe“ mit gestaltet. Wie auch am Vorabend die Messe in der katholischen Pfarrkirche von Oberammergau. Aber wird bei dem scheußlichen Wetter überhaupt jemand seine bequeme heimische Couch verlassen, um einem in Bayern bis dato unbekannten Chor aus dem fernen Eschweiler zu lauschen?

Ein vorsichtiger Blick von Gregor Josephs aus der Sakristei heraus verheißt nichts Gutes: zwei Menschen in der Kirche. Einer davon der Gemeindekantor, der Cantabile die Kirche aufgeschlossen hat. Punkt 18 Uhr verlässt Josephs mit den Seinen die Sakristei und ist überrascht: Die Kirche ist nahezu voll und gespannte, erwartungsvolle Stille empfängt den Kammerchor und seinen Dirigenten.

Aufmerksam lauschen die Besucher den Stücken aus der Spätrenaissance, die den Auftakt des Konzerts bilden. Kompositionen von Monteverdi, di Lasso, Gastoldi, Dowland und Plansson. Stücke, die trotz ihres Alters von zum Teil über 400 Jahren nichts an Schönheit und Lebendigkeit verloren haben und gekonnt, sicher und gut aufeinander abgestimmt von den Eschweiler Sängerinnen und Sängern vorgetragen werden. Kompositionen, die mal heiter, mal nachdenklich, mal traurig und manchmal auch spöttisch das ewig aktuelle Thema der Liebe musikalisch umsetzen.

Begeisterter Applaus ist der Dank des Publikums auch nach dem zweiten Block, der schwerpunktmäßig Stücke der französischen Romantik von Massenet, Saint-Saens und Sirett beinhaltet, die Cantabile wie gewohnt kunstvoll ziseliert mit differenzierter Dynamik und wunderbar harmonischem Chorklang darbietet.

Dass Cantabile auch im populären Sektor zu Hause ist, beweist der Chor im letzten Teil des Konzerts mit Stücken unter anderem von James Taylor und Manhattan Transfer. Beim als Schlussstück vorgesehenen „Java Jive“ im Arrangement von Kirby Shaw hält es die Besucher nicht mehr auf den Sitzen.

Der lang anhaltende stehend dargebrachte Applaus verebbt erst, als Moderator Peter Adrian eine Zugabe ankündigt. Nach zwei Zugaben klingt dann das Konzert mit Rheinbergers „Abendlied“ aus. Gregor Josephs kann zufrieden sein.

Seine Sorgen waren unbegründet. Selbst die Dynamik im „Amor vittorioso“ hatte gestimmt. Es versteht sich von selbst, dass ihm jetzt das Bier beim Altenauer Dorfwirt erst recht mundet. Ob es Josephs allerdings gelingen wird, bayerische Blasmusik mit klassischem A-cappella-Chor zu kombinieren, so wie er es sich vorgenommen hat? Schaun mer mal.

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