Eschweiler - Kommentiert: Menschen statt Quoten zählen

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Kommentiert: Menschen statt Quoten zählen

Ein Kommentar von Patrick Nowicki

Spüren Sie es? Wir stecken mitten drin. Mitten in der Krise. Seit Monaten sprechen und schreiben wir über kaum etwas anderes. Immer neue Horrorszenarien werden heraufbeschworen, immer weiter wird die sich verbreitende Unsicherheit in Deutschland befeuert. Doch hat sich wirklich etwas nachhaltig verschlechtert in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik?

Die deutsche Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Steuereinnahmen der öffentlichen Hand sprudeln. Und wir? Wir klagen. Über die sogenannte Flüchtlingskrise.

Ich finde das erschreckend. Denn nicht die Schicksale und Menschen sind die vorrangigen Themen, es sind Zahlen und Statistiken. Selbst Profipolitiker, die es eigentlich besser wissen müssten, sprechen von Quoten, von einer Obergrenze.

Ob diese Lautsprecher das Deutsche Grundgesetz kennen und den darin verankerten Artikel 16a? Der gesteht nämlich jedem politisch Verfolgten grundsätzlich Asyl in Deutschland zu. Nicht den ersten Hunderttausend, die die Grenze erreichen, sondern jedem.

Wie gut, dass vor Ort, in Eschweiler und Stolberg, nach menschlichen und nicht nach mathematischen Prinzipien gehandelt wird. 35 Menschen sollten nämlich von der Erstunterkunft Donnerbergkaserne in die nächste verschoben werden, nachdem sie bereits acht Monate lang an der Stadtgrenze zu Eschweiler verharrt hatten.

Die beiden Sozialämter schritten ein, kontaktierten die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg und brachten die Menschen in der Inde- und in der Kupferstadt unter. Beide Städte sind rechnerisch nicht dazu verpflichtet, die Flüchtlinge aufzunehmen, denn die Zuteilungsquote ist erfüllt. Aus „humanitären“ Gründen habe man sich aber dazu entschieden, lautete am Freitag die offizielle Formulierung.

Damit bewahren die beiden Städte die betroffenen Menschen, in ihre dritte Erstunterkunft, eine große Zelt- und Bettenstadt, umzuziehen. Eigentlich sollten die Flüchtlinge nur wenige Wochen dort verbringen, um dann in einer Stadt eine feste Zuflucht zu erhalten. Theoretisch. Vor den Verantwortlichen in den beiden Rathäusern ziehe ich meinen Hut: Sie haben bewiesen, dass nicht Quoten, sondern Menschen zählen.

Mehr Personal erhält die Polizeiwache in Stolberg. Ab sofort sind 83 statt bislang 73 Polizisten auf den Straßen des Südkreises. Mit neuen Konzepten will die Behörde nicht nur effizienter arbeiten, sondern sie will den Bürgern auch das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Jahrelang schien Sparen das Gebot der Stunde bei der Polizei zu sein. Gut, wenn nun ein Umdenken erfolgt.

Am Wochenende verstummt hoffentlich das Krisengerede: Es wird gefeiert! In Kinzweiler, in Dürwiß, in Nothberg und natürlich in der Innenstadt, wo das Stadtfest mit Indeschau, Handwerkermarkt und mehr auf dem Programm stehen. Langweilig wird es sicherlich nicht. Ihnen ein schönes und sonniges Wochenende!

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