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Kommentiert: Ein Image-Schaden

Ein Kommentar von Patrick Nowicki

Wenn zwei Unternehmen zusammenarbeiten und von Synergien sprechen, dann muss man genau hinschauen. Häufig führen nackte Zahlen und Statistiken eben nicht dazu, dass sich Menschen zufrieden fühlen. Den Plan, Geburten ab Oktober nicht mehr im Eschweiler St.-Antonius-Hospital zu ermöglichen, kann man nicht nach rein wirtschaftlichen Aspekten bewerten.

Oberflächlich betrachtet, könnte man den Schritt der beiden Krankenhäuser in Eschweiler und Stolberg nachvollziehen. In der Medizin führt der Weg zu Kompetenzzentren. Vom Komplettangebot in kleineren Krankenhäusern muss man sich verabschieden, an bestimmten Punkten tummeln sich die Spezialisten. Dies verkürzt in der medizinischen Behandlung die Entscheidungswege zwischen den beteiligten Ärzten.

Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck, unter dem die regionalen Krankenhäuser stehen. Auch das Medizinische Zentrum der Städteregion in Würselen geriet dermaßen unter Zugzwang, dass über die Schließung der Geburtsklinik nachgedacht wurde. Dort propagierte man, dass eine solche Einrichtung nur finanzierbar sei, wenn die Grenze von 600 Geburten erreicht werde.

Anschließend ruderte man zurück, die Geburtsklinik bleibt bestehen, allerdings werden am Standort Bardenberg nur noch Pflegekräfte ausgebildet. Stolberg lag im vergangenen Jahr bei den Geburten in der Städteregion vorne: 1287. Im Eschweiler Hospital kamen 581 Babys zur Welt. Dies sind die Zahlen.

Bei Geburten spielen Emotionen jedoch eine bedeutende Rolle. Eltern suchen sich den Geburtsort ihres Kindes nicht nur nach der höchsten Anzahl von Fachleuten mit den bemerkenswertesten Auszeichnungen aus. Es geht um Heimat, um Verbundenheit zum Ort, in dem man lebt, um Nähe und Wohlfühlen. Solche emotionalen Argumente sollten vor allem christlichen Häusern wichtig sein. Nur bei Risikoschwangerschaften rücken medizinische Aspekte nach vorne.

Geboren in Eschweiler – das wird man nur noch nach Hausgeburten ab dem 1. Oktober in Geburtsanzeigen lesen können. Mögen sich die Geschäftsführer der beiden Krankenhäuser und die Krankenkassen auf die Schulter klopfen – ich stimme dem Eschweiler Bürgermeister zu: Am Mittwoch hat das Eschweiler St.-Antonius-Hospital viel von seinem positiven Image verloren.

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