Komiker Bill Mockridge beweist, warum die Alten heute jünger sind

Von: jlm
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Mockridge
Bill Mockridge begeisterte seine Gäste im Eschweiler Talbahnhof mit seinem neuen Solo-Programm „Was ist Alter?“. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. „Ihr werdet nach dieser Veranstaltung alle jünger sein“, versprach Bill Mockridge, Schauspieler und Kabarettist, am Mittwochabend seinen zahlreichen Gästen im Talbahnhof. Mit seinem neuen Solo-Programm „Was ist Alter? Warum wir immer jünger werden“ stellte er die Frage, die er mittlerweile schon fast täglich höre: Was bedeutet Alter?

Dabei habe er gemerkt, es gebe zwei Arten von Alten: die jungen Alten und die alten Jungen, „wobei ich nichts gegen Florian Silbereisen sagen möchte“, fügte der Kabarettist hinzu. Man müsse sich immer dem Alter entsprechend benehmen. Ein Piercing neben dem Hörgerät, das seien Bilder, die man nicht sehen möchte. Seit neuestem verwende er aber jetzt auch einen Trick: Seine Frau kaufe ab und zu Pullover, die ihr viel zu groß seien und ihre Freundinnen würden sie dann immer fragen: „Sag mal, hast du abgenommen?“ Er mache das jetzt so ähnlich: er gebe sein Alter jetzt grundsätzlich immer höher an. Nicht selten höre er dann: „Für Anfang 80 sieht der aber gut aus.“

Er habe jedoch ebenfalls beobachtet, dass die Omas und Opas von früher wenig gemein haben mit den Omas und Opas von heute. Früher habe der Lebensabend aus fünf L‘s bestanden: Langeweile, denn der Besuch bei der Fußpflege entpuppe sich als Höhepunkt der Woche, Lustlosigkeit, Looping, weil man dem Alter wie in einem Kreis nicht entkommen konnte, Leere und Last, „weil James Last die einzige Musik war, die du hören durftest“.

Morgens wie mit 101 Jahren

Doch ab wann kann man überhaupt von Alter sprechen? 50 Prozent der Deutschen sagen, so eine Umfrage, man sei alt, wenn man in Rente geht. Alter sei aber vielmehr eine Gefühlssache, so Bill Mockridge. Morgens, wenn er aufstehe, fühle er sich wie 101, mittags dann schon wie 40 und abends, wenn er auf der Bühne stehe, höchstens 20. Ab Mitternacht würde er dann aber wieder rasant abbauen. Mittlerweile sei ihm aufgefallen, dass er zum Beispiel beim Sich-Hinsetzen sogar dieselben Altmännergeräuche mache, die ihm damals bei seinem Vater und seinem Opa schon aufgefallen seien. Er sei sogar unter die Brabbler gegangen. Wenn seine Söhne und seine Frau nicht zuhause seien, kommentiere er stundenlang alle, was er mache. Wenn ihn dann jemand ertappt, beteuere er immer, er habe nur mit den Hunden geredet.

Seit er nun Rentner ist, sei ihm aber auch etwas aufgefallen: Seine Frau behandele ihn ganz anders. Im Restaurant antworte sie für ihn, sich ständig Sorgen mache und, bevor er das Haus verlasse, um etwas zu spazieren, kontrolliere sie immer zuerst, ob er auch seine Mütze, sein Handy und seinen Organspendeausweis dabei habe. Wenn er ihr Geld für etwas leihe, habe er das Wechselgeld vor der Heirat immer zurückbekommen. „In der Ehe hört das schlagartig auf“, weiß er heute. Letzens habe er ihr einen 50er gegeben, damit sie sich an der Tanke eine Brigitte holen konnte. Als sie wieder ins Auto gestiegen sei, habe er nach dem Geld gefragt. „Was willst du auf einmal mit 47 Euro?“, habe sie geantwortet und, als er darauf keine rechte Antwort fand, hinzugefügt: „Siehst du. Wenn du es weißt, sag Bescheid, ich leih es dir.“

Auch habe jede Generation ihre eigene Sprache. Unter dem Begriff „etwas Flottes für den Übergang“ würde sein Sohn seine letzte Freundin verstehen. Im Kindergarten habe er deshalb auch gefragt, was ein Rentenbescheid und ein Seniorenteller sind. Heutzutage sitze Opa nicht mehr jeden Tag im Ohrensessel. „Der Grandpa 2.0 sitzt in seinem rückenschonenden Designerstuhl mit dem Namen Oldman chilling, guckt auf Youtube, twittert, ersteigert auf Ebay Karten für das nächste Rock-Konzert und macht samstags Kneipentouren.“

Versprechen eingelöst

Die Alten würden sich den Oberschenkelhalsbruch jetzt nicht mehr auf der Kellertreppe, sondern beim Skateboardfahren mit dem Enkelchen holen.

Zu guter Letzt hielt der Kabarettist natürlich auch sein Versprechen: Jeder Mensch lebe durchschnittlich im Jahr drei Monate länger, dies ergebe sechs Stunden pro Tag und 15 Minuten pro Stunde. „Konsequenz: da die Veranstaltung zwei Stunden gedauert hat, sind alle, als sie den Talbahnhof wieder verließen, eine halbe Stunde jünger.“

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