Kölsche Urgesteine im Talbahnhof

Von: ran
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Manchmal ganz schön schräg, aber immer authentisch und geradeheraus: Gerd Köster und seine Mitstreiter Frank Hocker und Helmut Krumminga, letzterer auch als BAP-Gitarrist bekannt, bescherten dem Publikum im Talbahnhof einen Abend, den es nicht so schnell vergisst. Foto: A. Röchter
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Manchmal ganz schön schräg, aber immer authentisch und geradeheraus: Gerd Köster und seine Mitstreiter Frank Hocker und Helmut Krumminga, letzterer auch als BAP-Gitarrist bekannt, bescherten dem Publikum im Talbahnhof einen Abend, den es nicht so schnell vergisst. Foto: A. Röchter
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Manchmal ganz schön schräg, aber immer authentisch und geradeheraus: Gerd Köster und seine Mitstreiter Frank Hocker und Helmut Krumminga, letzterer auch als BAP-Gitarrist bekannt, bescherten dem Publikum im Talbahnhof einen Abend, den es nicht so schnell vergisst. Foto: A. Röchter

Eschweiler. Welthits sind nicht ihre Sache! „Da müssten wir ja ein nichtssagendes Liebeslied für alles und jeden schreiben!“, begründet Gerd Köster diese Tatsache. Doch gerade weil das kölsche Urgestein eine ganze Menge zu sagen hat, erfährt er wohl diese außerordentliche Wertschätzung und Treue seiner Fangemeinde.

Diese hatte sich am Freitagabend dann auch in großer Anzahl vor der Bühne des Talbahnhofs versammelt, um den Worten und durchaus auch im wahrsten Sinne des Wortes den „Weisheiten“ des Sängers zu lauschen. Großartige Unterstützung erhielt dieser von seinen kongenialen Mitstreitern Frank Hocker und Helmut Krumminga an den Gitarren. So erlebten die Zuhörer ein rund zweieinhalbstündiges Konzert, bei dem die Gefühlswelt auf der Bühne zwischen unbändiger Lebenslust, ätzendem Sarkasmus, herber Gesellschaftskritik und vollkommener Ratlosigkeit hin und her schwankte. Eben Gerd Köster, Frank Hocker und Helmut Krumminga „live“.

Er ist Kölner durch und durch und liebt seine Stadt! Was Gerd Köster aber keinesfalls davon abhält, eineinhalb kritische Augen auf die Domstadt am Rhein zu werfen: Auch deshalb „rotzte“ er gleich zum Auftakt „En Kölle dä King“ in das Mikrofon, bevor das Gesangs- und Instrumentaltrio Augenblicke später den melancholischen Song „Kuss em Wind“ erklingen ließ.

Und auch wenn sein „Bruder im Geiste“ Frank Hocker die Melodie zum Lied „Jrön“, zumindest am Anfang, „versöhnlich in Dur“ angelegt hat, machte der ehemalige Sänger der Gruppen „Schroeder Roadshow“ und „The Piano has been drinking“ unmissverständlich deutlich, dass er politisch eher andere Farben vorzieht. „Die Autonomen han de Hoore hück schön, beim Lach-Yoga im Keller...“, so sein ätzender Spott.

Doch Spott alleine hält keine Lösungen parat. Und die Vorkommnisse der Silvesternacht haben auch Gerd Köster ziemlich ratlos zurückgelassen. „Da kommt auch bei mir der Gedanke nach Ausweisung hoch. Aber mit der Auflage, dass jeder einen Neo-Nazi mitnimmt“, erklärte der Songpoet unter dem Applaus des Publikums.

Und die besorgten Bürger? „Schwierig! Ernst nehmen, ja! Aber mir fällt auf, dass diese Menschen immer nur auf die Straße gehen, wenn es gegen Ausländer geht, aber nicht, wenn der deutsche Staat Waffen an Saudi-Arabien liefert oder Obdachlose angezeigt werden, wenn sie in den Mülltonnen von Läden wühlen!“ Dieser Grundstimmung des engagierten Kapitalismuskritikers entsprang der Song „Leis rieselt et Häzz“ („in et Portemonnaie“), der wohl auch so manchen Konzertgast aufwühlte: „Weg mit fremden Schiffen, wir haben selber schwere See.

Neuer Hass und alte Ideen!“ Und die bange Frage: „Kütt do bald en ne Knall?“ Humor und pure Lebensfreude stellten im Konzert, unter der Überschrift „Kumm Jangk!“ die andere Seite der Medaille dar. Ohnehin weist Köster den Vorwurf, seine Songs seien von Zynismus geprägt, von sich: „Sarkastisch auf jeden Fall! Aber zynisch? Zynismus ist für mich, ein alkoholfreies Bier ‚Jever Fun‘ zu nennen“, ließ er wissen, bevor er den Tom-Waits-Klassiker „Long way home“ mit „Ömweg heim“ eindrucksvoll interpretierte.

Auch der „Fröhling“ ließ sich zwischenzeitlich im Talbahnhof blicken, während so manche „Kaschemme“ auch in der Altstadt Kölns ihre beste Zeit gesehen haben dürfte: „Deideideidei“. Herausragend die beiden Zugaben: „Rude Jolf“ und „Jeile Welt“ verursachten Gänsehaut. Dann verneigten sich die drei Künstler vor ihrem Publikum, und die Zuhörer revanchierten sich stehend. Ein besonderer Abend!

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