Klinik am St.-Antonius-Hospital bietet Fortbildung zum Thema „Rettung und Präklinik“ an

Von: Paul Santosi
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Dr. Oliver Heiber, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und orthopädische Chirurgie am St.-Antonius-Hospital, lud ein zur Veranstaltung „Trauma und Präklinik“. Foto: Paul Santosi

Eschweiler. Für viele eine absolute Horrorvorstellung: Sie werden Zeuge eines schweren Verkehrsunfalles oder gar selbst Opfer. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte erscheinen auf der Bildfläche und tragen dann hoffentlich schnell und koordiniert dafür Sorge, dass Schwerverletzte so schnell und effizient wie möglich zur Behandlung in die geeignete, nächstgelegene Klinik kommen.

Jetzt heißt es vor allem für die medizinischen Rettungskräfte: ruhig bleiben, Situation bewerten und die richtigen Entscheidungen treffen. Eine Aufgabe, die an zeitlicher und psychischer Belastung kaum mit einer anderen vergleichbar ist. Durchschnittlich 35.000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland eine schwere Verletzung. Zur besseren Koordination aller an einer solchen Notsituation Beteiligten veranstaltete die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie am St.-Antonius-Hospital (SAH) am Mittwochabend eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Rettung und Präklinik“.

Chefarzt Dr. Oliver Heiber erläutert, worum es geht: „Man spricht von einem sogenannten Polytrauma, wenn eine Verletzung aufgrund ihrer Schwere oder der Kombination von Einzelverletzungen eine unmittelbare Lebensbedrohung darstellt. Die Verkehrsunfälle stellen in der Polytrauma-Statistik noch immer den höchsten Anteil dar. Daher vergeht die erste Stunde zwischen einem Schwerst-Unfall und dem Beginn der Behandlung in der Klinik meist im Rettungswagen und auf der Straße. Man spricht von der sogenannten „golden hour of shock“, einem Zeitraum also, der die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten maßgeblich bestimmt. Untersuchungen haben ergeben, dass heute durchschnittlich etwa 66 Minuten zwischen Unfall und Klinikbehandlung vergehen. Diese Zeit so gut wie möglich zu nutzen ist das Ziel professioneller präklinischer Polytrauma-Versorgung.“

Der Blickwinkel eines Rettungsarztes zeigt, wie komplex sich die Situation beim Eintreffen am Unfallort gestaltet. Der Mediziner muss in kürzester Zeit beurteilen, welche Verletzung für den Körper die größten Folgen hat. Die Schädel-Hirn-Verletzung mag im ersten Augenblick Vorrang haben, aber wenn der Patient nicht frei atmen kann, muss eben erstmal dieses Problem gelöst werden, bevor der Patient vielleicht erstickt. „Treat first, what kills first“ (etwa „Behandle das Lebensbedrohliche zuerst“) sei daher die absolute Regel Nummer Eins für den Retter. „Die Reihenfolge von Problemen muss in ihrer Wichtigkeit erkannt werden. Auch während der späteren Behandlung im sogenannten Schock-Raum der Klinik wird dieses Schema angewandt und laufend hinterfragt. Daher ist auch die Kommunikation zwischen Notarzt und Klinik einem standardisierten Code untergeordnet, den beide Seiten schnell verstehen und daraus die entsprechenden Maßnahmen ableiten“, so Dr. Heiber. „Dieses Vorgehen hat nachweislich zu einer Verbesserung der Überlebens-Chancen von Schwerverletzten beigetragen.“

Gemeinsame Übungen zwischen Rettungs- und Klinik-Personal sowie der Feuerwehr sind also eine mehr als sinnvolle Sache. Mit der Veranstaltung „3. Rettungsübung und Schockraumtraining“ am 21. März auf dem Gelände der Eschweiler Feuerwehr steht bereits die nächste Trainings- und Simulations-Einheit auf dem Programm. „Das Zusammenspiel von Rettung, Diagnostik und Behandlung im entscheidenden Zeitfenster muss einfach regelmäßig trainiert werden. Unser Ziel ist es, wertvolle Einsichten in die Arbeit der jeweils anderen Berufsgruppe zu ermöglichen. Das führt zu positiven Effekten. Dieses Wissen hält man aber nur dann aufrecht, wenn man bestimmte Abläufe immer wieder übt,“ betont Dr. Oliver Heiber.

Spektakuläre Katastrophenübungen sorgten immer wieder schon mal für mediale Aufmerksamkeit. Dennoch löst es beim Chefarzt der SAH-Unfallchirurgie ein wenig Verwunderung aus, wie sein Arbeitsfeld von vielen Menschen betrachtet wird: „Wir und unsere Partner im euregionalen Trauma-Netzwerk sind für schwere Unfallereignisse gut gerüstet. Was aber vor allem Ärzte-TV-Serien oftmals in den Patienten an Vorstellungen hinterlassen, ist schon bemerkenswert. So entsteht der Eindruck, es ließen sich auch die größten Unfallfolgen mit einem Happy End in den Ursprungszustand zurückversetzen. Aber nicht alles kann geheilt und rehabilitiert werden, es bleiben manchmal eben auch Folgeschäden. Auch das muss ein Arzt seinem Patienten in einem guten Gespräch verständlich vermitteln können.“

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