Eschweiler - Klaus „Major” Heuser und Richard Bargel begeistern 200 Fans

Klaus „Major” Heuser und Richard Bargel begeistern 200 Fans

Von: vr
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Sie sind der personifizierte Blues: Klaus „Major” Heuser und Richard Bargel haben sich gesucht, gefunden und auf der Talbahnhof-Bühne sichtlich und hörbar Spaß am gemeinsamen Musizieren. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Die zwei Männer spielen ihn nicht, sie sind der Blues: Stiefel, schwarze Klamotten, graue Haare und zwei Gesichter, aus denen jede Falte unzählige Geschichten eines Lebens erzählt, in dem nicht viel ausgelassen, vielleicht so manches übertrieben, das aber jede Sekunde wirklich gelebt wurde.

Sie verkörpern glaubwürdig die „Men in Blues”, wie sie sich nennen, gehören zu den besten deutschen Musikern und sorgten am Dienstagabend im Talbahnhof für Gänsehaut: Richard Bargel und Klaus „Major” Heuser.

Ein wenig finster dreinblickend fällt die Begrüßung knapp aus, dann eine erste Annäherung des Mannes mit dem markanten Hut: „Hallo, wir hoffen, es gefällt euch!”, meint der „Major”, den über 200 Besucher im ausverkauften Talbahnhof noch aus seiner Zeit als Leadgitarrist und kongenialer Partner Wolfgang Niedeckens bei BAP kennen. „Wieso, wir machen doch sowieso die Musik, die uns gefällt”, so der Konter von Richard Bargel, dem deutschen Blues-Urgestein, Mitbegründer der deutschen Bluesszene Ende der 60er Jahre überhaupt.

Und diese Musik gefiel auch dem Eschweiler Publikum, das ein fast dreistündiges Konzert zweier „Bluesmen” erlebte, die scheinbar schon seit ihrer Geburt miteinander musizieren, dies aber in Wirklichkeit erst seit zwei Jahren tun. In einer Talkshow mit der Kabarettistin Anka Zink trafen sich Heuser und Bargel 2008 in Bonn, „Major” sollte etwas auf der Gitarre zum Besten geben und bat Richard Bargel, ihn zu begleiten.

Dieser hatte mit Rock und erst recht mit Kölschrock à la BAP nichts am Hut und war nach eigenen Angaben zunächst sehr skeptisch, doch nun sei er „ja so froh, dass ich den gefunden hab. Jetzt hab ich einen Fahrer”, wie Bargel augenzwinkernd am Dienstagabend verriet. Es scheint, als haben sich hier zwei Brüder im Geiste nach jahrelangem Suchen endlich gefunden, wenn Bargel mit Whiskey-getränkter Stimme „Double Dirty Mother” singt und Klaus Heuser mit seiner Les Paul antwortet. Bei „Bad Bad Whiskey” hält es Richard Bargel nicht mehr auf seiner „Stehhilfe” und er marschiert durch die ersten Publikumsreihen, eine Demonstration seiner ausdrucksstarken Stimme.

Zwischen klassischen 12-Takt-Bluessongs mischen sich immer wieder Country angelehnte Stücke wie „There„s A Man Going Around”, einem Traditional, das Bargel bearbeitet hat und in dem sich die beiden Gitarristen mit ihrem Spiel temporeich gegenseitig jagen. Wo könnte Son Houses „Empire State Express” authentischer klingen, als im Talbahnhof, wo dem an einen abfahrenden Zug erinnernden, stampfenden Rhythmus die passende Kulisse geliefert wurde.

Während Richard Bargel den Rhythmus stoisch vorgibt, schwebt der „Major” in seinen mitreißenden Soli davon, man hat den Eindruck, dass es ihm wieder richtig Freude macht, auf der Bühne zu stehen.

Dabei hatte dies der erfolgreiche Produzent eigentlich gar nicht mehr vor, genießt es jedoch umso mehr und bekennt auf seiner Homepage, dass er „endlich wieder die Band gefunden hat, nach der ich wohl - ohne es zu wissen - lange gesucht habe”.

„Es macht einfach Spaß”

„Es macht einfach Spaß. Wir spielen die Musik so, wie sie ursprünglich gedacht war”, lässt Klaus Heuser in der Pause in seine Musikerseele blicken. Das, was seinerzeit zur Trennung von BAP führte, ist das Geheimnis der Kreativität und des Erfolgs: die Reibung innerhalb einer Band, die Heuser auch bei den „Men in Blues” erfährt. Doch Reibung erzeugt auch Wärme und die spürt das Publikum, wenn sich Heuser und Bargel auf der Bühne die Bälle zuspielen, sowohl musikalisch als auch rhethorisch, unterhielten die beiden Musiker ihre Gäste zeitweise doch mit köstlichen Zwiegesprächen.

Diese Reibung gibt es auch im Gespräch abseits der Bühne, wenn Richard Bargel behauptet, die „deutsche Bluesszene ist auf dem Weg nach oben”, „Major” Heuser hingegen bilanziert, dass „junge Leute doch ganz andere Sachen mögen. Meine Kinder jedenfalls können mit Blues nicht viel anfangen.” Und dann bricht der Rock auch auf der Bühne aus ihm heraus, wenn aus dem Bluesman Heuser während eines Solos wieder der alte „Major” wird, der zu BAP-Zeiten Wert auf radiotauglichen, internationalen Rock legte und den Kölschrockern damit eigentlich erst ihren Sound auf dem Weg zum nationalen wie internationalem Erfolg verlieh. Eine Eigenschaft, die den „Men in Blues” übrigens laut Bargel bei ihrem denkwürdigen Auftritt im Bochumer Gefängnis angesichts ziemlich ablehnend blickender Häftlinge das Leben gerettet habe.

Kein „Blues für Beamte”

„Doing time” handelt von diesem „Bochum Prison Blues” und reihte sich am Dienstag bei „Blues meets Rock” ein in die Reihe der Songs, die gerne auch mal die Zwölf-Minuten-Grenze übersteigen, weit weg von jeglicher Radiotauglichkeit und hin zu den Wurzeln der Musik. Und dennoch, einer Sache ist sich der „Major” immer treu geblieben: „Mein Ziel ist es, so zu spielen, dass die Leute eine Gänsehaut bekommen”, so formuliert er 1994 in einem Interview.

Dieses Ziel hat er mit Richard Bargel gemeinsam und dieses Ziel erreichten die beiden Künstler am Dienstag im Talbahnhof. Nun dürfen sich ihre Fans auf ein erstes gemeinsames Studioalbum freuen mit eigenen Stücken, das nach der kleinen Tour im Sommer aufgenommen werden soll. Ob darauf auch der typisch Eschweiler „Soundcheck” zu hören sein wird, ist noch offen, jedenfalls kein „Volkshochschul-Blues - der Blues für Beamte”, denn diese „Men in Blues” müssen sich nichts mehr beweisen, sie spielen um zu spielen. Solide, aber unaufdringliche Unterstützung finden Bargel und Heuser in ihrer Band mit Sascha Delbrouck am Bass und Marcus Rieck an den Drums.
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