Eschweiler - Kita-Kompromiss: Schlachtplan bleibt in der Schublade

Kita-Kompromiss: Schlachtplan bleibt in der Schublade

Von: Silvia Kurth
Letzte Aktualisierung:
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Kinderbetreuung im Blickpunkt: Am 1. November sollen die neuen Tarife für die Erzieher/innen in den kommunalen Kitas in Kraft treten. Die Städte sollen auch für bessere Arbeitsbedingungen sorgen. Foto: ddp

Eschweiler. Die Streikgefahr ist gebannt, die Erzieherinnen und Erzieher in den kommunalen Kindertagesstätten dürfen sich über mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen freuen. „Wichtig ist, dass wir wieder in ruhiges Fahrwasser kommen”, sagt Vera Joußen, Vorstand der BKJ (Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche der Stadt Eschweiler).

Wochenlange Streiks, acht Verhandlungsrunden zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und dem Verband der kommunalen Arbeitgeber: In den Rathäusern wartete man gespannt auf das Ergebnis aus Frankfurt, und ein „Schlachtplan” für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen lag in der Indestadt auch schon in der Schublade. Wo er auch bleiben kann. „Ich freue mich, dass die Sache für die Erzieherinnen ein glückliches Ende genommen hat”, erklärte Vera Joußen am Dienstag.

Das Ergebnis der von wochenlangen Streiks begleiteten Verhandlungen zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und dem Verband der kommunalen Arbeitgeber wird vom Eschweiler BKJ-Vorstand als „insgesamt positiv” bewertet, „weil man zu einer gerechteren Beurteilung der Leistung kommt”, wie Vera Joußen erklärt. „Bisher gab es in einzelnen Fällen doch einige Ungerechtigkeiten.”

Auf der anderen Seite müssten natürlich auch die Mehrkosten gesehen werden, die auf die Städte und Gemeinden zukommen. Für die BKJ mit ihren etwa 90 Beschäftigten bedeutet der Tarifabschluss eine jährliche Mehrbelastung von etwa 120.000 Euro, wenn man denn von einer durchschnittlichen Lohnerhöhung von 120 Euro im Monat ausgeht, wobei die tatsächlichen Verhältnisse etwas komplizierter sind, und gerade in diesem Bereich auch viele Teilzeitbeschäftigte arbeiten.

Gefährdungsanalyse

„Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange”, erklärt Vera Joußen. Denn zu den Lohnkosten kommen auch noch die für die jetzt vereinbarte Gefährdungsanalyse. Eine aus Arbeitgebervertretern und Personalrat paritätisch besetzte betriebliche Gesundheitskommission soll die Arbeitsplätze unter die Lupe nehmen und Verbesserungsvorschläge machen. „Das kann sehr schnell mit Kosten verbunden sein.”

Wo das Wort Kosten auftaucht, da machen auch gleich Spekulationen darüber die Runde, ob Kommunen mit einer Erhöhung der Elternbeiträge reagieren werden. „Das wird ein Thema sein für die Politik.”

In erster Linie ist Vera Joußen aber nun einmal „heilfroh, dass wir wieder zu geregelten Abläufen kommen”, jetzt, wo das neue Kindergartenjahr vor der Tür steht.

Erleichterung herrschte am Dienstag auch auf der Arbeitnehmerseite - und Überraschung. „Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass finanziell etwas dabei herausspringt”, freute sich Monika Gier, die in der Kita Quellstraße arbeitet und im BKJ-Personalrat vertreten ist.

Die Erzieherinnen, die in den vergangenen Streik-Monaten auch finanzielle Einbußen in Kauf genommen haben, erwarten aber auch bessere Arbeitsbedingungen durch den neuen Gesundheitstarif. „Die Arbeit ist sehr viel umfangreicher geworden. Das kann man nicht mit ein paar Euro wettmachen”, verweist Monika Gier auf die immer neuen Erziehungs- und Bildungsaufgaben, die Kitas übernehmen.

„Es war eine lange Zeit, es war eine harte Zeit”, zieht die Erzieherin Bilanz aus dem monatelangen Streit. Aufgegeben hätten die Beschäftigten nicht, wäre es am Montag nicht zum Kompromiss gekommen: „Wir hätten weitergemacht”, sagt Monika Gier. Am Freitag bekommen die Beschäftigten noch einen halben Tag frei, um sich von Verdi über das Ergebnis der Tarifverhandlungen informieren zu lassen und um über das Ergebnis abzustimmen. Mit der Annahme dürfte zu rechnen sein, meint auch die Erzieherin. „Der Kampf hat sich auf jeden Fall gelohnt.”
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