Kirchenmusik in Eschweiler-Nord: Viele Ehrenamtler meistern die Aufgaben

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Eschweiler. „Wie ist es um die Kirchenmusik in Eschweiler bestellt – im Rückblick auf eine rosigere Vergangenheit mit liturgischer und musikalischer Rundumversorgung und im Hinblick auf schwindende Kirchenbesucherzahlen und finanzieller Sparzwänge? Wir haben uns diesmal in der katholischen Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Eschweiler-Nord umgesehen und sprachen mit Regionaldekan Josef Wienand.

Pfarrer Wienand ist innerhalb der GdG Pfarrer in St. Cäcilia Hehlrath und St. Silvester Neu-Lohn sowie Pfarradministrator in St. Severin Weisweiler-Hücheln. Sein Amtsbruder Dr. Rainer Hennes ist Pfarrer in St. Blasius Kinzweiler und St. Georg St. Jöris, während Ralph Osnowski als Seelsorger St. Bonifatius Dürwiß betreut. Auf den ersten Blick ist die Lage vergleichbar mit der zuvor besuchten Evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler-Dürwiß. Denn auch in der katholischen GdG Eschweiler-Nord ist derzeit kein vollausgebildeter Kirchenmusiker fest angestellt.

Finanzielle Grenzen

Dennoch bezeichnet Josef Wienand – fast wortgleich wie der evangelische Pfarrer Wolfgang Theiler für Weisweiler-Dürwiß – die kirchenmusikalische Versorgung als „gut“ – mit dem Zusatz „derzeit“ (im Unterton von „noch“). Pfarrer Wienand spricht den Spagat an, vor dem die GdG in Zukunft steht: „Ohne einen hauptberuflichen Kirchenmusiker lässt sich ein hohes Niveau nicht dauerhaft halten. Allerdings ist auch nicht wegzudiskutieren, dass die Bestallung fester Kirchenmusiker an finanzielle Grenzen stößt.“

Egal, ob mit dem Idealfall „fest angestellter Hauptamtlicher“ oder dem Ist-Zustand müsse aufgrund der Verbandlösung schon jetzt die Kirchenmusik dort auf verschiedene Schultern verteilt werden. „Man denke nur an Weihnachten und Ostern: Da haben die einzelnen Pfarren ein Anrecht auf Gottesdienste. Da kommt es zwangsläufig zu Doppel- oder Dreifachterminen, die ein Organist und Chorleiter nicht zeitgleich wahrnehmen kann“. Dennoch funktioniere es gut, dank der Verteilung auf mehrere Schultern. So leitet Hannah Grunewald, evangelische Christin und hauptberuflich Lehrerin am Heilig-Geist-Gymnasium der Spiritaner in Würselen-Broich, mit großem Engagement den kleiner gewordenen Kirchenchor in St. Cäcilia Hehlrath. „Eine ungemein wichtige Aufgabe“, so Wienand.

„Orgelbegleitung ist gut, aber gerade über den Kirchenchor wird Identität einer Pfarre gewahrt.“ Zudem komme das Überleben von Kirchenchören auch dem Gemeindegesang und dem Organisten zugute: „Chorsänger halten das musikalische Niveau auch in den Gottesdiensten ohne Chorgesang hoch. Wehe, wenn da etwas wegbricht, und dann womöglich für immer.“ Der Hehlrather Organisten-Dienst in den Messen ohne Chormitwirkung wird von wechselnden Kirchenmusikern versehen: Kirchenmusikdirektor Josef Schneider, Rektor a.D. Simon Stump (bei Schulmessen). Bei Gottesdiensten im Altenheim Haus Maria, vielen Sonntagsmessen und Exequien steht der frühere Hastenrather Organist Peter Herzog zur Verfügung. Sie – und damit die Gemeinde – hätten etwa noch viele Psalmen jederzeit zum Wechselgesang abrufbereit. In St. Severin Weisweiler leitet B-Kirchenmusiker Norbert Hoersch den Kinder- und Kirchenchor. Der schmerzliche Verlust von Marc Schmitz, der den Jugendchor St. Severin zehn Jahre lang leitete, wird nun von Elena Sibirtseva aufgefangen. „Das ist der einzige katholische gemischte Jugendchor in Eschweiler“, atmet Pfarrer Josef Wienand auf.

Seit 50 Jahren dabei

In Neu-Lohn wie auch in Dürwiß steht Erwin Martinett nach wie vor als Organist bereit: Der frühere Rheinbraun-Angestellte ist seit 50 Jahren als ehrenamtlicher Organist tätig. In den Pfarren von Wienands Amtsbrüdern Dr. Rainer Hennes und Ralph Osnowski ist Achim Prinz sehr aktiv: Der studierte A-Kirchenmusiker ist Organist in Dürwiß und leitet den Männerchor St. Gregorius (gleichzeitig Kirchenchor) in St. Jöris, während die studierte Sängerin, Gesangslehrerein und C-Organistin Katja Henkes-Rolle aus Würselen den dortigen Frauenchor leitet.

Kurzum: eine Situation, die man je nach Sichtweise als „Rundumversorgung dank mehrerer Kräfte“ bezeichnen oder als zwar vielseitigen „Flickenteppich“, bei dem aber auch Teile später wegbrechen könnten. Zu dieser Unsicherheit gesellt sich mit Beginn des neuen Kirchenjahres (Advent 2013) eine weitere: die Herausgabe des neuen Gebet- und Gesangsbuches „Gotteslob“. Pfarrer Wienand gesteht, dass er dessen Einführung mit gemischten Gefühlen betrachtet. Wie werden die neuen Lieder und Änderungen von den Kirchenbesuchern angenommen? Bleibt den Organisten mit ihrem knappen Zeitplan genug Vorbereitung?

Musica Sacra

Last but not least: Auch Instrumentalmusik jenseits von Orgelklängen und Chorgesang gehört zur Musica Sacra. Und da schätzt man sich in Hehlrath glücklich, dass von Zeit zu Zeit Gottesdienste von einer Orchestergemeinschaft (Instrumentalverein Hehlrath und St. Jakobus-Blasorchester Alsdorf-Warden) oder einem Streicher-Ensemble der Familie Grunewald verschönert werden.

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