Kirchen St. Michael und Herz Jesu stehen vor dem Aus

Von: Tobias Röber
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Die Pfarrkirchen St. Michael und Herz-Jesu erhalten künftig keine Zuschüsse mehr. Das wurde den Gemeindemitgliedern jetzt mitgeteilt. Foto: Tobias Röber
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Die Pfarrkirchen St. Michael (oben) und Herz-Jesu werden künftig nicht mehr vom Bistum bezuschusst. Das wurde den Gemeindemitgliedern jetzt mitgeteilt. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Es war ein mitunter emotionaler Abend im Jugendheim St. Peter und Paul. Die Pfarre St. Peter und Paul hatte ihre Gemeindemitglieder eingeladen, um ihnen mitzuteilen, dass die Kirchen Herz-Jesu und St. Michael sowie das Pfarr- und Jugendheim der Pfarre St. Antonius Röhe künftig keine Zuschüsse mehr erhalten. Was mit den Gebäuden geschieht, steht derweil noch nicht fest.

Aber der Reihe nach. Im November des Jahres 2012 gab es eine Verfügung des Bischofs, dass alle Gemeinschaften der Gemeinden bis Ende 2015 Lösungen im Rahmen des KIM gefunden und umgesetzt haben sollen. KIM bedeutet Kirchliches Immobilienmanagement.

71 GdGs, über 800 Kirchen

Das Bistum Aachen rechnet mit weniger Einkünften und kann deshalb pastoral genutzte Gebäude nicht mehr im gewohnten Umfang bezuschussen. Daher wurden alle Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) verpflichtet, ein Immobilienkonzept zu erstellen. Dieses KIM-Konzept soll mit 30 Prozent weniger Zuschüssen des Bistums auskommen. Für die Instandhaltung aller kirchlich genutzten Gebäude im Bistum Aachen sind derzeit rund 18 Millionen Euro nötig. Aktuell stehen jedoch nur etwa zwölf Millionen Euro zu Verfügung. 71 Gemeinschaften der Gemeinden gibt es im Bistum Aachen und über 800 Kirchen! Im Schnitt besitzen die Kirchengemeinden 45 Gebäude pro GdG.

„Haus ist zu groß geworden“

Um sich ein einheitliches Bild zu verschaffen, übernahmen Experten der Bamberger Joseph-Stiftung die Erhebung des Immobilienbestandes. Im Frühjahr des vorigen Jahres nahmen die Experten die Gebäude in Eschweiler unter die Lupe. Sie wurden besichtigt, bewertet, es gab eine Instandhaltungsprognose und auch einen Energiecheck. Die Ergebnisse lagen der Pfarre im Sommer vor.

Die Ergebnisse fasste Hans Peter Offergeld, Mitglied des Kirchenvorstands und in der Anfang 2013 gebildeten KIM-Arbeitsgruppe der Pfarre, am Montag zusammen. „Einige Gebäude sind erheblich sanierungsbedürftig. Wir haben viel zu viel Raum für viel zu wenige Personen“, sagte er und wagte eine persönliche Einschätzung: „Wir haben 50 Prozent Leerstand.“ Im Abschlussbericht der Arbeitsgruppe heißt es daher auch: „Unser Haus ist zu groß geworden.“

Das dem Bistum für das Jahr 2014 vorgelegte Budget weise einen Fehlbetrag in Höhe von 106 000 Euro aus. Die Betriebskosten für das Gemeindezentrum St. Michael liegen bei 45 000 Euro, die für die Kirche Herz-Jesu bei 25 000 Euro. Für St. Michael seien Sanierungskosten in Höhe von 120 000 Euro errechnet worden.

Dann stand die schwierige Entscheidung an, welche Gebäude künftig nicht mehr bezuschusst werden sollen. Vier Kirchen gehören zur Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Mitte: Analog zu den zu dieser GdG gehörenden Pfarren St. Peter und Paul, Herz-Jesu, St. Michael und St. Antonius Röhe eben diese vier Kirchen. Obwohl die Kirche St. Peter und Paul „vom Volumen her fast alles erschlägt“, war klar, dass diese weiter bezuschusst werden soll. Schließlich habe sie eine große Bedeutung für die Stadt und sie sei die einzige Kirche Eschweilers, die für sehr große Veranstaltungen geeignet sei, etwa, wenn die Abiturienten ihre Entlassgottesdienste feiern.

Die KIM-Projektgruppe hat die drei bereits erwähnten Gebäude vorgeschlagen, und der GdG-Rat hat sich diesem Votum angeschlossen. Außerdem wurde der Kirchenvorstand gebeten, mehrere Projektgruppen zu bilden. Eine erste, die ein Konzept für die Umnutzung beziehungsweise Schließung der Kirchen Herz-Jesu und St. Michael erarbeiten soll, insofern keine alternative Finanzierung für Betriebs-, Instandhaltungs- und Personalkosten gefunden werden kann.

Eine zweite Projektgruppe soll es geben, die ein Konzept zur Eigenfinanzierung für das Pfarr- und Jugendheim in Röhe erarbeitet. Eine dritte Gruppe soll die Veränderungsprozesse der betroffenen Gruppen begleiten. Der GdG-Rat erarbeitet zudem ein Pastoralkonzept, das an die neue Gebäudesituation angepasst ist.

Welche Möglichkeiten gibt es generell für die Gebäude?

Die nicht mehr mit Bistumsmitteln geförderten Gebäude können weiterhin genutzt werden, wenn die Finanzierung der Instandhaltung sichergestellt wird. Das könnte etwa über eine Stiftung gehen. Ansonsten kann die Finanzierung des Gebäudes auch mit alternativen Nutzungen erwirtschaftet werden. Falls die Nutzung finanziell jedoch nicht gesichert werden kann, bleibt letztlich nur der Verkauf der Immobilie.

Stichtag: 30. Juni 2015

Konkret heißt das: Der Kirchenvorstand hat aufgrund des Votums des GdG-Rates für die Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Mitte folgendes beschlossen: eine Umnutzung oder gar den Verkauf der Kirchen Herz-Jesu und des Gemeindezentrums St. Michael bis spätestens zum 30. Juni 2015, falls nicht kurzfristig eine alternative Finanzierung erreicht werden kann und – wie vom GdG-Rat gewünscht – die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten für das Pfarr- und Jugendheim in Röhe.

Sollten Kirchen verkauft werden, solle das „unter der Wahrung und Würde der Räume“ geschehen, betonte Pastor Dr. Andreas Frick. Am liebsten sei der Pfarre eine Nutzung als Begegnungsstätte. Es solle jetzt ruhig und mit Übersicht entschieden werden. Verkaufsverhandlungen oder Gespräche mit Interessenten an den Gebäuden gebe es nicht, sagte der Pastor.

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