Kinderferientour nach Ameland schon seit 40 Jahren

Von: Rudolf Müller
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Eschweiler/Ameland. In seiner Garage sieht es aus wie bei einem gut sortierten Discounter: bis unters Dach vollgepackt mit Lebensmitteln. Heute in einer Woche wird Winand Schönchens alles verladen und auf die Reise schicken: 370 Kilometer weit bis Ameland.

Verpflegung für 73 Kinder und 20 Betreuer, die dort bis zum 10. August fröhliche Ferientage verbringen.

Schon am 7. August reist die zweite Gruppe an: weitere 64 Kinder und 13 Betreuer, die bis zum 21. August die westfriesische Nordsee-Insel zu ihrem ganz persönlichen Urlaubsparadies machen.

Und das beileibe nicht zum ersten Mal: Seit 40 Jahren ist Ameland Weisweilers Erholungspark im Meer. Weisweilers Pfarrer Gieswinkel startete damals die erste Kinderferientour auf die Insel.

Und weil Weisweiler damals noch zum Dekanat Derichsweiler gehörte, waren in den Anfangsjahren auch ungezählte Kinder „von auswärts” mit von der Partie.

Winand Schönchens, der die Organisation der Reisen 1981 übernahm, erinnert sich: „Damals waren wir mit Zelten unterwegs - und mit bis zu 600 Kindern!” Für Schönchens, bis zu seiner frühzeitigen Pensionierung anno 2003 stellvertretender Personalleiter im Kraftwerk, ist sein ehrenamtliches Engagement seither zum Fulltime-Job geworden.

Im kommenden Jahr kann er auf 30 Jahre und ungezählte Touren zurückblicken, die er gemeinsam mit seinem Schwager Norbert Jansen organisiert und geleitet hat.

Ausreichend gute Betreuer für die ausgelassenen Kinderscharen zu finden, damit hatte Schönchens nie ein Problem: „Das liegt sicher auch an dem erstklassigen Ruf, den wir uns in all den Jahren weit über Eschweiler hinaus erworben haben”, sagt er.

Immerhin ist inzwischen die dritte Generation Ameland-Reisender unterwegs: die Enkel derer, die in den Anfangsjahren dabei waren.

Wieso Ameland? „Die Insel hat als Kinder-Insel Tradition, seit nach dem Ersten Weltkrieg ein Pfarrer vom Niederrhein Kinder dorthin brachte, die von den Ameländern für ein Jahr aufgenommen und versorgt wurden”, berichtet Winanad Schönchens.

Die guten niederländisch-deutschen Beziehungen, die daraus erwuchsen, manifestierten sich nicht nur in zahlreichen Ehen, sondern auch in der Tatsache, dass im Zweiten Weltkrieg kein einziger Ameländer eingezogen wurde und kein einziger Ameländer fiel.

Wenn heute auf Ameland Liebesbriefe unter Schlafzimmertüren durchgeschoben werden, so sind die Angebeteten meist ebenfalls aus der Indestadt. Oder aus Kleve, Emmerich, Rees, Mayen oder Schleswig-Holstein. Von dort kommen ebenfalls seit Jahren Kindergruppen auf die Nordsee-Insel. Man kennt sich, man spielt und feiert zusammen.

Das Angebot rund um die Selbstversorgerhäuser - „Apollo” und „Brouwershoeve” - ist vielfältig: Da gibt es Bunte Abende, Spieleabende, Basteltreffs, Fußball- und Volleyballturniere, lustige „Olympische Spiele”, Wattwanderungen, Kutterfahrten, Disco- Abende, Treckertouren. Leuchtturmbesuche und Betreuer-Suchspiele.

Letztere sind besonders fröhlich, erklärt Winand Schönchens: „Da tummeln sich tausende Kinder im Dorf - und dazwischen sind ein paar Bekloppte im Karnevalskostüm, die es zu finden gilt.”

Zwischen 380 und 440 Euro kostet im Normalfall der knapp zweieinhalbwöchige Ferienaufenthalt auf Ameland für Teilnehmer der Weisweiler Gruppen.

Von der Stadt gibt´s einen bescheidenen Zuschuss: 2,80 Euro je Tag und Teilnehmer. Und Teilnehmer kommen nicht nur aus Eschweiler, sondern auch aus Langerwehe, Aachen, Köln, Krefeld und Mönchengladbach.

Derzeitiger „Rekord-Teilnehmer”: ein Junge aus Oxford. Papa ist dort Professor, Mutti kommt aus Eschweiler. Junior soll hier Deutsch lernen. „Wir hatten auch schon vier Jungs aus Paris dabei, deren Großvater aus Eschweiler stammte. Da durfte niemand in der Gruppe sein, der Französisch sprach, damit die Vier Deutsch lernen mussten.”

Lernen steht auch jetzt auf dem Programm: Circus-Kunststücke. Der 40. „Geburtstag” der Ameland-Touren wird mit einem großen Circusfest am 5. August gefeiert.

Dazu reist der Kölner Spielecircus am 1. August an und trainiert mit den „Kids”. Ganz billig ist das nicht.

Aber immerhin schießt das RWE die Hälfte der Summe zu. Für den Rest hofft Schönchens auf hilfsbereite Mitmenschen. Immerhin: 40 Jahre Verbundenheit mit Ameland, das ist schon etwas, das es angemessen zu feiern gilt.

Mehr dazu im Internet unter:

www.spielecircus.de

www.ferienwerk-weisweiler.de.
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