Kinder- und Familienzentrum St. Marien macht gute Erfahrungen mit integrativer Gruppe

Von: ran
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Ohne Berührungsängste: Seit
Ohne Berührungsängste: Seit zwei Jahren bietet das Kinder- und Familienzentrum St. Marien eine integrative Gruppe an. Ab August kommt nun eine zweite Gruppe hinzu. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Jeder einzelne Mensch sollte die Möglichkeit haben, für seine Entwicklung dass zu erhalten, was er benötigt.” Dieses Credo vertritt Anita Permantier offensiv. Die Leiterin des Kinder- und Familienzentrums St. Marien freut sich, dass die Einrichtung ab dem 1. August eine zweite integrative Gruppe anbieten wird.

In ihr werden fünf weitere Kinder mit und zehn Kinder ohne besonderen Förderbedarf von zwei pädagogischen Fachkräften sowie je einer Logopädin und Physiotherapeutin, die beide mit einer halben Stelle ausgestattet sind, betreut werden.

„In der praktischen Umsetzung bedeutet dies, dass jedes Kind die Betreuung erhalten soll, die es benötigt, um Leben in Vielfalt erfahren zu können. Natürlich sind auch alle gesunden Kinder auf Förderung angewiesen. Unsere Aufgabe ist, zu erkennen, welches Kind welche und wieviel Förderung braucht. Sind wir gut, erhält jedes Kind genau die Unterstützung, die für seine Entwicklung förderlich ist”, macht Anita Permantier deutlich.

Am 1. August 2009 wurde im Kinder- und Familienzentrum St. Marien in Röthgen die erste integrative Gruppe eingerichtet. Ein Jahr später nahm die erste U3-Gruppe, in der zweijährige Kinder betreut werden, ihre Arbeit auf. In wenigen Wochen erfolgt nun der nächste Schritt in Sachen Integration. Die Weiterentwicklung des Konzepts bringt natürlich eine Reihe von Veränderungen mit sich. Lag die Zahl der Mitarbeiterinnen des Kinder- und Familienzentrums St. Marien, dessen Träger die Caritas Lebenswelten GmbH ist, vor dem 1. August 2009 noch bei sechs, steigt sie ab dem 1. August 2011 auf 15. „Neben Erzieherinnen gehören nun unter anderem auch Heilerziehungspflegerinnen, Heilpädagoginnen, eine Motopädin sowie eine Kinderkrankenschwester zum Team”, berichtet Anita Permantier. Der Vorteil: „Alles, was Eltern zu Hause zu leisten in der Lage sind, können wir auch anbieten.” So wird in der zweiten integrativen Gruppe, deren Plätze längst vergeben sind, auch ein Kind, das beatmet werden muss, betreut werden können. „Das Motto ?Alle Kinder unter einem Dach ist inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit geworden”, erklärt die Einrichtungsleiterin.

Für die Kinder war es dies von Anfang an. „Sie hatten und haben untereinander keinerlei Berührungsängste”, berichtet die Pädagogin. „Erfahren die Kinder mit besonderen Förderbedarf in praktischen Dingen Unterstützung von den „Regelkindern”, profitieren diese durch den Kontakt zu Kindern mit Förderbedarf sowohl in Sachen Verstand als auch im Herzen.” Wobei Anita Permantier kein Freund bestimmter Begriffe ist. „Ich glaube, dass wir durch unsere Sprache auch Grenzen konstruieren. So gibt es hier in erster Linie weder ?Regelkinder noch Kinder mit besonderem Bedarf, sondern einfach nur Kinder”, betont sie und unterstreicht, dass Trennendes im Kinder- und Familienzentrum keine Rolle spielen soll.

„Ab dem Sommer werden 50 Kinder diese Einrichtung besuchen. Die Betreuung erfolgt gruppenübergreifend”, so Anita Permantier. „Wichtig dabei ist, dass die gesunden Kinder den Kindern mit Förderbedarf nicht nachstehen und ebenso die bestmögliche Unterstützung erhalten.” So hat zum Beispiel jeweils ein Kind aus jeder Gruppe die Möglichkeit, am therapeutischen Reiten teilzunehmen. „Dies tut schließlich jedem Kind gut”, begründet Anita Permantier diese Vorgehensweise.

„Integrative Konzepte setzen sich mehr und mehr durch. Gut so”, glaubt die Einrichtungsleiterin, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Auch wenn noch eine große Strecke bis zur vollständigen Umsetzung zurückzulegen sei. „Früher war es selbstverständlich, dass ein Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen nicht möglich ist. Die Türen waren verschlossen.” Heute sei der Blick doch wesentlich differenzierter. Entscheidend müsse grundsätzlich sein, sich jedem Kind individuell widmen zu können: „Die Frage muss lauten: Was braucht dieser bestimmte Mensch an Unterstützung”, so Anita Permantier.

Wer Interesse hat, das Konzept des Kinder- und Familienzentrums St. Marien (Am Burgfeld 9) kennenzulernen, hat beim „Tag der offenen Tür” am kommenden Sonntag, 19. Juni, Gelegenheit dazu.

Integriert in das Pfarrfest von St. Marien stehen zwischen 12 und 18 Uhr vielfältige Aktionen auf dem Programm.
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