Kinder krempeln im Wald die Ärmel hoch

Von: Patrick Nowicki
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Pflanzen mit der Försterin: D
Pflanzen mit der Försterin: Die Vorschulkinder der „Villa Kunterbunt” aus Bergrath setzten nun Lärchen im Stadtwald. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Für die sieben Kinder der „Villa Kunterbunt” in Bergrath war es eine besondere Entdeckungstour. Mit der Försterin Susanne Gohde ging es am Mittwochmorgen in den Eschweiler Stadtwald.

Dort mussten die Kleinen sogar selbst zum Spaten greifen, denn der Rundgang hatte einen besonderen Grund: Die Försterin und der Auszubildende Georg Mohren hatten 30 Setzlinge im Gepäck, die die Vorschulkinder eigenhändig einpflanzen sollten.

Dabei handelte es sich jedoch nicht um irgendeine Baumart, sondern um 30 Vertreter des „Baumes des Jahres”. Das Kuratorium hat sich nämlich für die Europäische Lärche, wissenschaftlicher Name: Larix dicidua, entschieden. Neben der Eigenschaft, sich nun „Baum des Jahres” nennen zu dürfen, hat die Lärche noch eine weitere: Als einzige heimische Nadelbaumart trennt sie sich im Herbst von ihren Nadeln. Gleich eine Reihe dieser imposanten Bäume befinden sich im Stadtwald, schließlich gilt die Lärche als sogenannter Pionierbaum. Das bedeutet, sie besiedelt Kahlflächen und Rohböden als erste.

Mit viel Ruhe und Geduld

Nicht nur das erfuhren auch die Kinder der BKJ-Tagesstätte in Bergrath, die von der Leiterin der Einrichtung, Brigitte Gudat, und der Erzieherin Melina Schüller begleitet wurden. Försterin Susanne Gohde erzählte auf dem Fußweg Wissenswertes über den Eschweiler Stadtwald. Und sicherlich machte es auch Spaß, selbst ein Loch zu buddeln und die Setzlinge in die Erde zu stecken. Mit viel Ruhe und Geduld suchten sich die Kleinen den genauen Platz aus.

„So viel Zeit bleibt den Waldarbeitern nicht”, berichtete Gohde. Sie gehen nach bestimmten Maßgaben vor und müssen in der Stunde bis zu 50 Pflanzen setzen. Übrigens lassen die Waldarbeiter dafür den Spaten auf dem Wagen und greifen zur Heppe. Mit einem Hieb wird ein Loch in den Boden geschlagen und aufgehebelt. Dort drückt der Waldarbeiter die Wurzeln des Setzlings hinein. Fertig. Da die Arbeit fast ausschließlich mit Muskelkraft geschieht, muss der Körper richtig eingesetzt werden. „Ein gerader Rücken ist sehr wichtig”, muss sich ein Waldarbeiter auch mit der richtigen Haltung auskennen. Allzu lange muss er jedoch nicht Bäume anpflanzen, das „wäre zu langweilig und könnte man keinem zumuten”, schmunzelt Susanne Gohde.

Die Spurensuche ging für die Kleinen aus Bergrath weiter. Auf dem mit Laub übersäten Boden waren die ersten Sämlinge der Buchen zu sehen, die ihre Keimblätter in die Höhe streckten. Im Kopfweiher, der ehemaligen Badeanstalt, hoffte man auf Frösche und Kaulquappen zu stoßen - vergeblich. Die Spürnasen waren bei der Douglasie gefragt. Als die Kinder die Nadeln des Baumes zwischen ihren Händen zerrieben, waren sich schnell alle einig: „Das riecht ja nach Zitrone.” Also wissen sie in Zukunft auch, woran sie die Douglasie erkennen können, nämlich am markanten Geruch des farblosen Harzes.

Kurzweilige eineinhalb Stunden

So vergingen die eineinhalb Stunden für die Kinder wie im Flug. Es war aber auch ein besonderes Ereignis. So schnell werden die Kleinen nicht mehr die Möglichkeit erhalten, im Stadtwald einen Baum zu setzen. Es sei denn, sie heiraten einmal und pflanzen einen Hochzeitsbaum. So wie die Leiterin der BKJ-Einrichtung „Villa Kunterbunt”. Brigitte Gudat weiß heute noch, wo ihr Hochzeitsbaum steht. Aber bis die Kinder im heiratsfähigen Alter sind, werden noch einige Jahre vergehen.
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