Eschweiler-Bergrath - Kicken mit Handicap? Natürlich geht das!

Kicken mit Handicap? Natürlich geht das!

Von: Tobias Röber
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Markus Muhr (links), Arni Muhr und Tobias Clement (rechts) trainieren seit März mit Kindern mit Handicap. Foto: Tobias Röber

Eschweiler-Bergrath. Maximilian ist 13 Jahre alt und so richtig fußballverrückt. Das ist so weit nichts Ungewöhnliches, schließlich jagen viele Jungen in seinem Alter dem runden Leder nach. Maximilian aber hat tuberöse Hirnsklerose. Er leidet an gutartigen Tumoren im Kopf, Epilepsie und ist entwicklungsverzögert.

Fußballspielen mit diesen Handicaps? Für viele scheint das unmöglich. Ist es aber nicht! Beim SV Falke Bergrath gibt‘s seit März eine Handicap-Mannschaft. Sieben Kinder zwischen sechs und 15 Jahren kicken jeden Freitag auf dem Bergrather Kunstrasen.

Arni und Markus Muhr sind die Eltern von Maximilian – und seit März auch seine Trainer. Die beiden hatten die Idee zu der Fußballmannschaft der etwas anderen Art. „Unsere beiden Töchter spielen bei Falke in der D-Juniorinnen-Mannschaft. Maximilian war immer traurig, dass es keine geeignete Mannschaft für ihn gab“, erzählt seine Mutter. Also sprach das Ehepaar den Verein an, der sofort ein offenes Ohr für diese Pläne hatte.

Kennenlernen in der Schule

„Wir fanden die Idee sofort gut“, sagt Jugendleiter Norbert Wergen und fährt fort: „Diese Mannschaft passt zu uns und unserem Konzept. Wir haben uns vor Jahren bewusst entschieden, uns mehr in der Breite aufzustellen, als in der Spitze.“ Vor allem die Nachhaltigkeit sei bei allen Projekten wichtig. Genau die sehen Wergen und seine Mitstreiter bei der Handicap-Mannschaft und sie haben großes Vertrauen in das Trainerteam. Also einigte man sich auf die Trainingszeit 15 bis 16.30 Uhr am Freitagnachmittag und startete im März. Sieben Kinder sind inzwischen dabei, sechs von ihnen lernten sich an der Stolberger Regenbogenschule kennen.

„Fünf Tore geschossen“

Einer von ihnen ist der zwölfjährige Luca, der jeden Freitag sogar aus Alsdorf nach Bergrath kommt. Anfangs hatte er gar keine Lust mitzuspielen, jetzt hat er großen Spaß am Spielen mit seinen neuen Freunden. Wie zum Beweis kam er am Freitagnachmittag während einer kurzen Trinkpause angelaufen, klatschte mit den Trainern ab und verkündete mit einem breiten Grinsen: „Ich habe fünf Tore geschossen.“ Lucas Mutter findet das Bergrather Projekt großartig. Zum einen könne ihr Sohn so seinem Hobby frönen, zum anderen lerne er über die Mannschaft andere Kinder kennen. Das sei sonst recht schwierig. Die Kinder der Regenbogenschule etwa kommen aus allen Teilen der Städteregion. Freundschaften zwischen beispielsweise Eschweiler und Simmerath pflegen, ist alles andere als leicht.

Unterstützt werden Arni (33 Jahre alt) und Markus Muhr (38) von Arni Muhrs Bruder Tobias Clement. Er kickt in der Bergrather A-Jugend und als er von dem Projekt hörte, war er gleich bereit, als Trainer mitzuhelfen. Auch D-Juniorinnen der Falken, die auch von den Muhrs trainiert werden, kommen immer wieder vorbei und unterstützen beim Training am Freitagnachmittag. Maximilian war übrigens gar nicht mehr zu halten, als er von der Mannschaft hörte. „Als Maximilian erfuhr, dass es eine Mannschaft für Kinder und Jugendliche mit Handicap gibt, war das für ihn wie Weihnachten und Ostern auf einen Tag“, erinnert sich die Trainerin und Mutter.

Geht es nach den Trainern, bleibt es nicht nur bei den Übungseinheiten. „Wir möchten auch gerne mal Freundschaftsspiele absolvieren oder an Turnieren teilnehmen“, sagt Markus Muhr, der weiß, dass es schwierig ist, Gegner zu finden. Nach den Ferien soll zudem ein gemeinsames Grillen mit den D-Juniorinnen auf dem Bergrather Sportplatz stattfinden.

„Für uns ist das Neuland“, sagt Norbert Wergen. Es gebe inzwischen einige Initiativen seitens des Deutschen Fußball-Bundes und auch des Fußballverbandes Mittelrhein, Kinder und Jugendliche mit Behinderung zu integrieren. Etwa Tabalingo, eine Initiative, bei der Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam kicken. „Unsere Handicap-Mannschaft ist kein integratives Team, aber das heißt ja nicht, dass sie das nicht vielleicht irgendwann wird.

Die Durchmischung und den Kontakt zu anderen Mannschaften im Verein wollen Trainer und Vorstand ausdrücklich. Aus diesem Grund wird auch darüber nachgedacht, das Training der Handicap-Mannschaft zeitlich nach hinten zu verschieben, so dass Maximilian & Co. zeitgleich mit einigen anderen der rund 260 Kinder und Jugendlichen im Verein trainieren können.

Anfangs eine Hemmschwelle

Natürlich gebe es gerade anfangs immer eine Hemmschwelle, weiß Markus Muhr. Diese sei in Bergrath jedoch längst abgebaut. „Wir sind hier toll aufgenommen worden und sind eine Mannschaft wie jede andere auch“, sagt er und freut sich, dass „man merkt, wie viel spaß es den Kindern macht“.

Zum Handicap-Team gehören: Kai (6 Jahre alt), Steven (9), Salima (11), Luca (12), Maximilian (13) sowie Marcia und Viktor (beide 15). Die Trainer hoffen auf weitere Kicker mit Handicap, allerdings können auch nicht mehr als 15 Kinder in die Gruppe aufgenommen werden. Die Jugendlichen sollten auch nicht älter als 16 Jahre sein.

Wer Interesse hat, erhält Informationen auf der Homepage des Vereins oder bei Jugendleiter Norbert Wergen: Telefon 02403/21644; E-Mail: norbert.wergen@falke-bergrath.de.

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