Khalid Bounouar: Lustiger Rebell, der aus dem Leben erzählt

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
8562831.jpg
Ein Indestädter, der nun auf den Bühnen Deutschlands aus dem Leben erzählt: Khalid Bounouar will als Comedian Karriere machen. Er plant aber auch ein Kinderbuch und liest eigene Gedichte. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Stuttgart, Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln und Aachen. In den vergangenen Monaten hat Khalid Bounouar zahlreiche deutsche Städte gesehen. Der 24-jährige Indestädter ist nicht nur Student, sondern auch Comedian.

Im Gespräch plaudert er aus dem Nähkästchen der deutschen Comedy-Szene und erklärt, warum er trotz zahlreicher Auftritte lieber zurück in die Schule möchte.

Herr Bounouar, Sie sind als Stand-up-Comedian in ganz Deutschland unterwegs. Wie oft wird man als Comedian nach seinem Lieblingswitz gefragt?

Bounouar: So fängt eigentlich jedes Gespräch mit einem Comedian an. Dann sagt jeder Comedian: „Wenn ich jetzt Maurer wäre, müsste ich dir dann auch eine Mauer hochziehen?“ Es ist aber noch schlimmer, dass viele zu dir kommen und einen Witz für dich haben. Das ist dann quasi so, als würdest du zu Mike Tyson gehen und sagen: „Komm´, wir boxen.“ (lacht)

Wie sind Sie überhaupt zur Comedy gekommen?

Bounouar: Es ist nicht so, dass ich jetzt seit meinem fünften Lebensjahr Stand-up-Comedian werden will (lacht). Seitdem ich klein bin, stehe ich auf der Bühne. Ich habe zuerst Theater gespielt und, als ich zwischen 16 und 19 Jahre alt war, Hip Hop getanzt.

Später habe ich dann Musik gemacht, selbst gesungen und als DJ und MC, das sind die Leute, die neben dem DJ stehen und Stimmung machen, gearbeitet. Dass ich zur Comedy oder besser gesagt zu der Rebell-Comedy dazugestoßen bin, war ein riesen Zufall.

Erzählen Sie davon...

Bounouar: Die Rebell-Comedy gibt es jetzt seit sieben Jahren. Vorher hatten die Gründer eine eigene Firma und haben Kurzfilme gedreht. Zu dieser Zeit hat mein älterer Bruder schon mit ihnen zusammengearbeitet. Leider konnte ich nie zu ihren Shows gehen, weil immer irgendetwas anderes war. Ich habe mir aber immer ihre Videos im Internet angesehen und konnte ein Mitglied sehr gut imitieren.

Ein Freund hat mich dabei gefilmt und dieses Video haben sie dann mal zu Gesicht bekommen. Dann haben sie mich eingeladen und mir gesagt, dass ich denjenigen während seines Auftritts nachmachen soll und das habe ich dann auch gemacht.

Und seitdem sind Sie mit dabei?

Bounouar: Nicht ganz. Es war damals so, dass sie auf ihre Tour immer Newcomer mitgenommen haben, sogenannte Rookies. Im Mai 2012 waren drei Rookies mit auf Tour, aber nach der ersten Show ist einer von ihnen ausgefallen und dann haben sie gefragt, ob ich Lust hätte, mit auf Tour zu gehen.

Hatten Sie denn vorher schon in diesem Bereich Erfahrung?

Bounouar: Nein, gar nicht. Ich wollte das unbedingt machen, aber ich habe ihnen gesagt, dass ich vorher noch nie Comedy gemacht habe. Fünf Tage später hatte ich dann meinen ersten Auftritt in Frankfurt. Ich sollte eigentlich nur fünf Minuten auf der Bühne stehen, aber daraus wurden dann zwölf.

Ich habe nur Geschichten von Jungs aus Eschweiler erzählt und das kam beim Publikum sehr gut an. Danach war ich dann drin. Dann kam einer von den Gründern der Rebell-Comedy zu mir und meinte, dass ich jetzt kein Rookie mehr wäre, sondern ein Rebell.

Und wie ging es dann weiter?

Bounouar: Die zwei Touren danach war ich als Stand-up-Comedian dabei und bin von einem Moderator angesagt worden und seit Sommer 2013 bin ich selbst Moderator.

Wie haben Sie sich auf Ihren ersten Auftritt vorbereitet?

Bounouar: Mein erster Auftritt war in Frankfurt. Da bin ich zusammen mit einem Freund nach Frankfurt hin gefahren. Wir sind durch die Stadt gelaufen und ich habe ihm erzählt, worüber ich auf der Bühne reden will. Dann haben wir gemeinsam meine Rede strukturiert. Da ich zu dieser Zeit auch oft gesungen habe, wollte ich den Gesang auch in meinen Auftritt integrieren.

Vor dem Auftritt war ich wirklich sehr nervös. Das ist heute nicht mehr so schlimm. Da bin ich nur ein bisschen nervös und albere noch 30 Sekunden, bevor ich auf die Bühne gehe, mit anderen Leuten rum. Viele können das ja nicht.

Mittlerweile sind Sie und Ihre Kollegen in ganz Deutschland unterwegs.

Bounouar: Ja, das stimmt. Wir gehen zwei Mal im Jahr auf Tour, im Sommer und im Winter. Bei anderen Comedians ist das nicht so. Die sind zwei Jahre mit demselben Programm unterwegs. Aber wir ändern unser Programm zwei Mal im Jahr und das ist wirklich ganz schön viel Arbeit. Man muss viel schreiben und auch viel proben.

Wie läuft das Leben auf einer Tour?

Bounouar: Die Tour selbst dauert ein bis eineinhalb Monate. Man ist alle paar Tage in einer anderen Stadt. In dieser Woche waren wir zum Beispiel in Berlin unterwegs. Wir sind zusammen auf Tour, aber jeder Einzelne ist auch in anderen Shows zu sehen. In der letzten Woche war jemand bei TV Total. Wir sind bei „Nightwash“ und bei der „1 Live Hörsaal Comedy“ mit dabei. Zwischen zwei und drei Auftritten pro Woche habe ich schon.

Wie bekommen Sie das mit Ihrem Studium unter einen Hut?

Bounouar: Ich bin froh, dass ich in der Uni keine Anwesenheitspflicht habe, sonst ginge das gar nicht. Sobald ich weiß, wann ich Klausuren schreibe, blocke ich mir die Wochen davor, damit ich in Ruhe lernen kann. Auch auf Tour lerne ich oft im Bus oder in der Bahn. Ich finde da kann man am besten lernen. Aber die Jungs von Rebell-Comedy sind in diesem Punkt auch wirklich sehr streng.

Was bedeutet das?

Bounouar: Alle, die bei uns mitmachen, sind Akademiker, und deshalb legen sie viel Wert darauf, dass man einen guten Abschluss macht.

Und was haben Sie nach Ihrem Studium vor?

Bounouar: Mein Wunsch ist es zu lehren. Ich wollte schon immer unterrichten. Seit einigen Jahren arbeite ich neben dem Studium auch im sozialen Bereich und betreue Workshops, Fahrten und Sommerspiele zusammen mit dem Jugendamt der Stadt Würselen, der Städteregion und dem Bistum. Viele Pädagogen haben keinen Draht zu den Jugendlichen. Bei mir ist das irgendwie anders. Ich kann mit den Kindern und Jugendlichen ganz gut umgehen.

Kommen wir wieder zurück zur Comedy. Wie sieht es denn mit Vorbildern aus?

Bounouar: Ich habe reichlich Vorbilder. Dazu gehören Dave Chappelle und Chris Rock. Die sind aus der Stand-up-Comedy-Szene. Aus der deutschen Comedy-Szene finde ich Otto Waalkes und Michael Bully Herbig klasse. Am meisten gelernt habe ich aber von den Jungs von der Rebell-Comedy.

Wie unterscheidet sich die Rebell-Comedy von anderen Comedians?

Bounouar: Viele Comedians machen die so genannte Ethno-Comedy. Das bedeutet, dass sie sich in ihren Shows über ethnische Minderheiten lustig machen. Bei uns ist das anders. Da kommt jeder auf seine Kosten.

Was heißt das?

Bounouar: Egal, ob Deutsche, Marokkaner oder Türken im Publikum sitzen. Während der Show kann sich jeder zum anderen umdrehen und über ihn lachen. Wir machen nicht nur Ethno-Comedy, sondern reden über das, was in der Welt vorgeht.

Ich rede zum Beispiel über Sachen, die man als deutscher mit Migrationshintergrund erlebt. Warum sollte ich darüber reden, wie das Leben eines Ausländers in Deutschland ist? Ich bin kein Ausländer, sondern Deutscher. Ich rede über banale Sachen, die jedem passieren können.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Bounouar: Man kann darüber reden, was passiert, wenn man mit dem Zug unterwegs ist und wie sehr einen seine Sitznachbarn nerven (lacht). Es gibt aber noch weitere Dinge, die uns von anderen Comedians unterscheiden.

Und die wären?

Bounouar: Viele stellen auf der Bühne Personen da, die sie im wirklichen Leben nicht sind. Sie kommen maskiert auf die Bühne. Die Stand-up-Comedy umfasst aber, dass du dem Publikum erzählst, wer du bist und was dir passiert ist. Bei diesen alltäglichen Sachen geht es gar nicht so sehr um den Inhalt, sondern darum, dass das Publikum sagt: „Das kenn´ ich.“

Bei uns ist der Identifikationsfaktor sehr hoch. Aus diesem Grund haben wir auch ein sehr junges Publikum, und dafür bewundern uns auch viele erfahrene Kollegen. Sie finden es toll, dass wir junge Menschen und Ausländer ins Theater bringen.

Woher kommen die Ideen für Ihre Auftritte?

Bounouar: Wenn ich etwas sehe und denke, dass ich daraus etwas Gutes machen kann, dann schreibe ich mir das auf. Ich habe auf meinem Handy eine sehr lange Notiz. Irgendwann gehe ich meine Notizen dann durch und arbeite die Geschichten aus. Manchmal gibt es auch Dinge, an denen man gar nicht mehr weiter arbeiten muss, weil sie schon so gut sind.

Da reicht es, wenn man sie einfach überspitzt erzählt. Am Ende sieht es dann so aus, dass man da sitzt und schreibt. Dann kümmert man sich um den Aufbau und schreibt sich dahinter, welche Mimik dazu passt. Wenn man sich den Text dann am Ende durchliest, dann ist es oft so, dass man nicht darüber lachen kann. Das kommt erst, wenn man auf der Bühne steht.

Texte schreiben andere Comedians doch auch selbst.

Bounouar: Eben nicht. Mittlerweile haben viele Comedians Autoren, die ihnen ihre Texte schreiben. Bei uns ist das aber nicht so, wir schreiben alles selbst. Ich sage immer: „Die besten Geschichten schreibt das Leben.“ Und wenn ich nicht über meine eigenen Sachen lachen kann, wer soll dann darüber lachen können? Das Wichtigste ist, dass man authentisch ist.

Dann ist man auch automatisch erfolgreich?

Bounouar: Das ist nicht einfach zu beantworten. Man muss nämlich auch die richtigen Auftritte haben.

Und das bedeutet?

Bounouar: Einen ganz wichtigen und besonderen Auftritt hatte ich bei „Nightwash“. Das ist sozusagen ein Sprungbrett und ein Auftritt dort öffnet einem viele Türen. Wenn man dort nicht aufgetreten ist, dann kommt man zum Beispiel auch nicht zu „TV Total“.

Würden Sie dort gerne auftreten?

Bounouar: Da würde ich schon gerne mal hin. Aber das absolut Größte wäre eine eigene Serie. In der nächsten Woche drehen wir eine eigene Show für den WDR. Aber in einer eigenen Serie könnte man die Dinge, die man auf der Bühne erzählt, passieren lassen. Aber heute ist es ja so, dass die meisten Comedians am Ende im Kabarett oder im Karneval landen.

Wie sieht es mit Fans aus? Werden Sie auf der Straße oft erkannt?

Bounouar: Das ist in Städten wie Frankfurt, Köln oder Düsseldorf so. Da kommen die Leute oft und fragen, ob sie ein Foto mit dir machen können. Das finde ich auch ganz cool. In Aachen ist das anders.

Was empfinden Sie als anders?

Bounouar: Die meisten Leute dort kenne ich von Kindheit an und für sie ist das nichts Besonderes mehr. In Eschweiler ist es wieder anders. Hier sind die Leute stolz auf dich und sehr warmherzig.

Welche Auftritte sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Bounouar: Es gab kleine Auftritte, die wirklich der Hammer waren. Aber mein schönster Auftritt war bei unserer letzten Tour. Da hatten wir den letzten Auftritt auf der Burg Wilhelmstein. Dort fand auch unsere DVD-Aufzeichnung statt.

Das war toll, weil meine Mutter und meine Geschwister im Publikum waren und es am Ende sogar Standing Ovations gab. Das war für uns alle wirklich sehr bewegend. Das größte Publikum war auf einem Festival in Bottrop. Da bin ich vor 7000 Leuten aufgetreten.

Sie sind aber nicht nur Comedian.

Bounouar: Das ist richtig. Ich bin auch Dichter und Autor.

Wie kam es dazu?

Bounouar: Das kam hauptsächlich durch meinen ältesten Bruder. Der hat früher im Theater gearbeitet und später Regie studiert. In der vergangenen Woche hatte ich einen Auftritt bei dem ich Gedichte performt habe.

Und wie kann man Gedichte und Comedy unter einen Hut bringen?

Bounouar: Comedy und Poetry sind zwei vollkommen unterschiedliche Sachen. Comedy ist eben Comedy. Und meine Gedichte sind eher tiefgründig und sentimental. Ich schreibe auch Kurzgeschichten und arbeite auch an Kinderbüchern. Das ist etwas, das ich später noch in Angriff nehmen möchte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert