Kevelaer-Wallfahrt: Seit 281 Jahren beten hier Christen mit den Füßen

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Auch in diesem Jahr werden wieder zahlreiche Eschweiler Pilger an der Fußwallfahrt nach Kevelaer teilnehmen. Foto: Georg Grünheidt
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Auch die Jugend pilgert mit. 26 Kinder und Jugendliche gehen in diesem Jahr wieder den Weg nach Kevelaer mit. Foto: Georg Grünheidt

Eschweiler. In einigen Wochen, genauer am zweiten August, ist es wieder soweit: Dann heißt es für viele Pilgerinnen und Pilger: Wanderschuhe einlaufen, Tagesgepäck organisieren und überlegen, was alles sonst noch mitgenommen werden muss, denn die Eschweiler Pilger machen sich wieder auf ihren Weg nach Kevelaer.

In diesem Jahr sind es 125 Pilgerinnen und Pilger, davon 26 Kinder und elf Neupilger, geistlicher Begleiter ist Kaplan Andreas Züll.

Die Kevelaer-Wallfahrt, welche es bereits seit 281 Jahren gibt, steht in diesem Jahr unter dem Thema „Den Aufbruch wagen“. „Gerade in der heutigen Zeit, wo in Eschweiler zwei Kirchen aufgegeben werden müssen, sieht die Bruderschaft den Gedanken des Aufbruchs als sehr wichtig und richtig an“, erklärt Franz-Josef Dittrich, Präfekt der Kevelaer-Bruderschaft. „Dabei ist im Vorfeld festzustellen, dass ein Wallfahrtsthema für alle eine Herausforderung sein kann. Man muss sich damit auseinander setzen; man versucht eigene Gedanken zu entwickeln; man überlegt, welche Worte zu den Pilgerinnen und Pilgern passen.“ Für jede Tagesetappe sei ein Gebetszettel entworfen worden, der Anregungen geben, aber auch nachdenkliche Impulse vermitteln soll.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Wenn sich am 2. August nach dem Pilgergottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter und Paul die Fußpilger aufmachen, um 103 Kilometer hin und 106 Kilometer zurück zu bestreiten, sind viele Arbeiten bereits erledigt. Um die Prozessionsordnung kümmert sich der Brudermeister, für einen reibungslosen Ablauf sorgt der eigene Verkehrsdienst, die manchmal leidenden Füße werden von einen Sani-Dienst gepflegt, und der Schrittmacher an der Spitze der Prozession, gibt das „Geh-Tempo“ an. Der Quartiermeister sorgt dafür, dass jeder eine Schlafstätte findet, und auch die behütete Betreuung der Kinder und Jugendlichen gehört zum festen Bestandteil dieser Woche.

Wie gewöhnlich beginnt die Reise an der Pfarrkirche St. Peter und Paul und führt die Fußpilger am ersten Tag mit 34 km über Aldenhoven, Floßdorf, Baal, Doveren nach Houverath. Seit 41 Jahren ununterbrochen, wird in der Pfarrgemeinde St. Laurentius Station gemacht. Dort haben sich über die Wallfahrt hinaus feste Freundschaften entwickelt, weiß Franz-Josef Dittrich. Der zweite Tag führt die Eschweiler Kevelaer-Bruderschaft über Wegberg, Dilkrath, Lobberich nach Hinsbeck. Auf dieser Strecke sind 36 km „abzuzpilgern“. Am Dienstag, dem 3. Tage also, geht es sehr früh durch die Hinsbecker Heide, Straelen, Wallbeck, Lüllingen nach Kevelaer (32 km), wo um 15 Uhr die Pilgerinnen und Pilger glücklich in die Kerzenkapelle einziehen, um dort ihre Kevelaer Kerze zu segnen und anzuzünden.

Der Aufenthalt am Gnadenort Kevelaer ist geprägt von der Pilgermesse am Dienstagabend, in der den Neupilgern das Kevelaer Kreuz verliehen wird. Daran schließt sich der Kevelaer Abend der Eschweiler Gruppe an, denn auch Frohsinn und Gemütlichkeit gehören zu einer Fußwallfahrt. Mit großer Freude wird in jedem Jahr der Mittwoch im niederrheinischen Wallfahrtsort begangen: wenn die Buspilger und Familienangehörigen dazu stoßen, um gemeinsam einen feierlichen Pilgergottesdienst in der Pfarrkirche St. Antonius zu feiern. Die Prozession zur Gnadenkapelle und der Kreuzweg am Nachmittag runden diesen Tag ab; für viele Menschen aus der Stadt Eschweiler ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Der Heimweg geht von selbst.

Am Donnerstagmorgen feiern die Bruderschaften aus Eilendorf und Eschweiler in der Basilika eine gemeinsame Messe, und nach dem Frühstück heißt es dann Abschied nehmen vom Gnadenort, von Maria, der Trösterin der Betrübten. „Erfahrene Pilger wissen, dass der Rückweg, getragen von dem Erlebnis Kevelaer, einfacher geht, was jedoch nicht heißen soll, dass der Weg von Kevelaer nach Hause ohne körperliche Anstrengungen verläuft“, so Dittrich.

Viele Dinge würden der Pilgergruppe in dieser Wallfahrtswoche durch den Kopf gehen: Schaffen wir es alle? Kommen wir gesund wieder heim? Geht es den Familien zu Hause gut? Spielt das Wetter mit? „Man betet mit den Füßen“, versucht der Brudermeister in Worte zu fassen „man zeigt sich draußen, man lernt Menschen kennen – das ist die Fußwallfahrt nach Kevelaer.“

Wie in den vergangenen Jahren, so hoffen die Verantwortlichen, wird die Kevelaer Bruderschaft am Samstag gegen 15.30 Uhr wieder in Eschweiler sein, um nach dem feierlichen Einzug in die Pfarrkirche St. Peter Paul für eine gute Pilgerwoche zu danken.

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