Keine Angehörigen: Immer mehr Bestattungen für das Ordnungsamt

Von: Tobias Röber
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Die Zahlen steigen: Wolfgang C
Die Zahlen steigen: Wolfgang Cohnen und seine Kollegen müssen bei immer mehr Beerdigungen eingreifen. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Anrufe wie diese tätigt Wolfgang Cohnen alles andere als gerne. Mal ruft die Polizei an, mal die Feuerwehr, dann ist es wieder ein Altenheim oder auch das Krankenhaus, die informieren. Wolfgang Cohnen ist beim Ordnungsamt unter anderem für die Bestattung von Verstorbenen ohne Angehörige zuständig.

Die Zahl der Fälle, die das Ordnungsamt übernehmen muss, steigt stetig. Im Jahr 2000 waren es noch neun Fälle, bis zum jetzigen Zeitpunkt sind es im laufenden Jahr bereits 26. In Paragraf 8 des Gesetzes über das Friedhofs- und Bestattungswesen ist zwar grundsätzlich geregelt, dass zunächst die Angehörigen eines Verstorbenen zur Bestattung verpflichtet sind.

Das sind Ehegatten, Lebenspartner, volljährige Kinder, Eltern und volljährige Geschwister, Großeltern und volljährige Enkelkinder. Allerdings sind die nicht immer sofort greifbar oder es ist schlicht und ergreifend niemand da, der die Beerdigung übernehmen kann. Und dann muss das Ordnungsamt zur Stelle sein.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Oft genug müssen sich Cohnen und die Kollegen ganz anderen Probleme stellen. So mancher Angehöriger will mit dem Verstorbenen und mit der Bestattung nichts zu tun haben. Nicht selten folgen Lebensgeschichten. Der eine will nicht, weil er Hartz IV bezieht und die Kosten scheut oder nicht tragen kann, die andere wehrt sich, weil sie vom Verstorbenen sexuell missbraucht worden sei.

Auch das sind alles andere als einfache Telefonate für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Aktuell gibt es einen Fall, bei dem zehn Geschwister beteiligt sind. Ein anderer zieht sich schon über mehrere Jahre.

Kommt eine Meldung von Polizei und Co., klemmen sich Wolfgang Cohnen und seine Kollegen hinters Telefon und recherchieren. Innerhalb von acht Tagen sollte alles geklärt sein. Diese Frist lasse sich jedoch nicht immer einhalten, sagt Wolfgang Cohnen. Telefonate oder gar Schriftverkehr etwa nach Übersee dauert eben mitunter.

Will ein eigentlich Bestattungspflichtiger die Kosten nicht tragen, muss auch schon mal geklagt werden. Auf rund einem Drittel der Kosten bleibt die Stadt am Ende jedoch sitzen. Vor allem Härtefälle, wenn es etwa um sexuellen Missbrauch geht, sind alles andere als leicht zu entscheiden. „Das sind natürlich unangenehme Geschichten. Wir wissen nicht, was dahinter steckt”, sagt Wolfgang Cohnen.

Die am häufigsten gewählte Form ist die anonyme Urnenbeisetzung, die rund 2800 Euro kostet. Für eine anonyme Erdbestattung sind ungefähr 3500 Euro fällig.

Auffällig ist, dass die Zahl der Bestattungen seit dem Jahr 2003 rapide gestiegen ist. Ende 2003 stellten die Krankenkassen die Zahlungen des Sterbegeldes ein. Ansonsten ist die Suche nach Ursachen, warum die Ordnungsbeamten vermehrt eingreifen müssen, recht schwierig.

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes wickeln die Beerdigung ab, mit zum Friedhof gehen sie nicht. Das erledigen die Bestatter. Die Stadt beauftragt mal den einen Bestatter, dann mal einen anderen. Hans-Peter Bücken-Brendt vom gleichnamigen Unternehmen kennt diese Aufträge. Und er schiebt einen Satz gleich vorneweg: „Grundsätzlich wird jede Bestattung würdevoll durchgeführt.”

In den meisten Fällen sind bei diesen Bestattungen nur wenige Gäste dabei. Manchmal kommen Freunde aus dem Altenheim mit. Manchmal auch nur die Bestatter selbst. Zur würdevollen Beisetzung gehört etwa, dass es immer eine Trauerrede gibt. „Niemand hat es verdient, verscharrt zu werden”, sagt Bücken-Brendt. Das Budget sei ausreichend, um eine würdevolle Bestattung zu gewährleisten.

Seit 50 Jahren ist Hans-Peter Bücken-Brendt in diesem Beruf tätig. Da kann er sich ein Urteil durchaus erlauben. Die Bestattungskultur habe sich „extrem geändert”. Die Fürsorge der Familie habe sich verändert, es gebe viele vereinsamte Menschen, die keinen Kontakt zur Familie haben.

„Man macht sich schon seine Gedanken”, sagt der Bestatter und meint die Schicksale, die hinter den Menschen stecken. Viele Bürger haben laut Bücken-Brendt schon zeitig für die Beerdigung und vor allem die Art und Weise vorgesorgt. Daher steige auch die Zahl der Urnenbestattungen. Hinsichtlich der Grabpflege sei das die vernünftigste Lösung, sagt der Bestatter.

„Man darf nicht nur an die Beisetzung denken, sondern auch an die Zeit danach”, sagt Bücken-Brendt. Sprich, etwa wie intensiv die Pflege eines Grabes ist. All das sind Probleme, mit denen sich das Ordnungsamt künftig noch mehr auseinandersetzen muss.
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