Eschweiler - Kein leichter Job, ein Jungpolitiker zu sein

Kein leichter Job, ein Jungpolitiker zu sein

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Den Vorwurf weitgehender politischer Untätigkeit wollen sie nicht auf sich sitzen lassen.

Auch wenn die Öffentlichkeit nur wenig von ihnen sieht und hört, wie vor einiger Zeit in einem Kommentar in dieser Zeitung kritish gegenüber Junger Union und Jungsozialisten angemerkt wurde. „Wir tun schon eine Menge. Aber wir tragen nicht alles gleich an die Öffentlichkeit”, sagt Thomas Schlenter, Vorsitzender der Jungen Union (JU). Auf ihm hat in den vergangenen drei-vier Jahren besondere Verantwortung gelegen: Er baute die mit 60 Karteileichen nur noch auf dem Papier existierende JU wieder auf. Heute hat sie rund 100 Mitglieder.

Ebenfalls rund 100 Mitglieder stark ist die Nachwuchsorganisation der SPD in Eschweiler, an deren Spitze Ugur Uzungelis steht, früher Schülersprecher am Berufskolleg. An Politik habe er immer schon Interesse gehabt, aber erst im Politikunterricht am Berufskolleg erfahren, dass es Jugendorganisationen der Parteien gibt. „Ich habe mir die Parteiprogramme angesehen und habe mich dann für die Jusos entschieden”, sagt er. „Man hört immer wieder Beschwerden über die Politik”, ergänzt Thomas Schlenter. „Auch ich selber habe mich über verschiedenes geärgert und mich dann entschlossen, selbst etwas zu tun. Und da man ja immer auch von Zuhause geprägt ist, kam für mich nur die CDU in Frage.”

Dennoch: Die Zeiten, in denen Jusos und JU sich offen und vehement bekämpften, die sind längst vorbei. Heute setzen die Jugendorganisationen trotz vieler unterschiedlicher Standpunkte auf Gemeinsamkeit. „Wir haben uns im vergangenen Jahr intensiv mit den Wünschen und Ideen zur Umgestaltung der nördlichen Innenstadt befasst und die gemeinsam erarbeiteten Vorstellungen unseren Fraktion vorgetragen. Wir glauben, dass unsere Meinung so noch mehr Gewicht hat”, sagt Uzungelis. Damals war auch noch die Jugendorganisation der FDP mit an Bord - „doch von der haben wir nichts mehr gehört”, bedauert Schlenter.

Überhaupt: Einfach sei es nicht, mit und für Jugendliche Politik zu machen. Und das nicht nur wegen der kargen Freizeit, die Studenten heute bleibe. „Da können Sie nicht mal eben einen städtischen Haushaltsentwurf zwischen zwei Klausuren durcharbeiten und der Fraktion eigene Änderungsvorstellungen auflisten.” Sein Juso-Pendant geht noch weiter: „Wenn man als junger Mensch sagt: ,Ich interessiere mich für Politik, dann wird man von den meisten ausgelacht.” Versuche, Podiumsdiskussionen mit kompetenten Teilnehmern zu interessanten Themen für junge Leute anzubieten, seien kläglich gescheitert: „Da kommen, wenn man Glück hat, gerade mal 20 Leute.” Schlenter bestätigt das. „Wir tun schon, was wir können.

Wir stellen sachkundige Bürger, wir nehmen so oft es geht an Fraktionssitzungen teil, wir sind bei der Etat-Klausurtagung dabei und bilden uns im Vorstand unsere Meinung zu einer Menge Themen. Aber all das geschieht ehrenamtlich und ist mit der Lebensplanung gerade junger Leute, die nicht um 17 Uhr Feierabend haben und sich auch abends immer wieder auf Prüfungen vorbereiten müssen, nicht immer zu vereinbaren.”

Das Desinteresse vieler Jugendlicher trifft nicht nur Jusos und JU. Ugur Uzungelis erinnert sich an seine Zeit als S chülersprecher am Berufskolleg: „Da haben wir richtig spannende Diskussionsveranstaltungen zu politischen Themen angeboten - und dann saßen da 150 Leute, die nichts taten, als sehnlichst auf den Pausengong zu warten.”

Gemeinsam gegen Braune

Unterschiede gibts natürlich doch noch zwischen den beiden Jugendorganisationen. In der Bildungspolitik zum Beispiel. Während die Jusos auf eine schnellere als von der Landesregierung avisierte Streichung der Studiengebühren drängten (Uzungelis: „Bildung darf nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängen!”), hält die JU die Abschaffung der Gebühren für den falschen Weg. „Mag sein, dass jetzt mehr Jugendliche ein Studium beginnen, aber durch den Verzicht auf die Studiengebühren leidet die Qualität der Lehre.

Regelungen über Stipendien und BaföG wären da weit besser gewesen!” Und während Schlenter sich wiederum zufrieden zeigt, dass mit der Einführung der Sekundarschule der lange „Bildungskrieg” im Land endlich passé ist, hält Uzungelis den „Schulkonsens” nicht für einen solchen, sondern allenfalls für einen „Kompromiss, der von drei-vier Leuten auf jeder Seite in irgendeinem Hinterzimmer bei einer Flasche Rotwein ausgekungelt worden” sei. „Wir sind damit nicht einverstanden, das haben wir auch der Landtagsfraktion mitgeteilt.”

Man pflegt seine Kontakte. Und die enden nicht an der Stadtgrenze. Für JU wie Jusos gilt: Die indestädtischen Jungpolitiker investieren auch eine Menge Zeit u nd Arbeit auf Städteregions- und höheren Ebenen. So kommt rund der halbe Unterbezirksvorstand der Jusos aus Eschweiler und unterstützt personell schwache Ortsverbände.

Ob Wohnraumplanung für Studenten, die in der Schwemme des Doppel-Abijahrgangs 2013 in der Unistadt Aachen keine Bleibe fänden, ob Vorstellungen junger Leute zur Zukunft von Markt und Altstadt („eine noch lebendigere Gastronomie- und Konzertszene”), ob Konzepte, Schülern den Start ins Berufsleben zu vereinfachen - Thomas Schlenter hat Recht, wenn er sagt, dass die JU eine Menge tue, ohne alles gleich an die Öffentlichkeit zu tragen. Ähnliches gilt für die Jungsozialisten.

Beiden gemeinsam ist auch das Engagement gegen Rechtsextreme: Bei den Demos im nahen, immer wieder von der Braunen Brut heimgesuchten Stolberg stehen JU und Jusos Seite an Seite. Ohne jedoch die Unterschiede aus den Augen zu verlieren. Während Schlenter über dem kampf gegen Rechts das Engagement gegen Linksex-treme zu kurz kommt, wehrt sich Uzungelis gegen falsches Schubladendenken: „Barrikaden gegen Rechte zu bauen, ist das etwa schon Linksextremismus?”

Während die JU ihren Schwerpunkt in diesem Jahr darauf legt, junge Leute rechtzeitig für Fragen der Alterssicherung zu sensibilisieren und darüber unter anderem mit Senioren und dem Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt diskutieren will, laden die Jusos auch die JU schon jetzt ein zu einer Infoveranstaltung Ende März mit dem Journalisten Michael Klarmann. Thema: Rechtsextremismus in der Region.
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