Kein Glamour, nur perfekte Gitarrenmusik

Letzte Aktualisierung:
stotzem2_
Ein Meister der akustischen Gitarre: Jacques Stotzem und im zweiten Teil des Konzerts auch die Sängerin Geraldine Jonet faszinierten und begeisterten die Konzertbesucher in Eschweiler.

Eschweiler. In der Pause des Konzerts, auf den Stufen vor dem Talbahnhof, mussten manche Besuche erst einmal ihr Staunen los werden. „Unglaublich, einfach unglaublich!” „Qualität braucht keinen Glamour!” „Der Mann hat was drauf!” „Und so einer kommt einfach zu unserem Herbstfest und spielt da kostenlos, das ist wirklich unfassbar!”

Das Staunen galt dem belgischen Gitarristen Jacques Stotzem, der am Samstag, nicht zum ersten Mal, in Eschweiler spielte, vor vollem Saal. Der Wirt hätte am liebsten noch ein paar Stühle mehr reingestellt.

Nein, Glamour hat Jacques Stotzem tatsächlich nicht zu bieten. Er hüpft nicht über die Bühne, er braucht keine Bühnenshow, kein Streichorchester im Hintergrund und kein Feuerwerk - und „ihr braucht keine Angst zu haben, ich werde auch nicht singen”.

Er braucht nur seine akustische Gitarre, nichts sonst, aber nach den ersten Tönen dieses Konzerts in der Reihe „Saitensprünge” sind alle Zuhörer im Saal hin und weg. Für das Singen, im zweiten Teil des Konzerts, hatte Stotzem dann Geraldine Jonet mitgebracht.

Rockmusik, Blues und Folk, interpretiert auf der akustischen Gitarre - darin hat es Stotzem zur Meisterschaft gebracht. Auch viele eigene Kompositionen sind in seinem Repertoire, wie „Sur Vesdre”, eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Verviers. Die hat ihn unlängst zum Ehrenbürger ernannt. Sein Wissen und Können gibt er gern weiter, in Workshops lernen junge Gitarristen seinen rasend schnellen Fingersatz.

Enger Kontakt zu Fans

Auch Tabulaturen, also Griffschriften seiner Stücke schickt er schon mal Interessenten zu. Nur den Wunsch eines Besuchers am Samstag im Talbahnhof konnte er nicht erfüllen. Für die Stotzem-Version von Jimi Hendrix´ „Fire” gibt es keine Tabulatur: „Zu kompliziert”.

Virtuosität allein kann den Zauber der Gitarrenmusik von Jacques Stotzem nicht erklären. Es ist auch nicht die Präzision, das scheinbar Mühelose. Eher schon, dass er - bei langsameren Stücken wie etwa der Komposition „Oasis” wird es sichtbar und hörbar - es schafft, den Klang jeder einzelnen Note zu gestalten, so als wolle er jeden Ton einzeln aussenden und jedem hinterher lauschen.

Stotzen erzählt gern über seine Stücke, wie sie entstanden sind, was sie ihm bedeuten. Wie gerne er mit Rory Gallagher gespielt hätte, aber es sollte nicht sein. Gallagher starb 1995, aber seine Musik lebt weiter. Auch Jacques Stotzem (und Geraldine Jonet) brachten am Samstag Stücke von ihm.

Nach einer hinreißenden Interpretation von dem U2-Stück „With or without you” erzählt Stotzem eine Anekdote über das koreanische Gitarren-Wunderkind Sungha Jung. Der Junge hat die Fähigkeit, ein Gitarrensolo nur einmal zu sehen und zu hören - schon kann er es nachspielen. Und so hat er auch im Internet auf Youtube, wo Stotzem mit vielen Videos vertreten ist, „With or without you” gesehen, spielt es nach und tritt damit in Korea sogar auf der Bühne auf.

Nur, so berichtet Stotzem lächelnd - „das von mir war ein Live-Stück”. Ganz am Anfang habe er sich einmal vergriffen. „Hier, an dieser Stelle”. Er spielt es dem Eschweiler Publikum vor. Und Sungha Jung spielt nun das Stück in Korea (und auch auf Youtube) perfekt nach. „Inklusive Fehler.”

Singen könne er nicht, versichert Jacques Stotzem seinem Publikum. Doch eigentlich gehören zu vielen seiner Interpretationen auch die Texte. „Ich möchte jetzt, dass ihr Geraldine Jonet herzlich begrüßt!” Das Duo Jonet/Stotzem ist neu.

Die junge Sängerin aus Lüttich interpretiert gemeinsam mit dem Star-Gitarristen Rockklassiker, etwa „Little Wing” von Hendrix, aber auch so romantische Melodien wie den irischen Folksong „Danny Boy”. Ihre mal voll und sonor, dann wieder brüchig klingende Stimme ergänzt die virtuose Gitarrenkunst des Belgiers.

Dass sie selber Gitarre spielt, ist unschwer zu sehen - bei den Soli von Stotzem spielt sie sozusagen per Luftgitarre alle Akkorde mit. Und gegen Ende des Programms teilen sich dann beide einmal das Instrument. Bei „Freight Train” greift Jonet die Saiten mit links, Stotzem zupft mit rechts, und das Publikum im Kulturzentrum ist begeistert.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert