Kein „Frohes Neues“ vor dem Kölner Hauptbahnhof

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Gute Miene zum bösen Spiel: Dieses Quartett mit drei Indestädtern (zweite von rechts unsere Mitarbeiterin Anna Fitscher) erlebte den Start ins neue Jahr vor dem Kölner Hauptbahnhof.

Eschweiler/Köln. Die Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof hat bei vielen Menschen Spuren hinterlassen. Unsere Mitarbeiterin Anna Fitscher war in der Nacht vor Ort und hat ihre Eindrücke geschildert: „Schon länger hatte ich mit einer Schulfreundin, die mit ihrem Freund in Köln wohnt, die Silvesternacht geplant.“

„Zu viert wollten wir zum Rheinufer, um bei einem grandiosen Feuerwerk das neue Jahr willkommen zu heißen. Anschließend sollte es dann auf die Ringe und in einen Club gehen. Unsere so gut geplante Silvesternacht sollte jedoch ganz anders verlaufen.“

Unmengen von Menschen

„Schon die Fahrt in der U-Bahn zum Kölner Hauptbahnhof verlief höchst unangenehm. Wir saßen in einem Vierersitz, hinter uns sieben oder acht junge Männer, die offensichtlich schon gut einen gebechert hatten. Wir zwei Mädels saßen mit dem Rücken zu ihnen. Unsere Freunde hatten direkten Blick auf die Gruppe. Provokationen blieben nicht lange aus.

Wir stiegen am Hauptbahnhof aus und gingen die Treppen hoch Richtung Bahnhofshalle. Hier tummelten sich Unmengen von Menschen, und es gab kein Vor und kein Zurück mehr. Die Polizei hatte die Türen zum Bahnhofsvorplatz verschlossen. Schon da beschlich mich ein mulmiges, beklemmendes Gefühl. Wir gingen also zurück, um uns einen anderen Weg zu suchen. Unseren Plan, zum Rheinufer zu gehen, verwarfen wir angesichts der Menschenmassen, die sich rund um den Dom angesammelt hatten, sehr schnell wieder.

Immer wieder flogen Feuerwerksraketen durch die Luft und Böller explodierten mit einem lauten Knall. Nicht nur wir Mädels fühlten uns unwohl, auch unsere Freunde wurden zunehmend hektisch und angespannt. Wir entschieden uns irgendwann, hinter dem Dom stehen zu bleiben, da kein Weiterkommen mehr möglich war. Den Neujahrsmoment zu genießen war nicht möglich.

Die Stimmung war nicht festlich oder fröhlich. Eher aggressiv und aufgeladen. Das laute Knallen der Feuerwerkskörper mischte sich immer wieder mit dem Brüllen und Schreien irgendwelcher betrunkenen Männer. Bei jedem Knall zuckte man zusammen, hatte Angst, da überall, teilweise mitten in der Menschenmenge, Raketen gezündet wurden.

Ein Mädchen stand plötzlich neben uns und weinte. Sie hatte einen Böller ins Gesicht bekommen. Ihr Freund, sichtlich hilflos, nahm sie in den Arm. Wir schickten die beiden zu einem Rettungswagen. Ein schnelles ,Frohes Neues‘ um kurz nach Mitternacht, dann machten wir uns zügig auf den Weg Richtung U-Bahn. Hier wollten wir keine weitere Minute verbringen.

Plötzlich kam uns eine Gruppe junger Männer entgegen, die sich prügelten. Sie schubsten einen Jungen, der ungebremst mit dem Gesicht auf dem Boden der Domplatte landete und liegen blieb. Zwei aus der Gruppe traten und schlugen weiter auf ihn ein.

Ich war fassungslos. Dass so etwas passierte, gerade vor meinen Augen, das konnte ich kaum begreifen. Gott sei Dank reagierten die Umstehenden schnell und halfen dem Jungen auf. Seine Peiniger waren verschwunden. Die Frage, die sich stellte: Wo war die Polizei? Auf der gesamten Domplatte war kein einziger Polizist zu sehen. Und das in der Silvesternacht. In einer Stadt wie Köln, in der man schon belangt wird, wenn man eine Zigarettenkippe auf den Boden vor dem Dom wirft.“

Ein lauter Knall

„Plötzlich ein lauter Knall. Ein junger Mann hatte einen Böller gezündet und ihn in ein Glas gesteckt. Die herumfliegenden Glassplitter landeten nur knapp vor unseren Füßen. Nicht auszudenken was passiert wäre, hätte jemand einen dieser Glassplitter ins Auge bekommen.

Am Bahnhofsplatz angekommen wurde uns klar, warum kein Polizist auf der Domplatte anzutreffen war: Das gesamte Aufgebot an Einsatzkräften war offenbar damit beschäftigt, den Bahnhofsplatz abzusperren. Die Polizisten standen dort Schulter an Schulter und ließen niemanden vorbei. Wir wollten nur noch weg von diesen aggressiven Menschenmassen.

Dann bot sich mir ein weiteres Bild, das ich so schnell nicht vergessen werde: Eine Frau stand am Straßenrand und hielt eine Gaspistole in ihren Händen und schoss damit in die Luft. Immer und immer wieder. Wie besessen.

Nach Köln fahre ich an Silvester ganz bestimmt nicht mehr.“

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