Katzen-Züchterin: Punkte wichtiger als Pokale

Von: Elisa Zander
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Katzenmutti mit Leib und Seele: Für das Wohlergehen ihrer kleinen und größeren Schützlinge tut Erika Joußen alles, was möglich ist. Foto: Elisa Zander
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Gruppenkuscheln vor dem Kamin: Um die Mittagszeit machen es sich die Jungtiere gemütlich und halten ein Schläfchen.

Eschweiler. Im Haus der Familie Joußen treffen sich derzeit die Größen des Filmbusiness: Obelix sitzt neben (Meister) Yoda und vor dem Kamin liegt Jack (Sparrow). Und sie schnurren und miauen. Spielen mit Wollresten, springen auf Hocker und rollen sich vor dem Kamin zusammen. „Wir haben sie anfangs nach dem Alphabet benannt“, sagt Erika Joußen. „Aber das war uns irgendwann zu langweilig.“

Also entschied sich die Familie jeden neuen Katzenwurf unter ein Thema zu stellen.

Seit zwölf Jahren werden sie bei der Familie gezüchtet: Maine-Coon-Katzen. „Die Hautschuppen unterscheiden sich von anderen Katzen“, erklärt Erika Joußen. Darum seien die Tiere auch für Allergiker geeignet. So wie für Tochter Michelle. Über die sind sie überhaupt erst zu den Katzen gekommen. Anfangs waren sie Liebhaber, dann kam die Idee zu züchten.

Und damit einher ging quasi auch der Wunsch, an Katzenausstellungen teilzunehmen. „Zu Beginn geht man auf ganz viele Schauen“, erzählt Joußen. „Da ist der Reiz groß.“ Sie habe wissen wollen, ob sie das richtige Tier hat, es den Anforderungen entspricht, fuhr zu Ausstellungen in Amsterdam und Antwerpen. Dem Richter wird das Tier vorgeführt, der guckt sich Farbe, Fellpflege, Ohrenstand, Schwanz und Nase an. Wenn es gut läuft, bekommt man einen Punkt. Insgesamt drei Punkte braucht man, um einen Titel zu gewinnen und in die nächste Klasse eingestuft zu werden.

Bis zum World-Champion, der höchsten Auszeichnung, haben die Joußens es einmal mit einer Katze geschafft. Aber wirklich viel Wert war es dann für die Züchter auch nicht. „Es ist schön, wenn man das geschafft hat, aber ich will, dass es den Tieren gut geht“, sagt Erika Joußen. Allerdings gibt sie zu, dass die Urteile vom Richter „gut für das Ego“ seien. „Das bestätigt einen, das richtige Tier gekauft oder behalten zu haben.“

Treffen mit Freunden

Mit der Zeit habe die Begeisterung für die Teilnahme an Ausstellungen auch sehr abgenommen, erzählt sie. Zwar geht sie manchmal noch hin, so wie am Wochenende, wenn der Rassekatzenverein in NRW in der Festhalle Kinzweiler die internationale Rassekatzenausstellung ausrichtet. „Für mich ist die Schau ein Zusammenkommen mit Freunden. Aber für viele ist es Rivalität.“ Am Samstag wird es eine Sondershow mit Katzenwelpen geben. Da wird die Familie auch mit sechs Kleintieren dabei sein. Sonntags nehmen sie bei den normalen Richterwertungen mit zwei Katzen teil. In dem Zusammenhang erinnert sie sich an einen Züchter, der seinem Kater Medikamente verabreicht hatte, um ihn ruhig zu stellen. „Es gibt Züchter, die sind so bekloppt.“ Er wurde disqualifiziert. Für Erika Joußen wäre das keine Option. „Wenn eine unserer Katzen nicht mit zur Ausstellung will, darf sie Zuhause bleiben. Ich nehme nur die Tiere mit, die es sich gefallen lassen.“

Acht Katzen, vier Kater und 16 Jungtiere, zwischen einer und zehn Wochen alt, leben derzeit bei der Familie. In zwei Wochen wird Erika Joußen einige davon verkaufen. „Das ist schwer, denn man gibt ein Familienmitglied weg“, sagt sie. „Aber ich kann sie nicht alle behalten.“ Ob und wie viele sie behält, entscheidet sie bei der Geburt, nach dem Bauchgefühl. Bei jedem Wurf ist sie dabei, schläft bereits an den Tagen vorher auf der Couch, um das Ereignis nicht zu verpassen. „Das ist jedes Mal ein Wunder.“

Züchten – das tut Erika Joußen nicht wegen des Geldes, wie sie sagt. Für ein Katzenjunges berechnet sie 500 Euro, andere Züchter verlangen bis zu 850 Euro. „Ich gucke nur, dass es sich einigermaßen von selbst trägt. Und wenn nicht, dann haben wir eben Pech gehabt. Aber das Jahr war trotzdem schön.“

Warum sie gerade Katzen als Haustier ausgewählt hat? „Die machen wenig Arbeit. Und sie sind beruhigend.“ Wenn ihr Blick auf die herum tollenden Kitten fällt, die sich gegenseitig die Wollfäden unter den Pfoten wegziehen, gerät sie ins schwärmen. „Wenn die schnurren und spielen ist das besser als Kino.“ Dann wird sie ernst. Ihr Mann, erzählt sie, ist schwer krank, ist dement. „Da sind die Tiere wie eine Therapie, die beruhigend auf ihn einwirken. Wenn es ihm schlecht geht, merken die Katzen das und gehen zu ihm Das ist für ihn ein Ausgleich.“

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