Kartracing: Der letzte Tropfen Sprit bringt die Entscheidung

Von: esc
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Am Lenkrad drehen reicht nicht aus: Nicolas Poick und sein Team müssen eine Menge investieren, um im Rennsport erfolgreich zu sein. Foto: Eva Schmitz
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Arbeit für das Schrauber-Team: Am Rennkart gibt es immer wieder einiges zu verbessern. Foto: Eva Schmitz

Eschweiler. Ja, das muss einfach Liebe sein, wenn man als 16-Jähriger an einem Ferien-Samstag um sechs Uhr morgens aufsteht, während Andere in seinem Alter noch im Bett liegen. Für Nicolas aus Dürwiß jedoch heißt es: auf nach Kerpen zum 6-Stunden-Kartrennen.

Mit seinem Team „Speed 4 Fun“ startet der Schüler gegen 21 Teams auf der Kartbahn „Erftlandring“. Beim Auftakt des Rennens geben die Karts ohrenbetäubenden Lärm von sich. „Beim Beginn eines Rennens habe ich immer ein bisschen Angst, weil alle Fahrer sehr dicht auffahren“, gibt Christine, Nicolas Mutter zu. Doch alles verläuft reibungslos. Die Karts haben 34 PS und wurden gestellt, damit alle Teilnehmer dieselben Chancen haben. „Außerdem musste jedes Team einen Betrag von 2500 Euro bezahlen. Hinzu kommen noch die Teile, die während des Rennens beschädigt werden“, so Michael Poick , Nicolas Vater.

Michael, der nicht nur zur Unterstützung seines Sohnes mitgereist ist, sondern auch das Team managt, erläutert, dass er mit zwei weiteren Assistenten während des Rennens über Walkie-Talkies Kontakt hält. „Wir haben für die Fahrer einen gut sichtbaren Posten an der Rennstrecke gewählt, um Handzeichen zu gegeben und somit den Fahrer zu informieren, wann der nächste Boxenstopp stattfindet.“

Bei einem Boxenstopp werden die vier Fahrer jeweils ausgetauscht, es muss getankt und auch die Reifen müssen ausgewechselt werden. „Die kostet uns wichtige Minuten ist aber nun mal nötig“, erklärt Michael Poick. Zwischenzeitlich erreicht „Speed 4 Fun“ den zweiten Platz, was auf einem Bildschirm ständig zu verfolgen ist. Doch dann passiert es: Die Rutschkupplung ist defekt. „Speed 4 Fun“ muss einen ca. 25-minütigen Boxenstopp einlegen. Das kostet die Truppe 37 Runden, die es wieder einzuholen gilt.

Nicolas, der aus seiner Mannschaft mit 46,38 Sekunden die 1107 Meter lange Strecke am schnellsten gefahren ist, muss nun 50 Minuten lang das Maximale erreichen, denn nicht nur die verlorene Zeit muss wieder eingefahren werden, hinzu kommt auch noch der leere Tankbehälter. „Noch einen weiteren Boxenstopp können wir uns nicht leisten“, sagt Michael Poick.

Anspannung im ganzen Team. Doch am Ende reicht es: „Zwar ist nicht mal mehr ein Tropfen Benzin im Tank, aber wir haben es geschafft“, sagt Nicolas. Doch trotzdem ist die Gruppe nicht zufrieden: „Es ist einfach sehr ärgerlich, wir waren so gut dabei und dann passiert so etwas. Schade“, erzählt der Teamleiter Michael.

Herzblut, Ehrgeiz, Kampfgeist und vor allem das gute Zusammenspiel zwischen Vater und Sohn waren bei diesem Wettkampf immer vorhanden. Die Liebe zum Motorsport begann schon in früher Kindheit von Nicolas: „Alles startetet mit fünf Jahren auf einer Cross-Maschine, später dann das Pocketbike“. Daraufhin sagte ein Bekannter seines Vaters, der selbst Kart fuhr: „Setzt den Jungen mal in ein Kart.“

„Ich saß also schon mit sieben Jahren im Kart, und von da an war es um mich geschehen“ erinnert sich Nicolas. Nicolas früh entdeckte Leidenschaft wurde als er acht Jahre alt war mit einem eigenen 6 bis 7 PS starkem Kart an Weihnachten bereichert. Heute fährt der Gymnasiast ein wesentlich PS-reicheres Schalt-Kart: „Dieses hat neu einen Wert von 10.000 Euro und hat 45 bis 48 PS“ berichtet der Schüler.

Finanziell wird Nicolas Hobby von seinen Eltern und seiner Oma unterstützt. Die ganze Familie steht hinter ihm, damit dieser seinen Traum ausleben kann. „Wenn ich zu ihm sage: Heute gehen wir neue Schuhe einkaufen“, sagt seine Mutter Christine, „dann wäre ihm wahrscheinlich lieber, wenn ich gesagt hätte: Heute kaufen wir dir neue Rennhandschuhe.“

Alles Geld, was Nicolas spart, gibt er für sein Hobby aus. So benötigt Nicolas alle vier Jahre einen neuen Helm, dieser kostet 650 bis 700 Euro. Aber da der Helm dann einfach nur weiß ist und somit nicht sonderlich angesagt bei der Jugend, kommt noch die persönliche Farbgestaltung hinzu. „Die Lackierung kostet auch nochmals 500 bis 1200 Euro. Also alles in Allem liegt man bei 1200 bis zu 2000 Euro für einen komplett neuen Helm“, berichtet der 16-Jährige.

Geld spielt bei diesem Hobby eine wichtige Rolle: „ Das Talent, am Lenkrad zu drehen, reicht leider nicht aus, man muss schon viel Geld investieren, um erfolgreich zu sein“, erläutert Michael, der ihn seit seiner Kindheit begleitet. So kostet ein Satz Reifen 180 Euro – diese können aber nur ein bis zwei Tage genutzt werden. „In der Hochsaison kommen wir monatlich auf einen Betrag von 500 bis 1000 Euro“, fügt sein Vater hinzu.

Die beiden verbindet die Leidenschaft zu starken Motoren, den Geruch nach Benzin und das nötige Werkeln am Kart. Viele Tage verbringen die Zwei seit Jahren auf der Rennstrecke „Erftlandring“ in Kerpen. Sie sind ein eingespieltes Team. Sie wissen, was zu tun ist, wenn das Kart Mängel aufweist, auch wenn hierbei manchmal durchaus Streitigkeiten entstehen können. „Wir sind uns nicht immer ganz einig“ gibt Nicolas zu. Diese dauern aber nicht lange an: Sobald der Mangel am Kart behoben ist, erzählen sich die Beiden wieder Witze und lachen zusammen. Ein eingespieltes Team eben.

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