Kartoffelsorten: Mit Fritten hat Lady Felicia nichts am Hut

Von: Laura Beemelmanns
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In der Erntezeit ab Anfang Jul
In der Erntezeit ab Anfang Juli werden die frischen Kartoffeln vom Kinzweiler Kartoffelbauern Hermann-Josef Johnen täglich aus der Erde geholt, landen dann in der Sortier-Maschine und zu guter Letzt werden einige von ihnen geputzt, geschält und luftdicht eingeschweißt. Foto: Laura Beemelmanns

Eschweiler. Im Idealfall ist sie 35 bis 55 Millimeter groß, liegt prall in der Hand und ihr Inneres erstrahlt in sattem und kräftigem Gelb - die Speisekartoffel. Sie trägt schillernde Namen wie Celena, Annabelle, Lady Felicia oder Belana, die runde unter den Kartoffeln, und wenn sie frisch aufgeschnitten wird, hinterlässt die Stärke einen weißen, saftigen Schimmer.

Der Kinzweiler Kartoffelbauer Hermann-Josef Johnen weiß: „Kartoffeln haben immer nur schöne Frauennamen”. Für seinen Langendorfer Hof hat er sich aus rund 200 Sorten, die in Deutschland zur Verfügung stehen, genau diese vier ausgesucht. Ergänzt wird das Quartett durch die rotschalige, festkochende Schönheit Valery zu einem Quintett, das für den sandigen Lehmboden in der Gegend rund um das Rheinland genau die für ihn richtige Mischung bildet.

Nun ist Erntezeit. Die Ernte-Maschinen laufen auf Hochtouren, gerade erst ist er zurück vom Feld, das karierte Hemd und die Jeans sind noch leicht staubig, ein kleinen Taschenrechner befindet sich griffbereit in der Hemdtasche. Schnell tippt er auf die staubigen Tasten, Maßeinheiten schallen durch den Raum. Doch Hermann-Josef Johnen behält stets den Überblick.

Seit Anfang Juli verbringen er und sein Sohn Christian sowie weitere drei Erntehelfer täglich etliche Stunden auf den Feldern. „Wenn die Ernte beginnt sind wir jeden Tag der Woche zumeist bis 21 Uhr oder noch später unterwegs”, so Johnen. Schließlich gilt es die rund 1000 Tonnen Kartoffeln, die er pro Jahr erntet, frisch aus der Erde zu holen und zum Verbraucher zu bringen.

Hermann-Josef Johnen ist Direktvermarkter. Er möchte sich vom Diktat des Großhandels klar differenzieren. Denn er setzt sich für die Dicken ein, die dicken Kartoffeln. „Zu dicke Kartoffeln werden mit Abzügen bestraft”, so Johnen. Dabei erfreuen gerade die sich zumindest bei seinen Kunden immer größerer Beliebtheit.

Er beliefert regionale Großverbraucher wie Seniorenheime oder Krankenhäuser, Bauernläden und Wiederverkäufer. „Industriekartoffeln” kommen für ihn nicht in Frage. Aus seinen Kartoffeln werden keine Pommes hergestellt, keine Stärke, sie sollen so natürlich wie möglich heranwachsen. Aus diesem Grund produziere er nicht die Masse, sondern Qualität.

Auf seinen Feldern sitzt alle 38 Zentimeter eine Kartoffel in der Reihe. Schließlich können aus einer gepflanzten Kartoffel bis zu 15 neue heranwachsen. Und die benötigen ihren Platz.

Sobald sie in der Erde verschwunden sind, hofft Hermann-Josef Johnen auf den perfekten Wechsel von Sonne und Regen, schützt seine Kartoffeln vor Pilzen und Schädlingen wie den Kartoffelkäfer sowie vor Diebstahl. „Heute erst habe ich den ersten Kartoffelkäfer gesehen”, so Johnen, doch „geklaut wird jede Menge”, lacht der große Mann mit dem freundlichen Gemüt und flitzt in Windeseile über seinen Hof.

Mit zwei vergleichsweise kleinen hölzernen Boxen à 75 Tonnen hatte im Jahr 1993 alles begonnen. Wo zuvor noch Rinder ihren Lebensalltag verbrachten, stapeln sich zur Erntezeit bis zu 3,5 Meter hoch die Kartoffeln, umgeben von vielen Strohballen, die als Dämmung dienen. Nun hat die Halle ein Fassungsvermögen von 800 Tonnen. Die Kartoffel habe es ihm einfach angetan, sagt Johnen.

Dass er sich für Kartoffeln entschieden hatte, habe jedoch nicht nur finanzielle Gründe. Es steckt auch eine ganze Menge Herzblut darin. Rinder gebe es schon lange nicht mehr, andere Nutztiere auch nicht. „Auf dem Hof leben nur noch vier Katzen”, scherzt Johnen.

Denn hier hat eine ganz besondere Dame das Herz der Familie erobert: die Kartoffel. Aus diesem Grund widmet er ihr seit elf Jahren ein ganzes Fest - das Kartoffelfest. Dort bietet er Führungen durch den Betrieb und die Felder an, bringt allen Interessierten die Maschinen näher. Und es gibt Einiges zu sehen.

Kartoffelbauer Johnen hatte nämlich eine ganz besondere Idee: Er schält die Kartoffeln - als einziger Bauer in Eschweiler. „Ich schäle im Gegensatz zu vielen anderen auch die lang-ovalen Kartoffeln, das kostet zwar mehr, sie sind aber leckerer”, erklärt Johnen. Eingeschweißt als Scheiben, Viertel oder auf Bestellung auch in Würfeln, muss der Verbraucher die frische Ware nur noch entspacken und in den Kochtopf schütten. Abgepackt und eingeschweißt ist so ein Beutel kühl gelagert fünf Tage haltbar, und der Geschmack überzeugt.

Und wer nun auf selbigen gekommen ist, der besucht Hermann-Josef Johnen am besten am Sonntag auf seinem Hof und lässt sich von Celena, Annabelle und Co. höchstpersönlich beim Kartoffelfest überzeugen.
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