Karnevalskomitee: Fünf Minuten lang 23 Mitglieder

Von: Andreas Röchter
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Hurra, wir sind im Komitee dabei: Die KG Löwengarde mit ihren jungen Mitgliedern gehört nun offiziell zur Gemeinschaft der Karnevalsvereine Eschweilers. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Etwa fünf Minuten lang konnten die Verantwortlichen des Geschäftsführenden Vorstands des Karnevals-Komitees der Stadt Eschweiler während der Abschlusssitzung am Mittwochabend im Talbahnhof wahrhaft Historisches vermelden: Rund 300 Sekunden lang zählte das Komitee 23 Mitgliedsgesellschaften! Kurz zuvor hatten nämlich 43 der 49 Stimmberechtigten vor Ort für die Aufnahme der KG Löwengarde Eschweiler votiert.

Doch dieser Rekord hatte nur wenige Minuten Bestand. Denn nachdem die Vereinsaktivitäten des Reitercorps Stadtgarde Eschweiler seit über drei Jahren ruhen und auch auf Nachfrage keine Anzeichen auf Wiederbelebung zu erkennen waren, beschlossen die Komiteemitglieder satzungsgemäß den Ausschluß der Gesellschaft. So bleibt die Zahl der Gesellschaften, die Mitglieder des indestädtischen Karnevalskomitees sind, standesgemäß bei zwei Mal elf!

Es war ein Paukenschlag, als der Antrag der KG Die Löwengarde Eschweiler während der Sessions-Abschlusssitzung 2013 nicht die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit erhielt. Zwar stimmten vor einem Jahr 32 Komiteemitglieder für die Aufnahme, doch 15 Gegenstimmen verhinderten zunächst den Beitritt. Am Mittwochabend erfolgte nun der letztlich erfolgreiche zweite Anlauf.

„Wir haben die Löwengarde in der zurückliegenden Session noch einmal in Augenschein genommen. Das Verhalten und das Auftreten ihrer Mitglieder war dabei in keinster Weise zu beanstanden“, betonte Norbert Weiland. Marc Engelhardt, Präsident der KG Blaue Funken-Artillerie Eschweiler, unter deren Patenschaft die Löwengarde seit vier Jahren stand, stieß in das gleiche Horn: „Die Löwengarde war ein einwandfreies Patenkind. Sie ist gut aufgestellt und leistet außerordentlich gute Jugendarbeit“, warb er für die Aufnahme.

Auch Bedenken

Hubert Deutz, Präsident der KG Rote-Funken-Artillerie Eschweiler, äußerte einen grundsätzlichen Einwand: „Tun wir uns als Vertreter des Eschweiler Karnevals einen Gefallen mit einer noch größeren Anzahl an Vereinen? Wäre es nicht eher angeraten, die Kräfte zu bündeln und enger zusammenzurücken?“, stellte er zwei Fragen in den Raum. Norbert Weiland antwortete: „Wir können niemandem verwehren, Karneval zu feiern. Die Löwengarde verfügt über 80 erwachsene Aktive und 40 Jugendliche. Und auch das kleinste Rädchen trägt zum Erfolg des Eschweiler Karnevals bei. Dann ging es an die geheime Stimmabgabe. Bei 49 Stimmberechtigten waren 37 Ja-Stimmen für die Aufnahme der KG Löwengarde Eschweiler notwendig. Mit 43 Ja- und 6-Nein-Stimmen wurde diese Hürde deutlich übersprungen. „Damit ist die KG Löwengarde Eschweiler offizielles Mitglied des Karnevals-Komitees der Stadt Eschweiler“, ließ Norbert Weiland verlauten.

Franz-Josef Dittrich benachrichtige als Vorsitzender der Blauen Funken die Verantwortlichen der Gesellschaft. Wenig später mischten sich dann mit Präsident Norbert Bartz sowie dem Vorsitzenden Peter Nyst zwei Löwengardisten unter die Komiteemitglieder und nahmen zahlreiche Glückwünsche entgegen.

Unausweichlich war der Ausschluss des Reitercorps Stadtgarde Eschweiler. „Seit der außerordentlichen Komiteesitzung am 9. Dezember 2010 ruhte die Mitgliedschaft dieser Gesellschaft. Auch nach nun mehr als drei Jahren sind keine Aktivitäten, kein Lebenszeichen zu bemerken. Der Ausschluss ist die logische Folge“, betonte Norbert Weiland vor der laut Satzung erforderlichen Abstimmung, die ein einstimmiges Ergebnis brachte.

Rund eineinhalb Stunden zuvor hatte der Komiteepräsident zahlreiche Vertreter der indestädtischen Karnevalsgesellschaften im Kulturzentrum Talbahnhof begrüßen dürfen: „Ich erkenne hier Verhältnisse, die an die Proklamation von Prinz Christian III. erinnern und sehe einen beinahe überfüllten Saal.“ Da die Session aber inzwischen bereits drei Monate zurückliege, sei es an Michael Römer, den Karnevalisten mit Hilfe seines Jahresberichts auf die Sprünge zu helfen. Der Zekretär ließ sich nicht lumpen, erhob sich von seinem Stuhl und setzte zu einem Parforceritt durch karnevalistischen Frohsinn an. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Organisation des Karnevals immer mehr Verwaltungsarbeit mit sich bringe. „Die Stichworte lauten unter anderem Gema, TÜV-Abnahme, Sicherheit und Wagen-Engel“, machte Michael Römer deutlich.

Blick auf erfolgreiches Jahr

Im weiteren Verlauf seines launigen Rückblicks stand dann aber die Regentschaft von Prinz Christian III., seines Zeremonienmeisters Frank und nicht zuletzt von „Manni, dem Esel“, im Blickpunkt. Diese habe quasi mit der Prinzenwahl am Abend des 2. Oktobers 2013 begonnen, als der Wahlausschuss die mit Gitarre und Kochlöffel vorgetragene Bewerbung des Duos vollkommen zu Recht mit einem einstimmigen „Ja“ belohnt habe. Bereits die folgenden Stationen „Tag des Karnevals“ sowie Prinzenkürung und -proklamation hätten eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie geschlossen die Scharwache hinter ihrem Gespann gestanden habe. Die dann folgenden „unzähligen“ Sitzungen und Empfänge hätten das Gefühl „stolz, aus Eschweiler zu sein“ bei allen Beteiligten nur noch verstärkt. „Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir Ulk-Oberröthgen-Präsident Heinz-Michael Raby, der während der Sitzung mit seinem Head-Set Darth Vader Konkurrenz machte, und Strafesel-Delinquent Elmar Wagenbach, der darauf bestanden hat, kein Kölsch kredenzt zu bekommen, da dieses Getränk zu den Psychopharmaka gehöre und Wohlfühlmomente garantiere“, nannte Michael Römer weitere Sessionshöhepunkte.

Der Straßenkarneval an Weiberfastnacht, der „berühmt-berüchtigte“ Prinzenempfang bei der Feuerwehr, der Rathaussturm am Karnevalssamstag, der „Bürgermeisterempfang“ am Sonntag sowie der Rosenmontagszug, den laut Polizei 160000 Jecke am Straßenrand sahen, seien einmal mehr unvergessliche Erlebnisse gewesen.

Positive Zahlen vermeldete anschließend Komitee-Schatzmeister Christian Wolny vermelden. „Dies liegt aber vor allem an der großen Spendenbereitschaft, die wir in den Jahren 2012 und 2013 registrieren konnten. Sollte diese Bereitschaft irgendwann nachlassen, rutschen wir definitiv in den roten Bereich. Denn in der Zukunft werden die Gema-Gebühren sowie die Kosten für die Organisation des Rosenmontagszugs deutlich steigen“, lautete die Einschätzung des Schatzmeisters.

So konnte Kassenprüfer Heinz-Michael Raby ohne technische Hilfsmittel („Ich leide unter einer Mikrofon-Phobie und mein Head-Set ist bei den Dreharbeiten zu Star Wars 7 verschütt gegangen“) die Entlastung des Kassierers beantragen, die ebenso einstimmig angenommen wurde wie die durch den Komitee-Ehrenratsvorsitzenden Männ Dohmen beantragte Entlastung des Gesamtvorstands.

Kurz darauf stellte Norbert Weiland das Motto der Karnevalssession 2014/2015 vor, das „Eischwiele Alaaf you“ lautet, von Thomas Weiland gestaltet wurde und der Auftakt einer „Imagekampagne“ sein soll, deren Ziel es ist, die Außenwirkung des Eschweiler Karnevals zu verbessern (wir berichteten in unserer gestrigen Ausgabe).

Kurzes Grußwort

In einem kurzen Grußwort erklärte Bürgermeister Rudi Bertram, die abgelaufene Session sei einmal mehr eine „große Nummer“ gewesen. „Danke auch für die Aufnahme der Löwengarde ins Komitee. In dieser Gesellschaft sind nicht zuletzt 40 Kinder und Jugendliche aktiv, die dazugehören wollen.“ Darüber hinaus schickte der Verwaltungschef auch ein Dankeschön in Richtung Eschweiler-Ost. „Es mag in den zurückliegenden Jahren Unwägbarkeiten beim Reitercorps Stadtgarde gegeben haben. Trotzdem haben deren Mitglieder dem Karneval in Eschweiler in der Vergangenheit gutgetan.“

Zu guter Letzt hatte Norbert Weiland noch einige Anmerkungen an den Mann zu bringen: „Eine Proklamation wie zu Beginn der zurückliegenden Session, so gut das Programm auf der Bühne auch gewesen sein mag, wird es nicht mehr geben. Unter der gemütlichen Enge im Saal hat unser Nervenkostüm sehr gelitten. In Zukunft wird die Devise lauten: Ist der Veranstaltungsort voll, ist er voll“, kündigte er an.

Weiland ging auch noch auf den Rosenmontagszug ein. „Der Versuch, alle Wagen-Engel über eine einzige Sicherheitsfirma anzuheuern, muss als gescheitert angesehen werden. Ab sofort ist jede Gesellschaft in Eigenverantwortung zuständig“, sagte der Komiteepräsident, der abschließend die Karnevalisten aufforderte, der Abfallentsorgung während des Rosenmontagszugs noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken: „Bei der Nachbetrachtung des Rosenmontagszugs 2014 mussten wir feststellen, dass das Müllaufkommen von 2,5 auf 6 Tonnen angestiegen ist. Die daraus resultierenden immens steigenden Kosten gefährden den Rosenmontagszug!“

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