Eschweiler - Karl-Heinz Krott: Vom Patternhof bis ins legendäre Maracana

Karl-Heinz Krott: Vom Patternhof bis ins legendäre Maracana

Von: Hubert Meisen
Letzte Aktualisierung:
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Das Pokalspiel der ESG gegen Schalke 04 am Patternhof vor mehr als 8000 Zuschauern am 3. Oktober 1962 - ein echtes Highlight. Foto: privat
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Auch im legendären Maracana-Stadion am 23. Juni 1968 (0:1 gegen Flamengo Rio de Janeiro) durfte Krott spielen. Foto: privat
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Ein Höhepunkt in der Karriere Karl-Heinz Krotts: Das Gruppenbild entstand vor dem Pokalspiel der ESG gegen Schalke 04 am 3. Oktober 1962. Karl-Heinz Krott (hockend 2. von rechts) neben Nationalspieler Berni Klodt. In der Mitte, leicht nach vorne gebeugt, ist Willi Schulz zu erkennen, der vier Jahre später mit der Nationalmannschaft Vizeweltmeister wurde.

Eschweiler. Der Name Karl-Heinz Krott wird wie kaum ein anderer mit dem Fußball in der Eschweiler Sport-Gemeinschaft in Verbindung gebracht. Nur drei Jahre wurde seine Zeit bei der ESG unterbrochen. Es waren die Jahre, in denen der „Vollblutstürmer“ in der Bundesliga für Alemannia Aachen auf Torejagd ging. Dazu später mehr.

Die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte Karl-Heinz Krott in Wolfenbüttel. Dort begann er als Achtjähriger mit dem Fußballspielen. Diese Leidenschaft setzte er unverzüglich fort, als die Familie 1952 nach Eschweiler übersiedelte. Wie üblich, durchlief er alle Jugendmannschaften bei der ESG. Die spielte damals noch auf dem Sportplatz an der Talstraße. Als dieser anderen Zwecken weichen musste, wurde der Verein zum Sportplatz Patternhof „ausquartiert“, wo er sich den Platz mit den damals bestehenden Vereinen Wacker und Schwarz-Weiß teilen musste.

Drei Vereine auf einem Sportplatz – das war schon eine Herausforderung. Wie auch immer – die ESG setzte sich durch und war später der alleinige Nutzer der Anlage. So manche „Fußballschlacht“ wurde hier geschlagen. Einige gingen unvergesslich in die Sportgeschichte Eschweilers ein. Maßgeblichen Anteil daran hatte Karl-Heinz Krott, der schon 1959, also mit 17 Jahren, mit einer Sondergenehmigung in die 1. Mannschaft der ESG aufgenommen wurde. Schnell erwarb er sich als erfolgreicher Torjäger einen guten Ruf. Er brachte alles mit, was einen guten Stürmer auszeichnet. Er war stark in der Ballbehandlung, schnell im Antritt, sprungkräftig beim Kopfballspiel und ging nie einem Zweikampf aus dem Weg. Dabei ist zu bedenken, dass damals die Spiele fast alle auf Aschenplätzen ausgetragen wurden. Rasenplätze hatten noch Seltenheitswert. Das Wort „Kunstrasen“ war noch nicht mal ein Fremdwort.

So etwas gab es noch nicht. Im Nachhinein kann man ohne Übertreibung sagen, dass Karl-Heinz Krott auf Asche Dinge praktiziert hat, die sich heute wohl kaum jemand mehr zutrauen würde. Fallrückzieher, Hechtsprünge bei Kopfbällen, aber auch technische Finessen, wie Dribblings auf engstem Raum und Doppelpässe mit den Stürmerkollegen – dies alles gehörte zu seinem spielerischen Repertoire. Trotz dieses oft unangenehmen Bodenbelags.

Der Pokalschreck

Die ESG erwies sich damals auch oft als Pokalschreck. Das Spiel mit der höchsten Zuschauerzahl (über 8000 auf dem Patternhof) gegen Schalke 04 am 3. Oktober 1962 ging zwar 0:6 verloren, aber so prominente Gegner wie Borussia Mönchengladbach, Wuppertaler SV und Bayer Leverkusen wurden hier auch schon mal aus dem Pokalwettbewerb geworfen. Die Gladbacher mussten sogar zweimal die Heimreise vom Patternhof aus als Verlierer im Pokal antreten.

In der Saison 1958/59 bezwang die ESG die Borussen mit 2:1. Eine wahre Sensation ereignete sich dann in der Saison 1960/61. Borussia Mönchengladbach war am 5. Oktober 1960 im Düsseldorfer Rheinstadion vor 49.000 Zuschauern DFB-Pokalsieger durch einen 3:2-Sieg über den Karlsruher SC geworden. Nicht einmal drei Wochen später wurde die erste Runde im Pokal des Folgejahres, zunächst auf WFV-Ebene ausgetragen. In diesem Spiel auf dem Patternhof am 23. Oktober 1960 warf die ESG den Titelverteidiger Borussia Mönchengladbach mit einem unglaublichen 3:0 aus dem Pokal.

Nach der Saison 1966/67 gab es einen einschneidenden Wendepunkt in der Fußballkarriere des Karl-Heinz Krott. Er wollte „hoch hinaus“, nämlich in die Bundesliga. Ein halbes Jahr lang trainierte er regelmäßig mit den Profis des 1. FC Köln, die offenbar großes Interesse an ihm hatten. Allerdings als es darauf ankam, konnte sich der unumschränkte Herrscher im Verein, Vereinsboss Franz Kremer, nicht zu einem Vertragsabschluss durchringen. So entschied sich Krott, bei Alemannia Aachen anzuheuern, die zur gleichen Zeit den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hatte.

Beim Aufeinandertreffen auf dem Tivoli zwischen Alemannia Aachen und dem 1. FC Köln am 2. Dezember 1967 wollte er es den Kölnern zeigen. Nach acht Minuten führte Alemannia bereits 2:0, doch Köln glich noch vor der Pause durch zwei Tore von Nationalspieler Hannes Löhr aus. In der zweiten Halbzeit, als Köln mächtig auf den Führungstreffer drängte, schlug die große Stunde von Karl-Heinz Krott. In der 56. Minute gelang ihm ein „Traumtor“ zum 3:2 für Aachen, das die Wende in diesem Spiel brachte. Alemannia gewann 4:2. Der Tivoli „stand Kopf“. An diesem Tag haben die Kölner garantiert ihre Entscheidung bedauert. Franz Kremer jedoch hat diesen Tag nicht mehr erlebt. Etwa drei Wochen vorher war er gestorben.

In den drei Jahren in Aachen bestritt Krott 52 Bundesligaspiele und erzielte dabei zehn Tore. Der größte Erfolg war natürlich das Erringen des Titels Deutscher Vizemeister 1969. Neben Krott spielten mit Jupp Thelen, Heinz-Gerd Klostermann und im ersten Jahr Ersatztorwart Heinz Schors weitere Ex-ESG‘ler im Bundesligateam der Alemannia. Hinzu kam mit Trainer Michel Pfeiffer in den beiden ersten Jahren noch ein weiterer Ur-Eschweiler. Da kam es durchaus vor, dass sich nach den Spielen auf der Heimfahrt der Fans an der Autobahn-Ausfahrt Eschweiler ein Rückstau bis auf die Autobahn bildete.

Reise nach Südamerika

Unvergessen blieb für Krott natürlich auch die Südamerikareise mit der Mannschaft vom 14. Juni bis 6. Juli 1968. Es wurden Spiele in Brasilien, Uruguay, Paraguay und Argentinien ausgetragen. Höhepunkt der Reise dürfte das Auftreten im wohl berühmtesten und damals noch größten Stadion der Welt gewesen sein. Im Maracana von Rio de Janeiro unterlag die Mannschaft zwar gegen Flamengo 0:1, aber aus heutiger Sicht war das wohl zweitrangig.

So schön und gut die beiden ersten Jahre bei Alemannia Aachen auch waren, so trostlos verlief dann die Saison 1969/70, die mit dem Abstieg aus der Bundesliga endete. Dies war für Karl-Heinz Krott auch das Ende seiner Karriere als Bundesligaspieler. Sein letztes Spiel in der Eliteklasse absolvierte er am 30. März 1970. Im Frankfurter Waldstadion gab es eine 2:6-Niederlage bei der Eintracht. Er kehrte zu seinem Heimatverein Eschweiler SG zurück und spielte hier noch bis 1978.

In diese Zeit fielen auch richtungsweisende Ereignisse für die ESG. Heinz Schors engagierte sich als neuer „Macher“ in der Fußballabteilung und kaufte etliche Spieler zu einem leistungsstarken Team zusammen, vor allem bestehend aus ehemaligen Profis von Alemannia Aachen. Dazu gehörten Namen wie Rolf Pawellek, Heiner Sell, Hermann Grümmer und natürlich Karl-Heinz Krott sowie Torwart Jörg Daniel. Nach anfänglichen großen Erfolgen brach irgendwann plötzlich alles wie ein Kartenhaus zusammen.

Als Schors anscheinend seine Versprechungen in finanzieller Hinsicht nicht mehr halten konnte, fiel die Mannschaft auseinander. Das einzig Positive, das aus dieser Zeit geblieben ist, war die Umwandlung des Aschenplatzes am Patternhof in einen Rasenplatz.

Vor 4000 Zuschauern

Dieser wurde am 12. September 1972 feierlich eröffnet. Zum Eröffnungsspiel wurde Bundesligist Werder Bremen eingeladen. Das Spiel endete 2:1 für Bremen. Auch der 1:0-Sieg der ESG im Meisterschaftsspiel gegen TuS Langerwehe am 25. März 1973 vor 4000 (!) Zuschauern war ein Großereignis. Schade, dass es solche Lokalduelle in unserer Region längst nicht mehr gibt. Der hinterlassene Schuldenberg von damals wirkte sich offenbar bis in die heutige Zeit aus. Letztlich wurde vor wenigen Wochen die Fußballabteilung der ESG aufgelöst. In der Ausgabe vom 26. Oktober hat unsere Zeitung ausführlich darüber berichtet. Karl-Heinz Krott war einer der wenigen, die diese schlimme Zeit der ESG-Fußballabteilung in den 70er Jahren nicht zum Anlass nahmen, den Verein zu verlassen. Mit 36 Jahren zog er sich aus dem aktiven Spielgeschehen zurück.

Im Mai dieses Jahres wurde Karl-Heinz Krott 75 Jahre alt. Heute lebt er als Rentner mit seiner Frau immer noch in Eschweiler. Am Fußball ist er nach wie vor interessiert. Aktiv treibt er aber keinen Sport mehr. Eine seiner wichtigsten und liebsten Beschäftigungen ist das intensive Kümmern um seine Enkelkinder.

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