Kampfsportler will zur WM nach Moskau

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Alexandros Papadopoulos (links) ist in seinem Element und versucht seinen Gegner zu besiegen. Foto: Ginger Rose
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Begleitet wurde der 18-jährige Indestädter von Familie und Freunden sowie dem stellvertretenden Bürgermeister Manfred Groß (rechts).

Eschweiler. Konzentration und Angst liegen in der Luft. Kurz vor dem Kampf ist Alexander Papadopoulos angespannt. Er hat seine Kopfhörer aufgesetzt, doch die Musik, die ertönt, nimmt er nicht mehr wahr. Der Indestädter befindet sich in seiner eigenen Welt.

Hochkonzentriert geht er noch einmal die verschiedenen Techniken durch, in der Hoffnung seinen Gegner zu besiegen. Dann ist es soweit. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl wenn man auf die Matte geht“, erinnert sich der 18-Jährige und fügt hinzu: „Von dem, was um mich herum passiert, bekomme ich während des Kampfes gar nichts mit.“

Wenn Alexandros Papadopoulos an die vergangenen Wochen denkt, breitet sich ein Lächeln in seinem Gesicht aus. Vier außergewöhnliche Tage hat er in der griechischen Stadt Veria erlebt. So richtig verarbeitet hat er diese Erfahrung jedoch noch nicht. Immer wieder wirkt er nachdenklich und versucht seine Fehler zu analysieren. Dabei hat er durchaus Grund zur Freude. Schließlich trat Papadopoulos für Deutschland bei der Europameisterschaft im Pankration an und sicherte sich in drei Kategorien jeweils den dritten Platz. Zufrieden ist der Auszubildende, der sich im vergangenen Jahr in Sparta den Weltmeistertitel sicherte, jedoch nicht. „Ich denke jetzt noch darüber nach, was ich falsch gemacht habe“, sagt der ehrgeizige Indestädter, der sich monatelang auf die Europameisterschaft vorbereitet hat. Kraftübungen, Techniktraining und Kämpfen standen an fünf Tagen in der Woche für mindesten zwei Stunden auf dem Programm.

Doch nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Fitness, musste der 18-Jährige trainieren. „Man kann das Kämpfen mit Schachspielen vergleichen. Man muss sich bereits mental auf die nächste Aktion des Gegners einstellen und sich überlegen, wie man darauf reagieren könnte.“ Doch was genau kann man sich unter Pankration vorstellen? „Es ist ein Kampfsport, bei dem so gut wie alles erlaubt ist“, erklärt Papadopoulos.

Klingt gefährlich? Ist es auch. Gebrochene Schlüsselbeine und verdrehte Knie waren auch bei der Europameisterschaft Mitte November keine Seltenheit. Trotzdem ist der Kampfsport, der eine Mischung aus Kampfsportarten im Standkampf (Karate, Kickboxen) und im Bodenkampf (Ringen, Jiu Jitsu) ist, aus dem Leben des Inde-städters kaum noch wegzudenken. Mit fünf Jahren begann Papadopoulos mit Karate, wurde von seinem Vater Solon, der seit über 30 Jahren die beliebte Gaststätte „Zum Schwan“ in Weisweiler betreibt, trainiert. „Als ich 14 Jahre alt wurde, habe ich dann mit Ringen und MMA angefangen“, sagt er. MMA bedeutet Mixed Martial Arts und ist eine moderne Art des Vollkontaktwettkampfes. Tritt- und Schlagtechniken aus verschiedenen Kampfsportarten wie Boxen, Kickboxen und Karate gehören genauso dazu wie Bodenkampf- und Ringtechniken.

Regeln gibt es bei dieser Sportart kaum. Auch Tritte und Schläge auf den Kopf sind erlaubt. Nicht nur Vater Solon sorgte sich um das Wohl seines Sohnes. „Er hatte wirklich Angst um mich, da ich bisher noch nicht in dieser Disziplin angetreten bin“, so der 18-Jährige. Auch die Mitreisenden, zu denen neben dem deutschen Nationalteam samt Trainerstab auch Familie und Freunde des Indestädters sowie der stellvertretende Bürgermeister Manfred Groß zählten, verfolgten die Kämpfe gespannt.

Selbst in der Indestadt verfolgten Familie und Freunde via Live-Stream im Internet das Geschehen und drückten dem 18-Jährigen die Daumen. Dieser hatte sich viel vorgenommen. In gleich drei Kategorien, zu denen Semikontakt-Pankration, Agon-Pankration und MMA zählten, trat Papadopoulos an. Doch bevor es so richtig losging, musste der 18-Jährige erst einmal auf die Waage treten. Ein Erlebnis, vor dem sich nicht nur Frauen fürchten, wie Papadopoulos berichtet. „Wenn man zu viel von seinem angegebenen Gewicht abweicht, darf man nicht am Wettbewerb teilnehmen“, erklärt der Indestädter, der in der Gewichtsklasse bis 72 Kilogramm antrat. Aus diesem Grund gab es am Abend zuvor nur Salat, erinnern sich seine Freunde Ginger Rose und Alexander Kindermann, die den Sportler nach Griechenland begleiteten.

Am nächsten Tag wurde es dann ernst. Gleich fünf Kämpfe musste Papadopoulos absolvieren. Eine Erfahrung, aus der der 18-Jährige gelernt hat. „Danach war ich wirklich sehr geschwächt“, sagt er und fügt hinzu: „Ich denke, dass ich im kommenden Jahr nur in zwei Kategorien antreten werde. Vielleicht schneide ich dann noch besser ab.“ Bei der Weltmeisterschaft, die im kommenden Jahr in Moskau stattfindet, will der Indestädter wieder antreten. Gute Chancen hat er allemal. Und vielleicht klappt es dann sogar wieder mit der Goldmedaille. „Ich werde mich auf jeden Fall reinhängen und alles geben“, sagt Papadopoulos, der vor wenigen Tagen wieder mit seinem Training begonnen hat.

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