Kampf um Stimmen mit harten Bandagen

Von: Patrick Nowicki
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Die Straße endet im Nirgendwo
Die Straße endet im Nirgendwo am Hohenstein: Seit Jahren warten die Menschen auf den Weiterbau der L 238 n. Foto: Günther Paulsen

Eschweiler. Sie sind zwei Kandidaten, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: Stefan Kämmerling und Axel Wirtz. Genosse trifft auf Christdemokrat. Sachlich analytischer Herausforderer gegen temperamentvollen Amtsinhaber.

Eschweiler gegen Stolberger. Und doch vereint sie eines: Sie wollen beide in den Landtag einziehen. Denn nur über das Direktmandat haben sie eine reele Chance, nach Düsseldorf zu kommen. In der Landesliste ihrer Partei liegen sie weit hinten. Vor zwei Jahren kam es schon einmal zu diesem Zweikampf, 541 Stimmen fehlten Kämmerling im Vergleich zu Wirtz. Mit entsprechend harten Bandagen kämpften die beiden beim Gespräch mit den Redakteuren in der Städteregion.

Keine Frage, in Eschweiler hat Kämmerling als Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes ein Heimspiel. Doch Wirtz will ihm das Feld nicht kampflos überlassen. Im Gegenteil: Er will mit Eschweiler Themen punkten. Natürlich zuvorderst mit der L 238 n. Auf den zweiten Bauabschnitt warten die Menschen schon seit Jahren, die Straße endet nach wie vor am Hohenstein. Auf halber Strecke befindet sich eine Brücke. Die Ortsumgehung Pumpe als dritter Bauabschnitt steht in den Sternen. Beide wollen sich für die Straßen einsetzen und werfen dem jeweils anderen vor, bei der Umsetzung der Straßen versagt zu haben: „Beim 2. Bauabschnitt hat Herr Wirtz keinen Erfolg erzielt. Am 22. April 2010 ist ein Laster vorgefahren, der hat drei Kubik Sand umgegraben und war Tage danach wieder weg. Bis jetzt hat sich da nicht viel getan”, so Kämmerling. Im Haushalt 2010 habe sich kein Geld für den 2. Bauabschnit befunden. Wirtz entgegnet: „Vor 2005 waren schon so viele Bescheide raus, dass wir diese erstmal abarbeiten mussten.” Man habe die Brücke gebaut und es wäre dort weitergegangen. Wirtz spricht von einer „Giftliste”, bei der der 3. Bauabschnitt „nach politischen Gesichtspunkten” gekippt worden sei.

Neben Pumpe sieht Axel Wirtz auch Hastenrath stark belastet: „Dort sind wir uns mit der Kommune noch nicht klar, wie wir den Verkehr an Hastenrath vorbeiführen.” Allerdings seien auch 16.000 Fahrzeuge täglich eine enorme Belastung.

Die Frage, wie die Stadt der Zukunft aussehen soll und wie das Land auf die älter werdende Gesellschaft reagiert, bestimmt ebenfalls den Wahlkampf. „Ökologie ist wichtig, aber der Mensch muss im mittelpunkt stehen”, sagt Kämmerling. Man müsse „stadtteiloptimierte Antworten” finden. Als Beispiel nennt er das Projekt „Soziale Stadt - Eschweiler Ost”. Ein ähnliches Projekt könne im Bereich der Gutenbergstraße umgesetzt werden. Das wiederum will sich auch Wirtz auf die Parteifahne schreiben und ergänzt: „Das Projekt war in unserer Regierungszeit.” Kämmerling kontert: „Dann muss Herr Großmann, der das Projekt eingeweiht hat, bei ihnen in der Partei eingetreten sein, ich habe das zumindest nicht mitbekommen.”

Schärferer Ton

Der Ton verschärft sich auch dann, wenn es um die Dichtigkeitsprüfung geht, die aktuell überarbeitet wird. Wirtz und Kämmerling streiten darüber, wer sie zu verantworten hat. Die Kritik der Christdemokraten an dem NRW-Gesetz wertet Kämmerling als Wahlkampf: „Die CDU wettert jetzt gegen ein Gesetz, dass sie selbst auf den Weg gebracht hat.” Wirtz antwortet: „Das Gesetz ist noch gar nicht ratifiziert worden. Wir waren, nachdem wir gemerkt hatten, das funktioniert so nicht, die Ersten, die dagegen waren.”

In manchen Fragen herrscht bei beiden Kandidaten sogar Einigkeit. Wenn es um die kommunalen Finanzen geht zum Beispiel. Wirtz verspricht sich viel davon, wenn man die Städte und Gemeinden etwas von der Gewerbesteuer abkoppelt. „Dann sind die Kommunen nicht mehr so abhängig von der Konjunktur”, meint er. Ein Anteil an der Einkommenssteuer sei eine Möglichkeit, große Schwankungen bei den städtischen Einnahmen zu vermeiden. Auch was die Zukunft der Eschweiler Innenstadt betrifft, sprechen die beiden Kandidaten mit einer Stimme: Es soll wieder Geld von der Düssel an die Inde fließen, um auch die nördliche Innenstadt zu modernisieren.

Allzu viele Gemeinsamkeiten wollen die beiden jedoch nicht aufkommen lassen. Nach dem 13. Mai hat schließlich nur einer den Sprung nach Düsseldorf geschafft.
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