Kaiser aus der Dose: Karl kehrt heim nach Ascvilare

Von: rpm
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Der T-Shirt-Aufdruck ist pure Ironie: Ein Schmierfink ist Graffiti-Künstler Lars Kesseler ganz gewiss nicht. Ohne jede Vorlage „verewigte“ der 43-Jährige jetzt Kaiser Karl in der Unterführung am Hauptbahnhof. Rechts sein Heerlener Kollege Sidney van den Berg. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Runde 1200 Jahre ist es her, dass Karl der Große im späteren Eschweiler ein Hofgut unterhielt. Das trug bekanntlich, wie von Karls Geschichtsschreiber Einhard überliefert, den Namen Ascvilare. Jetzt ist der Kaiser zurückgekehrt: In der Unterführung am Eschweiler Hauptbahnhof blickt er hoheitsvoll auf die Reisenden, die die an ihm vorbeieilen.

Das Karlsjahr macht‘s möglich: Im Auftrag des Aachener Kulturbetriebs, der hier mit der Deutschen Bahn, der Stadt Eschweiler, der Max Krieger Kulturmanagement GmbH und der Stawag kooperiert, gaben der Aachener Graffitikünstler Lars Kesseler alias Lake 13 und sein Heerlener Kollege Sidney van den Berg alias Desh der öden Unterführung ein neues Gesicht. Das des großen Karl.

Dessen großformatiges Porträt sprühte Lars Kesseler (43) am Samstag auf die Wand – meisterhaft, ohne jede Vorlage. Van den Berg (23) setzte den Schriftzug Eschweiler dazu. Weitere Bilder – darunter die Karlsmünze – sollen folgen: Am 27. Juli soll das Werk vollendet werden.

Schon am Auftakt-Tag der Kunstaktion wurden Kesseler immer wieder von Passanten angesprochen, die ihm fasziniert bei der Arbeit zusahen.

Seit 25 Jahren hat sich Diplom-Designer Lars Kesseler der Graffiti verschrieben. Inzwischen lebt er davon, Zu einigen öffentlichen Aufträgen („Leider ist ja nicht jedes Jahr Karlsjahr“) gesellen sich immer mehr private. „Da gibt es Leute, die die Silhouette des Rathauses oder des Doms auf die Hauswand gesprüht haben möchten. Aber manche lassen mir auch völlig freie Hand bei der Motivwahl und wollen mit Graffiti-Kunstwerken ihre Wandflächen vor Vandalismus schützen“, berichtet Kesseler, der in Aachen, gleich gegenüber dem Ludwig-Forum für internationale Kunst, eine Street-Art-Galerie unterhält und dort auch Graffiti-Workshops anbietet.

Teils in Kooperaton mit Schulen, Jugendeinrichtungen und Museen. Auch wenn er selbst so begonnen hat: „wilde“ Graffiti nervt ihn heute. „Aber das ist ein politisches Problemen, ein Problem fehlender Freiflächen.“ Die hat er jetzt in der Bahnunterführung gefunden. Und damit Kaiser Karl die Indestadt nicht als anrüchig empfindet, hat die Bahn Duftspender montiert: Eschweiler duftet nach Orangen.

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