Kabarettist Michael Feindler zeigt sein Programm

Von: ran
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Im Bewusstsein, dass sich die Überbringer schlechter Nachrichten noch nie der größten Beliebtheit erfreuen durften, hielt Kabarettist Michael Feindler der Gesellschaft auf der Bühne des Talbahnhofs den Spiegel vor. Wobei ihm Zynismus vollkommen fremd ist! Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Überbringer schlechter Nachrichten hatten noch nie den besten Ruf! Denken sie an ihren Spiegel oder die Waage!“ Vollkommen auf Zynismus verzichtend, führte Kabarettist Michael Feindler am Freitagabend im Talbahnhof durch sein Programm „Das Lächeln der Ohnmächtigen“. Dabei verlor er zu keiner Sekunde sein Credo aus dem Auge, das er seinen Zuhörern wieder und wieder vermittelte: „Wir alle sind Gewinner!“

Festmahl für Obdachlose

Im Angesicht der aktuellen Weltlage sei es einfach absolut unabdingbar, endlich einmal die positiven Aspekte in die Gesichtsfelder der Menschen zu rücken. „Das aus Nahrungsmittelspekulationen hart erwirtschaftete Geld eignet sich doch zum Beispiel ganz hervorragend dazu, Obdachlosen ein Festmahl zu kredenzen“, verdeutlichte der Student der Politikwissenschaften, Philosophie und Publizistik seinen Ansatzpunkt. Überhaupt müsste so mancher Begriff einfach nur neu interpretiert werden. So bedeute Freiheit in der heutigen Demokratie, dass man das tun wolle, was man tun solle. „Wo ein Weg ist, ist auch immer irgendwer gewillt“, griff Michael Feindler zur Gitarre, um seinen lyrischen Ausschweifungen auch noch eine musikalische Note zu verleihen.

Vor Überraschungen sei man aber dennoch nie gefeit: „Wer hätte damit gerechnet, dass ein grundsolides Unternehmen wie Google die ihm vorliegenden Daten nicht einfach nur herumliegen lässt, sondern damit auch noch etwas anderes anstellt?“, erinnerte er an den „legendären NSA-Sommer“ vor drei Jahren, der auf die politisch Handelnden quasi vom Himmel gefallen sei. Und auch die Tatsache, dass seit eineinviertel Jahren vermehrt Menschen, nicht zuletzt in der sächsischen Hauptstadt Dresden, das Bedürfnis hätten, zumindest einmal in der Woche frische Luft zu schnappen und dabei skandierten, sie seien das Volk, sei keinesfalls vorherzusehen gewesen.

„Das sind Menschen, die sagen, sie dürften gar nichts mehr sagen. Da wird ein Weltbild, das seit Bismarck mühsam aufgebaut wurde, einfach ratzfatz zerstört!“, offenbarte Michael Feindler durchaus Verständnis. Wobei ein Anlass zur Sorge kaum vorhanden sei. „Die Verantwortlichen kommen und gehen, aber die Umstände bleiben. Ein eindeutiges Zeichen, wie stabil unser politisches System inzwischen ist!“ Und überhaupt sei früher ja auch bei weitem nicht alles schlecht gewesen. So habe die Prügelstrafe sicherlich in vielen Fällen ADHS verhindert.

Liebet einander...!

Ein Problem sei jedoch definitiv, dass auf der Gewinnerseite unheimlich viel Potenzial brach liege: So biete die Effizienz, die Kinderarbeit mit sich bringe, doch eigentlich Vorteile für alle Beteiligten. „Einerseits bringt sie Unabhängigkeit und Freiheit von den Eltern, andererseits liegt die Bezahlung unter Mindestlohn. Eine klassische Win-Win-Situation“, betonte der 26-Jährige, der darüber hinaus den vagen Verdacht äußerte, dass deutsche Verbraucher „Nutzen“ aus der Kinderarbeit in selbstverständlich unendlich weit entfernten Ländern ziehen könnten. „Näher, Soldaten oder Prostituierte. Wie erwachsen sie erscheinen, auch wenn sie manchmal weinen...“, blieb dem einen oder anderen Zuhörer im Publikum das Lachen wohl im Halse stecken. Doch punktgenau holte Michael Feindler die Talbahnhof-Gäste zum Abschluss seines Programms auf die Sonnenseite zurück: „An alle Gewinner: Liebt einander, wie der Mammon euch liebt!“, so der Ratschlag des Wuppertalers, dem eine wahrlich „bombige“ Zugabe zum Wohle des Lobbyismus folgte.

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