AZ App

Kabarettist Henning Schmidtke zu Gast im Talbahnhof

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
6906286.jpg
Ist am Freitagabend mit seinem Programm „Hetzkasper – zu blöd für Burnout“ zu Gast: Henning Schmidtke.

Eschweiler. „Hetzkasper – zu blöd für Burnout“ heißt das neue Bühnenprogramm von Kabarettist Henning Schmidtke. Am Freitag, 17. Januar, 20 Uhr, ist der gebürtige Niedersachse, der in Hessen aufgewachsen ist, damit im Talbahnhof zu Gast. Schmidtke, der erst kürzlich mit dem Preis „Tegt-meiers Erben“ ausgezeichnet wurde, widmet sich an diesem Abend vor allem den stets hetzenden Menschen der heutigen Zeit, die eben wenig Zeit haben.

Im Interview spricht er über sein erstes Mal in Eschweiler, Eindrücke aus anderen Ländern und er verrät, dass er seine Zeit gerne mit Spezialisten verbringt.

Herr Schmidtke, Sie waren bereits im Talbahnhof zu Gast. Können Sie sich an den Abend erinnern?

Schmidtke: Ja, kann ich. Namen vergesse ich schon mal. Da passt der Spruch „Namen sind Schall und Rauch“ ganz gut. Es war damals ein sehr schöner Abend im Talbahnhof. Es war ein gemeinschaftliches Erlebnis. Das ist nicht bei jedem Auftritt so.

Und jetzt stehen Sie im Jubiläumsjahr auf der Bühne. Den Talbahnhof gibt es seit 20 Jahren.

Schmidtke: Der Talbahnhof hat für die Region eine große Bedeutung, und viele tolle Künstler sind dort bereits aufgetreten. Da ist es schön, wenn man selbst auf einem der Plakate zu sehen ist. Den Organisatoren muss man danken. Sie investieren eine Menge Zeit. Wir leben von diesen Menschen, ohne sie ginge es nicht. Ich weiß, was ich ihnen zu verdanken habe. Es gibt Gegenden in Deutschland, in denen mich niemand kennt, wenn ich dort auftrete. Aber die Leute kommen trotzdem, weil sie wissen, dass in den Häusern immer gutes Programm geboten wird.

Apropos Zeit. Sie kommen gerade von einer Kreuzfahrt aus Brasilien und Argentinien wieder, zurück zu den oft hektischen Deutschen. Da passt ihr Programmtitel doch ganz gut.

Schmidtke: Es gibt tatsächlich Unterschiede, wenn man vergleicht, wie schnell die Menschen in den verschiedenen Ländern sind. In Brasilien gehen die Menschen wesentlich langsamer. Argentinien ist da ganz anders, es ist eher europäisch geprägt. Und was interessant ist: Man hat Urlaub, es ist 35 Grad und eigentlich ist alles perfekt. Trotzdem gibt es Menschen, die dann nicht in Ruhe auf ihren Cocktail warten können.

Was erwartet die Zuschauer am Freitag im Talbahnhof?

Schmidtke: Die Performance wird so sein wie immer: sprechen, flüstern, singen, rappen, spielen am Klavier. Und es wird KEINE Tanzeinlagen geben. Außerdem lasse ich im Großen und Ganzen das Publikum in Ruhe. Natürlich geht es größtenteils um das Thema Hektik und Burnout und die Fragen: Warum arbeiten wir so viel? Was bringt das? Woher kommt die Hetze? Muss das sein? Auch ein spannendes Thema ist der derzeit diskutierte „Sozialtourismus“. Das schaukelt sich hoch, und das macht mir Angst.

Inwiefern?

Schmidtke: Sobald die Menschen unsicher sind, suchen sie sich einen Sündenbock. In unserer Gesellschaft sind das oft die Sinti und Roma. Oder etwa die Flüchtlinge in Lampedusa. Das Wetter wird schlechter und kälter und gleich haben wir Angst, dass uns andere den Wohlstand wegfressen. Mit vielen Menschen kann man darüber auch nicht diskutieren. Dabei ist genug für alle da.

Gab es einen besonderen Anlass für ihr aktuelles Programm?

Schmidtke: Drei meiner Freunde sind in einer Burnout-Klinik gelandet. Daher ist das Thema für mich nicht nur eine triviale Mediendebatte, sondern auch ein persönliches Bedürfnis, mich damit zu beschäftigen. Burnout kann jeden treffen. Arbeit steht über allem. Manche gehen nicht zu einer Beerdigung mit der Entschuldigung, dass sie arbeiten müssen. Dabei ist eine Beerdigung die letzte Ehre, die man einem Menschen erweisen kann. Natürlich packe ich das Thema sehr lustig an. Nehmen wir das Thema Casting. Dort heißt es immer: Wer hat genug an sich gearbeitet? Künstler wie Westernhagen, Grönemeyer und Lindenberg wären nach heutigem Stand bei einem Casting sofort rausgeflogen.

Es gibt seit einigen Jahren eine Flut an Comedians und Kabarettisten. Sind es zu viele?

Schmidtke: Heute gibt es den Job des Comedians. Man wird Star und füllt ganze Arenen. Junge Leute sehen das und versuchen, auch dort hin zu kommen. Heutzutage sind die Comedians alle jung, Anfang oder Mitte 20 und wollen Stars werden. Wir waren damals schon 30 und wollten das nicht. Wir sind aus Spaß aufgetreten. Bis vor kurzem habe ich mir gar nicht vorstellen können, davon leben zu können.

Sie stehen auf der Bühne und arbeiten auch fürs Fernsehen. Was machen Sie lieber?

Schmidtke: Definitiv stehe ich lieber auf der Bühne. Da hat man es mit Menschen zu tun. Wenn man live etwas gut macht, bekommt man sofort einen Lacher. Wenn ich fürs Fernsehen produziere, stehen Kameramänner vor mir und lachen nicht. Das ist manchmal etwas schwierig. Ich freue mich jedes Mal darauf, live aufzutreten. Das ist die Krönung. Dabei kann es mit zwölf Leuten genau so schön sein wie mit 80 Gästen. Ganz zu Beginn bin ich mal vor zwei Leuten aufgetreten. Das war ein Pärchen, und es hat gegessen. Es war trotzdem nett und die beiden haben sich nachher bei mir bedankt. Natürlich müssen sich die Auftritte aber auch rechnen.

Mit wem würden Sie gerne Zeit verbringen?

Schmidtke: Da fallen mir so viele Menschen ein. Was ich gerne mache, ist: Spezialisten zuhören. Ich liebe es, wenn jemand über ein Thema sehr viel weiß und jedes Detail kennt. Das kann auch jemand sein, der zum Beispiel die Müllabfuhr organisiert und etwa weiß, wie schwer eine Mülltonne ist. Da kann ich einfach nur zuhören.

Warum sollten die Eschweiler am Freitag ihr Programm sehen?

Schmidtke: Zunächst einmal kann jeder in lockerer Garderobe kommen. Wir hetzen an diesem Abend nicht, sondern lassen uns Zeit.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert