Kabarettist Henning Schmidtke im Talbahnhof

Von: thd
Letzte Aktualisierung:
Hinterfragte Alltag und Politi
Hinterfragte Alltag und Politik: Der Kabarettist Henning Schmidtke begeisterte am Klavier, mit Rap oder mit einfachen Erzählungen seines Alltags. Foto: Theres Dickmeis

Eschweiler. „Es kann passieren, dass hier heute Abend gelacht wird!” Jegliche Maßnahmen der Warnung und Vorsicht hatte Henning Schmidtke unternommen, damit sein Publikum vom Humor nicht überrascht wird. Nach einer Eingewöhnungsphase war es auch tatsächlich soweit: Es wurde gelacht, bis die Tränen liefen.

Eine Eingewöhnungsphase? Das Publikum saß Schmidtkes eigener Art gegenüber, die nicht von Anfang an jedermanns Sache war, schließlich aber mit zwei Zugaben gekrönt wurde. Mit seinem Programm „No Wumme - no cry?” gab Henning Schmidtke im Talbahnhof einen Einblick, wie er gewaltfrei nach dem Motto von Bob Marley „Keine Waffe - kein Geschrei!” lebt und so die Welt ein bisschen besser macht - oder es zumindest immer wieder versucht.

Im Wechsel zwischen Wortbeiträgen und Musikeinlagen hinterfragte er alle Gesellschaftsecken geistreich, wobei er tief in den schwarzen Humor eintauchte. Mit seiner Gesellschaftskritik ließ er - über den Globus verteilt - kein gutes Haar an so vielem. Das wurde schon ab dem Vergleich zwischen den deutschen und US-amerikanischen Polizisten deutlich.

Die Cops von Übersee würden schließlich viel gefährlichere Arbeit leisten oder „gab es schon einmal einen deutschen Beamten, der sich totgearbeitet hat?” Spätestens nach solchen Aussagen war dem Publikum bewusst, dass Henning Schmidtke mehr als „Friede-Freude-Eierkuchen-Kabarett” bot. Und auch während der Musikbeiträge, sei es an seinem Klavier oder beim Rap, nahm er kein Blatt vor dem Mund.

„Aufgeblasene Tussi”

Musik war schon immer ein Teil in Schmidtkes Leben. „Music was my first love” gestand der Kabarettist, der sich von seiner großen Liebe trotzdem sehr betrogen fühlte. „Musik ist eine Hure und eine Heilige, aber sie lässt niemanden im Stich”, sang Schmidtke und versuchte es zum Trost vergeblich mit Lyrik („Sie ist eine aufgeblasene Tussi”) und Malerei („Sitzt vor mir und schweigt”). Und während des gemeinsamen Wegs mit seiner Liebe, habe er - und mit Sicherheit viele andere auch - seine Idole nie gewechselt.

„Früher waren die Stones die Vorbilder, weil sie Drogen nahmen. Heute sind sie es, weil sie noch leben.” Neben der Musik erzählte Schmidtke von skurrilen Auftritten. „Im Knast und auf dem Kreuzfahrtschiff aufzutreten hat schon Vorteile - das Publikum kann nicht weg, wenn es mich schlecht findet!” Auf dem Kreuzfahrtschiff erlebte der Kabarettist, Autor und Musiker von Reizüberflutung über Beauty- und Duty-Free alles bis zum typisch deutschen Erkennungszeichen: „Wir haben doch in den letzten 60 Jahren mehr Platz mit Handtüchern als mit Waffen belegt.”

Und irgendwie landete Schmidtke immer wieder bei seiner Liebe, der Musik. Sei es die Brutalität in Kinderliedern („Ist doch logisch, dass Bushio seine Ideen aus der Mundorgel hat!”) oder sein Kindheitstrauma, da er lieber Gitarre statt Klavier lernen wollte („Durch Mozart bekam ich zwar die Eins, einer der Jimi Hendrix spielte, hatte aber die Weiber!”).

Und mit dem größten Tipp an alle Lehrer verabschiedete sich Schmidtke: „Rappt im Unterricht!” Und das machte er direkt vor, denn Goethes Erlkönig interpretiert vom Kabarettist Schmidtke hätte kein Achtklässler jemals besser verstanden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert