Kabarettist deckt Vorurteile gegenüber Dunkelhäutigen auf

Von: se
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Kabarettist Marius Jung begeisterte am Donnerstagabend mit seinem Programm „Singen können die alle! Vom Neger zum Maximalpigmentierten“ die Gäste im Kulturzentrum Talbahnhof. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Es sei eine harte Zeit für Rassisten, schließlich sei der schwarze Mann auf dem Vormarsch. „Und das finde ich gut“, sagte Marius Jung. Am Donnerstagabend war der Kabarettist im Kulturzentrum Talbahnhof zu Gast und beantwortete den Besuchern anhand seines Programms „Singen können die alle! Vom Neger zum Maximalpigmentierten“ Fragen über „Neger“, wie er es nannte.

Zu Beginn des Abends stellte er klar: „Nur Neger dürfen auch Neger sagen.“ Lachen durften die Zuschauer natürlich trotzdem. „Ich kann euch beruhigen, ihr sitzt im Dunkeln, also seid ihr für mich alle schwarz.“

Mit „Rassistenpreis“ geehrt

Jung bewies an diesem Abend, dass er weitaus mehr, als nur lustig sein kann. Er las auch Auszüge aus seinem Buch „Singen können die alle! Handbuch für Negerfreunde“. Für sein Werk wurde er von einer Leipziger Studentinnen-Vertretung mit einem „Rassistenpreis“ ausgezeichnet. Die (natürlich nicht ernst gemeinte) Antwort des Kabarettisten? Sein Buch sei nicht nur rassistisch, sondern auch sexistisch. Schließlich sei er auf dem Cover nur in eine große Schleife gehüllt. Ein Kapitel seines Werks trug den Titel „Neger und Gespräche“. Jung gab den Besuchern den einen oder anderen Tipp, wie sie ein Gespräch mit einem Schwarzen führen sollten. „Spricht er nicht dieselbe Sprache, nützt es nichts, lauter zu sprechen.“

Dann mischte sich der Kabarettist unter die Zuschauer und fragte sie nach Begriffen für schwarze Menschen. Sein Resümee: „Niemand im Publikum hat mir einen Begriff nennen wollen, weil er Angst hatte, dass es falsch sein könnte.“

Besonders interessant und lustig waren die Beschreibungen seines Alltags. Jung ist nicht nur Kabarettist, sondern auch Schauspieler. Die Rollenangebote, die er erhält, beschränken sich jedoch auf zwei Figuren: Trommler oder Kleinkrimineller. Zu Begegnungen der unangenehmen Art komme es regelmäßig in der Fußgängerzone. „Die Menschen wuscheln einfach ungefragt in meinen Haaren“, erzählte Jung.

Ray Charles Klassiker

Natürlich kam auch die Musik an diesem Abend nicht zu kurz. Hatte er zu Beginn seines Programms „Sunny“ von Boney M. vorgetragen, so griff er vor der Pause zur Gitarre und gab ein Lied zum Besten, in dem es darum ging, dass die meisten negativen Dinge mit der Farbe schwarz in Verbindung stehen würden. Besondere Highlight waren seine Version des Ray Charles Klassikers „Lonely avenue“ sowie die Deutsche Nationalhymne, die er zunächst in einer Gospel- und dann in einer Dance-Version vortrug.

Auch ein Ausblick auf sein zweites Buch, das im März erscheint und sich mit dem Thema Political Correctness befasst, durfte an diesem Abend nicht fehlen. Jung erklärte dem Publikum, dass es auch viele Vorteile habe schwarz zu sein. „In vielen Ländern in die ich gerne reise, meint man, ich wäre ein Einheimischer.“ Natürlich durfte eine Zugabe am Ende nicht fehlen.

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