Kabarett: Eine Reise von der Antike bis zur Neuzeit

Von: cca
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Historiker Sebastian Schnoy über die Eigenart und Patzer des Adels. Im Hintergrund Ludwig XIV, König von Frankreich, mit dem Gesicht des Kabarettisten. Foto: Rebecca Leisten

Eschweiler. Mit einem dramatisch eingesprochenen Intro begann die Show von Kabarettist Sebastian Schnoy: „Sie sind mitten unter uns, doch wir sehen sie nicht. Noch immer leben Großfamilien in Europa abgeschottet vom Rest der Gesellschaft. Sie sind verbunden durch jahrhundertealte Riten, heiraten unter sich und essen wilde Tiere, die sie in heimischen Wäldern selbst jagen.“

Der gebürtige Hamburger machte mit seinem Programm „Von Stauffenberg zu Guttenberg – Der Adel patzt immer kurz vor Schluss“ Halt im Talbahnhof. Er führte sein Publikum auf eine Reise durch Antike, Mittelalter und Neuzeit.

Als Historiker weiß Schnoy, wovon er redet. Mit Humor und Niveau gestaltete der Hamburger einen unterhaltsamen und interessanten Abend mit faszinierenden Zusammenhängen der Geschichte. Dabei merkte Schnoy warnend an, dass sich unsere Gesellschaft zurück zu Germanen entwickle.

Denn die Germanen waren der Überzeugung, dass sie nichts Neues brauchten, auch keine neue Technik: „In unserer Vergangenheit haben die Kulturbanausen die Macht übernommen. Es ist unsere Aufgabe jetzt aufzupassen, dass es nicht wieder passiert! Denn von Geschichte können wir lernen, wenn wir sie uns merken würden!“

Vom Adel lernen

Schnoy erklärte auch, wie unsere Gesellschaft vom Adel lernen kann. „Wir können uns vom Adel und der Monarchie viel abschauen. Zum Beispiel für die Griechenland-Krise. Hier würde Merkel Zypries nach Adelsmanier heiraten und dann wär‘s erledigt.“ Nicht nur die Heiratsriten waren für den Kabarettisten ein Thema, er widmete sich auch ausführlich der britischen Monarchie an sich.

Sei es nun das morgendliche Weckprozedere der Queen durch einen Dudelsackspieler unter ihrem Fenster, warum so viele deutsche auf dem britischen Thron saßen und warum die Ursprünge Großbritanniens gar nicht rein britisch sind: „Die Briten wollten den Brexit, um unter sich zu sein. Doch was ist typisch britisch?“ Für Schnoy ist klar, dass in Großbritannien beispielsweise weder die Sprache noch die Thronfolger typisch britisch waren.

Neben dem Ritt durch die englische Geschichte und den Verbindungen innerhalb des historischen Ablaufs sprach Schnoy auch über die Patzer und Fauxpas des Adels. Zum einen über den spanischen König, der zur Elefantenjagd aufbricht und sich mit dem erlegten Tier fotografieren lässt. Zum anderen der bayrische König Ludwig II., der sich wegen seiner Schulden im See ertränkt. Für den Hamburger Historiker ist klar, dass vom Adel eine gewisse Faszination ausgehen muss.

Warum sonst würden wir uns von insgesamt 42 Attentaten auf Adolf Hitler nur an das eine erinnern, dass durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg vermasselt wurde? Doch letztlich patzt der Adel immer zum Schluss: „Erst erfindet Johannes Gutenberg den Buchdruck und revolutioniert das Schreiben, so dass wir nicht mehr abschreiben müssen. Doch dann kommt Karl-Theodor zu Guttenberg und wirft uns wieder Jahrhunderte zurück zum Abschreiben!“

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